Vizepräsident J.D. Vance sitzt bei der Amtseinführung neben Präsident Donald Trump - den er auch gerne beerben würde.
Von Christian Gottschalk
Am 3. November sind Wahlen in den USA. Zwischenwahlen. Das ist traditionell die Zeit, um dem Präsidenten einen Denkzettel zu erteilen. Der könnte in diesem Jahr sogar ziemlich kräftig ausfallen, Donald Trump ist nicht mehr besonders beliebt. Andererseits hat das Wahlrecht seine ganz speziellen Tücken. Ob der Dämpfer tatsächlich so kräftig ausfällt, wie die einen hoffen, und die anderen befürchten, ist keinesfalls sicher.
Kampf der Vizepräsidenten
Ganz sicher ist allerdings, dass sich hinter den Kulissen bereits ziemlich viel bewegt, und zwar mit Blick auf den Präsidentenposten. Die Amtszeit von Donald Trump ist bereits zur Hälfte vorbei. Es kann nicht mehr allzu lange dauern, ehe sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern die ersten Interessenten für dessen Nachfolge ins Rampenlicht treten. Während die Spekulationen für die Wahlen im November 2028 zunehmen, zeigt eine neue Umfrage klare Favoriten bei beiden Parteien.
Wenn die Meinungsforscher von Focaldata/Financial Times den richtigen Riecher haben, dann kommt es zu einem Kampf der Vizepräsidenten. Die ehemalige Vizepräsidentin Kamala Harris und der amtierende Vizepräsident JD Vance führten beide die potenziellen Vorwahlen ihrer jeweiligen Partei an.
Laut der aktuell veröffentlichten Umfrage führt Harris unter den Demokraten mit 30 Prozent Zustimmung, gefolgt vom kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom mit 15 Prozent und der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und dem ehemaligen Verkehrsminister Pete Buttigieg, die beide 9 Prozent erreichen.
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums führt Vance mit 38 Prozent der Stimmen der Republikaner, gefolgt von Außenminister Marco Rubio mit 24 Prozent, während Floridas Gouverneur Ron DeSantis 9 Prozent der Stimmen der befragten Republikaner erhält. Laut Focaldata wurden für die Umfrage vom 2. bis 5. Oktober 2.553 Erwachsene in den USA befragt .
Banges Warten auf die Zwischenwahlen
Offiziell in den Ring gestiegen ist noch niemand, und vor den Zwischenwahlen ist damit auch nicht zu rechnen. Aber es gibt Andeutungen. So hat Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom im September gegenüber CNN erklärt, er werde nicht für das Präsidentenamt kandidieren, falls sich Kamala Harris erneut für die Demokraten bewerben sollte. Buttigieg erklärte hingegen in einem Podcast-Interview im August, er sei „eher geneigt als nicht“. Und der demokratische Senator Chris Van Hollen aus Maryland sagte im August in der NBC- Sendung „Meet the Press “, er prüfe die Möglichkeit einer Kandidatur.
Ted Cruz heizt Spekulationen an
Auf republikanischer Seite hat Senator Ted Cruz aus Texas Spekulationen über eine erneute Kandidatur für das Weiße Haus angeheizt. „Es ist kein Geheimnis, dass ich Präsident werden will“, sagte Cruz im August im Podcast des texanischen Vizegouverneurs Dan Patrick. Andere, wie Außenminister Marco Rubio, waren nicht so direkt. „Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber ich habe derzeit keine Pläne“, sagte Rubio im September. „Ich kandidiere momentan für kein Amt. Und ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf meine Arbeit.“
Das Problem für Rubio und Vance: Gehen die Zwischenwahlen verloren, muss sich ein künftiger Präsidentschaftskandidat der Republikaner von Trump abgrenzen. Der Noch-Präsident reagiert darauf und auf Kritik allerdings in der Regel harsch. Es kommt also auch auf das richtige Timing an, um sich aus der Deckung zu bewegen.
Kamala Harris würden viele Demokraten noch einmal gerne als Präsidentschaftskandidatin sehen.