Trump Impeachment

Wie funktioniert ein Amtsenthebungsverfahren in den USA?

Das Impeachment ist eines der mächtigsten politischen Werkzeuge in den USA. Doch wie läuft ein solches Verfahren ab und welche Konsequenzen hat es?

Wie funktioniert ein Amtsenthebungsverfahren in den USA?

US-Präsident Donald Trump sieht sich aktuell erneut mit Impeachment-Forderungen konfrontiert. Aber wie würde ein Amtsenthebungsverfahren ablaufen?

Von Matthias Kemter

Das Amtsenthebungsverfahren, im Englischen als "Impeachment" bekannt, ist ein zentraler Bestandteil des politischen Systems der Vereinigten Staaten. Es ermöglicht die Absetzung hochrangiger Amtsträger, wenn diese gegen ihre Pflichten verstoßen oder schwere Vergehen begangen haben.

Die jüngsten Ereignisse rund um den Iran-Konflikt haben die politische Landschaft in den USA erneut erschüttert. Präsident Donald Trump sieht sich mit massiver Kritik konfrontiert, nachdem er ohne Zustimmung des Kongresses eine Militäraktion gegen den Iran gestartet hat. Während die Spannungen im Nahen Osten eskalieren, werden in den USA Forderungen nach einem Impeachment laut. Doch wie funktioniert ein Amtsenthebungsverfahren?

Die rechtlichen Grundlagen des Impeachments

Das Impeachment ist in der Verfassung der Vereinigten Staaten verankert. Artikel II, Abschnitt 4, legt fest, dass der Präsident, der Vizepräsident und andere Amtsträger des Bundes ihres Amtes enthoben werden können, wenn sie sich des Verrats, der Bestechung oder anderer schwerwiegender Verbrechen und Vergehen schuldig gemacht haben. Diese Formulierung, insbesondere der Begriff "other high Crimes and Misdemeanors", wurde von den Verfassungsvätern bewusst offen gehalten, um auch politische Vergehen wie den Missbrauch öffentlicher Macht oder die Verletzung des öffentlichen Vertrauens zu umfassen.

Der Ablauf eines Impeachment-Verfahrens

Ein Impeachment-Verfahren beginnt im Repräsentantenhaus, das mit einfacher Mehrheit über die Einleitung entscheidet. Wird ein Präsident oder ein anderer Amtsträger "impeached", ist dies jedoch nur der erste Schritt. Die eigentliche Verhandlung findet anschließend im Senat statt, wo dann allerdings eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, um den Angeklagten schuldig zu sprechen. Der Vorsitz im Senat wird dabei vom Obersten Richter geführt, wenn es sich um ein Verfahren gegen den Präsidenten handelt. Jede Seite hat das Recht, Zeugen zu vernehmen und Kreuzverhöre durchzuführen, bevor der Senat in geheimer Sitzung über Schuld oder Unschuld berät.

Historische Beispiele für Impeachments

In der Geschichte der Vereinigten Staaten gab es bisher fünf Amtsenthebungsverfahren gegen vier Präsidenten. Andrew Johnson wurde 1868 wegen Missachtung der Rechte des Kongresses angeklagt, jedoch knapp freigesprochen. Richard Nixon trat 1974 während der Watergate-Affäre zurück, bevor es zu einem Verfahren im Senat kommen konnte. Bill Clinton wurde 1998 wegen Meineids und Behinderung der Justiz angeklagt, jedoch freigesprochen.

Donald Trump ist der einzige Präsident, gegen den zwei Impeachment-Verfahren eingeleitet wurden: 2019 wegen Machtmissbrauchs und 2021 wegen Anstiftung zum Aufstand. In beiden Fällen scheiterte die Verurteilung an der fehlenden Zweidrittelmehrheit im Senat.

Aktuell sieht sich Donald Trump erneut mit Forderungen eines Impeachments konfrontiert, nachdem er am 28. Februar 2026 ohne Zustimmung des US-Kongresses die Militäraktion „Operation Epic Fury“ gegen den Iran gestartet hat. Die Erfolgsaussichten sind aktuell allerdings gering, da die Republikaner sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat kontrollieren. Anders könnte die Lage nach den Zwischenwahlen (Midterms) im November sein, da Trumps Zustimmungswerte aktuell sehr schlecht ausfallen und dann Zusammensetzung und Sitze im US-Kongress und im Repräsentantenhaus neu bestimmt wird.

Die politische Dimension des Impeachments

Das Impeachment ist nicht nur ein juristisches, sondern vor allem ein politisches Verfahren. Der Supreme Court stellte 1993 im Fall Nixon v. United States klar, dass die üblichen juristischen Regeln hier nicht gelten. Ein Amtsträger muss keine konkrete gesetzliche Vorschrift verletzt haben, um angeklagt zu werden. Vielmehr geht es darum, ob das Verhalten des Amtsträgers das öffentliche Vertrauen in die Institutionen der Demokratie untergräbt.

Konsequenzen eines erfolgreichen Impeachments

Wird ein Präsident des Amtes enthoben, übernimmt der Vizepräsident gemäß der Verfassung die Amtsgeschäfte. Der entlassene Präsident verliert zudem viele Privilegien, wie etwa Pensionsansprüche oder staatliche Reisebudgets. Allerdings bleibt der lebenslange Personenschutz bestehen. Ein Präzedenzfall, der diese Regelung infrage stellt, existiert bislang nicht.