Seit über zwei Jahrzehnten rätselt die Welt, wer hinter dem berühmtesten Street-Art-Künstler unserer Zeit steckt. Nun scheinen neue Indizien das Geheimnis zu lüften.
Banksy-Werk in London.
Von Michael Maier
Im Frühjahr 2026 bebt die Kunstwelt: Nach über zwei Jahrzehnten des Rätselratens scheint das größte Geheimnis der modernen Popkultur endgültig gelüftet zu sein. Eine aufwendige, weltweite Recherche von Reuters-Journalisten brachte handfeste Beweise ans Licht, die auf einen ganz bestimmten Namen deuten: Robin Gunningham (der zwischenzeitlich auch den Namen David Jones genutzt haben soll).
Durch die Auswertung alter Polizei- und Gerichtsakten aus dem Jahr 2000 in New York sowie detaillierte Vor-Ort-Recherchen (unter anderem zu Banksys Werken in der Ukraine) verdichteten sich die Hinweise. Ein handschriftliches Geständnis aus einer damaligen Festnahme wegen Vandalismus in Manhattan gilt für die Ermittler nun als der entscheidende Beweis, der das Phantom demaskiert.
Banksy-Phantom aus Bristol
Banksy ist nicht einfach nur ein Streetart-Künstler – er ist ein globales Phänomen. Seine Wurzeln liegen in der Underground-Graffiti-Szene der 1990er Jahre in der englischen Stadt Bristol. Mit seiner unverwechselbaren Schablonen-Technik (Stencils) und einer ordentlichen Portion schwarzem Humor kritisiert er seit jeher Kapitalismus, Krieg und gesellschaftliche Missstände.
Werke wie das „Girl with Balloon“ (das sich auf einer Auktion 2018 spektakulär selbst zur Hälfte schredderte) oder der „Flower Thrower“ sind heute Ikonen, die auf Auktionen zweistellige Millionenbeträge erzielen. Und das, obwohl sie oft buchstäblich über Nacht und ungefragt an Hauswänden auftauchen.
Wilde Banksy-Theorien
Ein Großteil von Banksys Mythos beruhte stets auf seiner strikten Anonymität. Da Street-Art an fremden Wänden streng genommen als illegaler Vandalismus gilt, war das Versteckspiel anfangs reiner Selbstschutz. Später wurde es zu seinem Markenzeichen.
Bevor der Name Robin Gunningham durch die jüngsten Aktenfunde zementiert wurde, kursierten jahrelang die wildesten Theorien: Ist er Robert Del Naja von der Band Massive Attack? Handelt es sich in Wahrheit um ein ganzes Künstlerkollektiv? Oder steckt der Comic-Zeichner Jamie Hewlett (Gorillaz) dahinter?
Banksy-Mythos: Wer ist Robin Gunningham?
Wer also ist dieser Mann, dessen Identität nun als gesichert gilt? Robin Gunningham wurde 1973 in Yate, einem Vorort von Bristol, geboren. Er stammt nicht aus einem rauen Arbeitermilieu, wie man bei einem anti-kapitalistischen Street-Art-Rebellen vielleicht vermuten könnte, sondern aus der bürgerlichen Mittelklasse. Gunningham besuchte die renommierte Bristol Cathedral Choir School. Schon in seiner Schulzeit galt er als äußerst begabter Zeichner und Illustrator.
Um das Jahr 2000 zog Gunningham nach London – exakt zu der Zeit, als Banksys Werke begannen, in der Hauptstadt aufzutauchen und er internationale Bekanntheit erlangte. Völlig neu ist der Name in der Gerüchteküche übrigens nicht: Bereits 2008 brachte die britische Mail on Sunday ihn ins Spiel.
Kriminalistisches Banksy-Profiling
Im Jahr 2016 untermauerte zudem eine Studie der Queen Mary University mittels geografischer Profilerstellung (einer Technik, die sonst in der Kriminologie genutzt wird) die Verbindung zwischen Gunninghams Aufenthaltsorten und den Standorten von Banksys Kunstwerken. Die neuen Aktenfunde und Geständnisse aus dem Jahr 2026 scheinen nun das letzte, unumstößliche Puzzleteil zu sein.
Banksy-Identität nicht offiziell bestätigt
Obwohl die Indizienkette um Robin Gunningham mittlerweile erdrückend ist, hat das offizielle Team um Banksy („Pest Control“) die Identität bis heute nicht endgültig bestätigt und hüllt sich weiter in humorvolles Schweigen.
Und vielleicht ist das auch gut so. Selbst wenn wir nun den bürgerlichen Namen und die Herkunft des Mannes hinter der Spraydose kennen, ändert das nichts an der Strahlkraft seiner Kunst. Bei Banksy ging es nie um den Künstler als Person, sondern immer um die Botschaft. Seine Werke halten der Gesellschaft den Spiegel vor – und das wird auch so bleiben, egal welcher Name auf seinem Ausweis steht.