In wenigen Stunden gilt auch in Stuttgart der neue Tankrabatt. Dass die Literpreise in der Breite sofort unter zwei Euro fallen, ist kaum zu erwarten.
Fallen die Literpreise für Super und Diesel nach dem 1. Mai wieder unter die Zwei-Euro-Marke?
Von Daniel Gräfe
Während gerade mit dem Nachmittag des 30. April eines der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres rollt, wird der Tankrabatt eingeführt. Um Mitternacht ist es soweit. Dann entfällt die Energiesteuer. Knapp 17 Cent könnten Super und Diesel dadurch günstiger werden.
Voraussichtlich werden in den frühen Morgenstunden des 1. Mai die Preise spürbar sinken. Die Mineralölkonzerne beteuern, dass sie die Steuersenkung komplett weitergeben wollen. Das beteuerten sie aber auch, als im Sommer 2022 infolge des Ukraine-Kriegs ein dreimonatiger Tankrabatt eingeführt wurde. Laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsförderung gab die Mineralölwirtschaft den Rabatt im ersten Monat fast vollständig weiter, in den Folgemonaten allerdings nur noch zum Teil.
Auch nach Mitternacht ist zu erwarten, dass die Steuerentlastung zumindest anfangs annähernd vollständig weitergegeben wird – schließlich ist hier die Aufmerksamkeit von Autofahrern und Medien am größten. Doch fallen die Literpreise sofort um rund 17 Cent?
Bei Fuels und Energie e.V. – dem Verband der Mineralölindustrie – sendet man auf Anfrage scheinbar widersprüchliche Signale. Zum einen greife die Steuersenkung in der Praxis nicht sofort, da der am 1. Mai in den Zapfsäulen gelagerte Sprit großteils ohne Steuersenkung gekauft worden sei. Die Energiesteuer werde nicht beim Spritverkauf an der Zapfsäule, sondern bereits bei der Entnahme des Kraftstoffs aus Raffinerien oder großen Tanklagern berechnet.
Das würde bedeuten, dass der günstigere Sprit je nach Füllstand der Tankstellen erst im Laufe des 1. Mai gezapft werden würde. Oder auch später, da wegen des Feiertags die Belieferung in der Regel eingeschränkt ist.
Andererseits verweist der Verband auf die Konkurrenzsituation: Senke eine Tankstelle den Preis, ziehe die benachbarte meist nach. Notfalls mache eine Tankstelle dann zunächst Verlust, betont Verbandssprecher Alexander von Gersdorff und ergänzt: „Es kann bis in den Tag hinein dauern, bis die Preise unten sind. Ob das schon am 1. Mai vollumfänglich der Fall sein wird, kann ich so nicht beantworten. Es mag noch eine Zeit dauern.“
Das betont man auch beim ADAC. „Die Preise werden sukzessive fallen“, sagt Unternehmenssprecherin Katharina Lucà – im Tagesverlauf, aber teils auch in den Tagen darauf. Vergessen sollte man nicht, dass die Preise der 12-Uhr-Regel willen auch am 1. Mai nach Mittag wieder steigen.
Damit könnte der Vormittag des 2. Mai eine gute Gelegenheit sein, um den Tank wieder zu füllen. Oder, wohl noch sicherer, die Vormittage der Tage darauf – insofern es die Reiseplanung erlaubt.
Dass die Tankfüllung die günstigeren Preise vor dem Krieg in Nahost erreicht, können auch sie nicht erwarten. Am Tag vor dem Krieg kostete der Liter Super E10 im Schnitt 1,78 Euro – der Liter Diesel war für 1,75 Euro zu haben. Am 30. April, 13.30 Uhr kostete der Liter E10 in Stuttgart im Schnitt rund 2,15 Euro und der Liter Diesel rund 2,26 Euro.
Damit zogen die Preise im Vergleich zum Wochenbeginn nochmals leicht an. Damit dürften am 1. Mai die Preise im Schnitt kaum unter die Zwei-Euro-Marke fallen, von einzelnen Tankstellen abgesehen.