Die Sicherheitslage am Golf bleibt volatil, doch westliche Außenministerien stufen Saudi-Arabien weiterhin differenziert ein. Was Reisende jetzt wissen müssen.
Dorf Zee Ain in Saudi-Arabien.
Von Michael Maier
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten verunsichern viele Reisende. Auch die Frage, ob Saudi-Arabien angesichts der Iran-Krise sicher bereist werden kann, treibt derzeit manche um. Von Stuttgart aus gehen sogar Direktflüge nach Jeddah/Dschidda am Roten Meer. Die Einreise für nicht-muslimische Touristen ist erst seit wenigen Jahren erlaubt.
Eine landesweite Reisewarnung gibt es derzeit (noch) nicht – weder vom deutschen Auswärtigen Amt noch von den Außenministerien anderer westlicher Staaten. Erhöhte Vorsicht ist jedoch unbedingt geboten.
Reisehinweise für Saudi-Arabien
Das Auswärtige Amt rät zwar „dringend von Reisen in das Grenzgebiet zu Jemen ab“ – konkret in einen 30 Kilometer breiten Grenzstreifen in den Provinzen Nadschran, Asir und Dschaizan. Für den Rest des Landes besteht jedoch keine formelle Reisewarnung.
Ähnlich äußern sich die USA (Sicherheitsstufe 2: „Erhöhte Vorsicht“), Großbritannien, die Schweiz und Österreich. Alle warnen vor regionalen Risiken im Süden des Landes, stufen Saudi-Arabien insgesamt aber nicht als Reiseziel ein, das grundsätzlich gemieden werden sollte.
Gefährliche Regionen in Saudi-Arabien
Zum Vergleich: Für Iran selbst gilt eine ausdrückliche Reisewarnung und Ausreiseaufforderung – eine völlig andere Qualität der Einschätzung. Die mit den USA verbündeten Sunniten Saudi-Arabien und die Schiiten im Iran gelten zwar als verfeindet, konnten direkte Auseinandersetzungen in der Vergangenheit jedoch stets vermeiden. Die Länder im Nahen Osten drängen die USA auch vor diesem Hintergrund zur Zurückhaltung im Iran.
Volatile Lage rund um den Iran
Auch wenn keine direkte Iran-bezogene Reisewarnung für Saudi-Arabien existiert, thematisieren alle Außenministerien die angespannte regionale Lage. Das Auswärtige Amt verweist auf die Waffenruhe zwischen Israel und Iran vom Juni 2025 und betont, dass die Sicherheitslage „äußerst volatil“ bleibe. Eine erneute Verschärfung könne nicht ausgeschlossen werden – mit möglichen Auswirkungen auf Saudi-Arabien.
Die US-Botschaft in Riad hat erst am 14. Januar 2026 ihre Landsleute aufgerufen, wegen der „anhaltenden regionalen Spannungen um Iran“ erhöhte Vorsicht walten zu lassen und nicht notwendige Reisen zu Militäranlagen zu vermeiden. Das formelle Sicherheitslevel wurde dadurch jedoch nicht angehoben.
Saudi-Arabien, Iran und die Huthi-Miliz
Die Gefährdungslage in Saudi-Arabien speist sich aus mehreren Quellen:
1. Jemen-Konflikt: Die Huthi-Miliz, die von Iran unterstützt wird, feuert regelmäßig Raketen und Drohnen ab – teils auf saudische Ziele, teils auf Israel, wobei diese den saudischen Luftraum durchqueren. Das höchste Risiko besteht im Grenzgebiet, doch die Schweiz weist ausdrücklich darauf hin, dass Beschuss auch andere Landesteile einschließlich Riad erreichen kann.
2. Terrorgefahr: Alle Außenministerien warnen vor terroristischen Anschlägen, die sich gegen westliche Einrichtungen, Wohnanlagen oder kritische Infrastruktur richten könnten.
3. Luftfahrtrisiken: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat eine Warnung für den Persischen Golf und den Golf von Oman ausgegeben. Bei einer Eskalation sind Flugstreichungen und Luftraumsperrungen jederzeit möglich.
Reisen nach Saudi-Arabien
Wer nach Saudi-Arabien reist – etwa aus geschäftlichen Gründen oder zur Wallfahrt nach Mekka (Hadsch) – sollte sich auf eine dynamische Lage einstellen. Möglicherweise ist es nicht das richtige Jahr für eine solche Unternehmung.
Die Außenministerien betonen einhellig, dass sich die Situation schnell ändern kann. Reisende sollten die offiziellen Reisehinweise vom Auswärtigen Amt (AA) laufend verfolgen und sich in Krisenvorsorgelisten wie „Elefand“ (Deutschland) oder STEP (USA) eintragen.