Wer nicht handelt, bleibt Opfer

Terrorismus hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Das erfordert neue, radikale Antworten.

Von Eidos Import

Terrorismus hat sich in den vergangenen Jahren still, aber grundlegend verändert. Er ist seltener geworden, zugleich aber agieren die Gruppen tödlich, präziser, flexibler und strategischer. Immer häufiger wird der Terrorismus nicht mehr von Organisationen getragen, sondern von Einzeltätern, losen Netzwerken und Akteuren, die sich digital radikalisieren. Wer den Terrorismus als isoliertes Sicherheitsproblem betrachtet, verkennt seine neue Rolle in einer zunehmend von hybriden Konflikten geprägten Welt.

Die Entwicklungen im Terrorismus zeigen mehrere klare Trends. Das geografische Zentrum terroristischer Gewalt liegt in fragilen Regionen, vor allem in Afrika. In Europa ist die Zahl der Anschläge geringer, ihre Wirkung aber höher: symbolische Tatorte, einfache Tatmittel und maximale mediale Aufmerksamkeit. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Terrorismus, politischer Gewalt, Sabotage und staatlich geförderter Destabilisierung. Digitale Räume spielen dabei eine Schlüsselrolle – von Radikalisierung über Desinformation bis hin zur operativen Unterstützung. Terrorismus wird so zu einem Instrument strategischer Einflussnahme von Staaten und Diktatoren.

Vor diesem Hintergrund ist es sicherheitspolitisch zu kurz gegriffen, Terrorismus ausschließlich als innenpolitisches Problem zu behandeln. Gerade Russland nutzt hybride Methoden, um europäische Gesellschaften zu verunsichern: durch Desinformation, Cyberangriffe, Sabotage und die Ausnutzung extremistischer Milieus. Ziel ist weniger, die Anzahl von Opfern zu maximieren, als vielmehr Gesellschaften zu polarisieren und zu spalten, zudem das Vertrauen in staatliche Institutionen und den Rechtsstaat zu erschüttern sowie politisch zu lähmen. Terrorismus ist damit Teil eines breiten hybriden Vorgehens gegen Europa. Das gilt auch und erst recht gegen Deutschland.

Für die Bundesregierung ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Nationale Antworten reichen nicht mehr aus. Terrorismusbekämpfung muss konsequent europäisch gedacht werden. Die engere Abstimmung mit Partnern in der Europäischen Union ist kein politisches Wunschbild, sondern strategische Notwendigkeit. Gemeinsame Operationen und Lagebilder, intensiverer Informationsaustausch und einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, um den hybriden Bedrohungen zu begegnen.

Zugleich muss Terrorismus ausdrücklich als Bestandteil moderner Kriegsführung verstanden werden. Das erfordert das enge Zusammendenken von innerer und äußerer Sicherheit. Wenn terroristische Gewalt, Desinformation und Sabotage zusammenwirken, dürfen staatliche Antworten nicht an Ressortgrenzen scheitern. Es braucht ressort- und länderübergreifende Strategien, die Sicherheits-, Außen-, Digital- und Innenpolitik bündeln und verbinden. Resilienz wird damit zu einer zentralen sicherheitspolitischen Aufgabe: der Schutz öffentlicher Räume, kritischer Infrastrukturen und demokratischer Debatten ebenso wie die Prävention von Radikalisierung.

Im Kampf gegen heutigen Terrorismus braucht es politische Klarheit. Sicherheit entsteht nicht durch mehr Überwachung, sondern durch die Geschlossenheit von Politik und Gesellschaft. Der Terrorismus der Gegenwart ist weniger spektakulär, aber strategisch eingebettet. Er testet die Widerstandsfähigkeit offener Gesellschaften. Für Deutschland liegt deshalb die Antwort nicht im nationalen Alleingang, sondern in der europäischen Geschlossenheit und im klaren Bewusstsein, dass Terrorismus längst Teil eines täglichen, hybriden Krieges wurde. Wer das anerkennt, kann handeln – wer es ignoriert, bleibt dauerhaft Opfer.