Nach dem Hantavirus-Schreck sorgt nun das Norovirus für Quarantäne auf einem Kreuzfahrtschiff. Rund 80 Menschen sind auf der „Ambition“ erkrankt. Jetzt durften sie an Land.
Der Mega-Cruiser „Ambition“ mit fast 1800 Menschen an Bord wurde zeitweise in Bordeaux unter Quarantäne gestellt.
Von Michael Maier
Ein Albtraum für jeden Kreuzfahrtpassagier: Statt Entspannung unter Deck und Sightseeing an Land bestimmen plötzlich Quarantäne, Desinfektionsmittel und der unschöne Aufenthalt in der eigenen Kabine den Urlaub. Während die Reisebranche nach dem jüngsten Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius ohnehin unter erhöhter Beobachtung steht, zeigen neue Vorfälle in internationalen Gewässern, wie schnell auch ein klassischer viraler Magen-Darm-Ausbruch eine schwimmende Kleinstadt lahmlegen kann.
Aktuell im Fokus ist das britische Kreuzfahrtschiff „Ambition“ (Reederei Ambassador Cruise Line). Weil rund 50 bis 80 Passagiere und Crew-Mitglieder an heftigen Magen-Darm-Beschwerden litten, verhängten die französischen Behörden in Bordeaux einen kurzzeitigen, strikten Hafen-Arrest für das gesamte Schiff. Keiner der 1.233 Passagiere – überwiegend aus Großbritannien und Irland – sowie der 514 Besatzungsmitglieder durfte zunächst von Bord, geplante Landausflüge fielen ins Wasser.
Mittlerweile gibt es jedoch ein Update zur Weiterreise: Am Montagmorgen (18. Mai) hat die Ambition ihren regulären Kurs wieder aufgenommen und planmäßig am Kreuzfahrtterminal in Getxo (Hafen von Bilbao, Nordspanien) angelegt.
Zirkulierte das Norovirus schon länger auf der „Ambition“?
Laut Passagierberichten zeichnete sich die Infektionswelle auf der aktuellen Reise, die am 8. Mai in Belfast und am 9. Mai in Liverpool startete, rasant ab. Die Reederei bestätigte, dass die Fallzahlen nach der Einschiffung neuer Gäste in Liverpool spürbar anstiegen.
Offenbar hatte das Schiff das Problem jedoch schon im Gepäck: Bereits auf der direkt vorausgegangenen Norwegen-Kreuzfahrt soll es vereinzelte Magen-Darm-Fälle an Bord gegeben haben. Der Todesfall eines 92-jährigen Passagiers in Bordeaux steht nach Angaben der Verantwortlichen angeblich in keinem medizinischen Zusammenhang mit dem Virusausbruch.
Norovirus auf Kreuzfahrtschiffen
Das Norovirus ist weltweit der häufigste Auslöser von infektiösen Magen-Darm-Erkrankungen. Dass Berichte über Masseninfektionen besonders oft im Zusammenhang mit Kreuzfahrten auftauchen, liegt an einer Kombination aus mehreren Faktoren.
Auf einem Schiff teilen sich Tausende Menschen auf relativ engem Raum Gemeinschaftsräume, Buffets, Aufzüge und Geländer. Die Viren übertragen sich extrem leicht von Mensch zu Mensch (Mund-zu-Mund- oder Schmierinfektion) sowie über kontaminierte Oberflächen. Entgegen dem Ruf von Kreuzfahrtschiffen als „Virenschleudern“ sind die Hygieneüberwachungen dort extrem lückenlos. Sobald die Fallzahlen eine kritische Marke überschreiten, greifen internationale Meldesysteme. In Hotels an Land wird eine solche Welle selten so transparent statistisch erfasst und medial transportiert.
Norovirus auf dem Cannstatter Wasen
Auch auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart hatte es vor einigen Jahren einen Norovirus-Ausbruch gegeben. Ein Festzelt musste dort zeitweise geschlossen werden. Dann gelang aber rasch die Eindämmung der Ausbreitung. Seitdem gab es auf dem Cannstatter Wasen keine Zwischenfälle mehr. Noroviren sind aber auch in Kliniken und Seniorenheimen gefürchtet.
Erbrechen durch Norovirus
Das Norovirus ist hochansteckend, führt zu schlagartigem, heftigem Erbrechen und starkem Durchfall, klingt in der Regel aber nach 12 bis 48 Stunden ebenso schnell wieder ab. Gefährlich ist vor allem der immense Flüssigkeitsverlust.
Nachdem Laboranalysen in Bordeaux den Norovirus-Verdacht eindeutig bestätigt und ein Problem mit verdorbenen Lebensmitteln ausgeschlossen hatten, gaben die Behörden schnell Teilentwarnung: Symptomfreie Urlauber durften das Schiff wieder verlassen.
Mit dem Erreichen von Getxo kehrt nun schrittweise Normalität zurück. Die verbleibenden Erkrankten müssen allerdings weiterhin bis zur vollständigen Genesung isoliert in ihren Kabinen therapiert werden. Die Reederei betont, dass betroffene Passagiere finanzielle Rückerstattungen für die ausgefallenen Programmpunkte erhalten.
Schutz gegen Norovirus
Reedereien reagieren bei den ersten Anzeichen sofort mit rigorosen Sonderprotokollen: Öffentliche Bereiche, Handläufe und Knöpfe werden im Dauertakt mit speziellen, antiviralen Mitteln desinfiziert. Doch auch Reisende selbst können das Risiko minimieren:
Wer erste Symptome bei sich bemerkt, sollte im Interesse aller Mitreisenden unverzüglich den Bordarzt kontaktieren und nicht versuchen, den Infekt zu verschweigen. Die medizinische Versorgung bei solchen Ausbrüchen wird von den Linien in der Regel kostenfrei zur Verfügung gestellt.