Ohio-Schlammschlacht

Wenn Wahlkampf keine Grenze mehr kennt

Ein 240-Millionen-Dollar-Budget, Familientragödien, schmutzige Methoden und ein Stimmungsumschwung vor dem Wahltag im US-Rust-Belt.

Wenn Wahlkampf keine Grenze mehr kennt

Vivek Ramaswamy und Amy Acton kämpfen um das Gouverneursamt im bislang republikanischen „Swing State“ Ohio – hier könnte sich auch die Wahl zum Senat entscheiden.

Von Michael Maier

Eigentlich ist Ohio seit Jahren fest in republikanischer Hand. Doch im Endspurt zu den Midterm-Wahlen 2026 hat sich der Bundesstaat im US-Rust-Belt in ein politisches Schlachtfeld verwandelt. Das Rennen um das Gouverneursamt zwischen dem republikanischen Biotech-Unternehmer Vivek Ramaswamy und der demokratischen Ärztin Dr. Amy Acton ist zu einem der teuersten, intensivsten und schmutzigsten Duelle in der Geschichte der politischen Kommunikation eskaliert.

Missbrauchsdrama um Amy Acton

Den Höhepunkt markierte ein Werbespot von Ramaswamys Team. Darin trat Actons leibliche Mutter auf, um die Darstellungen ihrer Tochter über schweren Kindheitsmissbrauch öffentlich als angebliche Lüge darzustellen.

Was als finaler Schlag gegen die Glaubwürdigkeit der Demokratin gedacht war, entwickelte sich zum Boomerang: Acton war als Kind nachweislich wegen schwerer Vernachlässigung und Missbrauchs aus dem Haushalt geraten; gegen den damaligen Stiefvater lag sogar ein Haftbefehl wegen Vergewaltigung vor.

Schuss in Ohio geht nach hinten los

Der Versuch, die Kindheitstraumata einer Gegnerin politisch auszuschlachten, löste parteiübergreifende Entrüstung aus:

240-Millionen-Dollar-Wahlkampf in Ohio

Finanziell bricht die Auseinandersetzung Rekorde. Mit Unterstützung von Spendensammel-Organisationen (PACs) und prominenten Wahlkampfhelfern – darunter Barack Obama und Popstar Olivia Rodrigo auf demokratischer Seite – flossen bereits über 240 Millionen US-Dollar in Werbezeiten.

Der persönliche Angriff schadet Ramaswamy offenbar in der Wählergunst. In den Umfragen hat sich das Blatt mittlerweile gedreht:

Peinlicher JD Vance in Ohio

Auch Vizepräsident JD Vance stammt aus Ohio, eilte Vivek Ramaswamy nach dem Werbespot-Skandal verteidigend zu Hilfe und unterstrich damit einmal mehr sein Image als politisches Leichtgewicht, das treu der Trump-Linie folgt – selbst wenn es im eigenen Heimatstaat anders gesehen wird. Als möglichem Spitzenkandidaten für die Trump-Nachfolge bei der Präsidentenwahl 2028 scheinen Vance langsam die Felle davon zu schwimmen. Wird er als brillanter Romanautor („Hillbilly Elegy“), aber kurzlebiger politischer Rohrkrepierer in die Chroniken eingehen?

Ohio zeigt kurz vor dem Wahltag jedenfalls, wie stark verhärtet die Fronten der US-Politik sind – aber auch, dass das Überschreiten persönlicher Grenzen nicht unbedingt von den Wählern goutiert wird. Angesichts der immer noch knappen Umfragen sollte man das Geschehen und die Auszählung im klassischen „Swing State“ aber besonders aufmerksam verfolgen. Auch beim Senatsrennen könnten die Demokraten hier die Nase vorn haben.

Wenn Wahlkampf keine Grenze mehr kennt

Ex-Präsident Barack Obama engagiert sich in Ohio im Wahlkampf.