Sinkende Lesekompetenz

Wie man bei Kindern die Freude an Büchern weckt

Studien belegen, dass eine erschreckend hohe Anzahl an Kindern nicht mehr richtig lesen kann. Die Stiftung Lesen wirkt gegen – und empfiehlt zum Einstieg Lektüren in einfacher Sprache.

Wie man bei Kindern die Freude an Büchern weckt

Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Lektüren in einfacher Sprache können ein guter Einstieg sein.

Von Alexandra Kratz

Die Stiftung Lesen spricht sich für Lektüren in einfacher Sprache aus und empfiehlt in einem Leitfaden verschiedene Bücher für die Grund- und Mittelstufe. Darunter sind die Klassiker „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll, „Momo“ von Michael Ende oder auch „Die Welle“ von Morton Rhue. Senior Manager Thomas Kleinebrink erklärt, worum es der Stiftung dabei geht.

Warum empfiehlt die Stiftung Lesen Bücher in einfacher Sprache?

Unsere Vision lautet: „Alle Menschen können lesen“. Die Fähigkeit, einen Text zu lesen und ihm relevante Informationen zu entnehmen, ist eine Schlüsselqualifikation für erfolgreiches Lernen, eine selbstbestimmte Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben, demokratische Meinungsbildung und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Seit Jahren belegen Bildungsstudien jedoch, dass eine erschreckend hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen über keine ausreichende Lesekompetenz verfügt. Um dieser Entwicklung und ihren weitreichenden Folgen entgegenzuwirken, ist es entscheidend, Kindern und Jugendlichen aller Klassenstufen niedrigschwellige und motivierende Zugänge zum Lesen zu eröffnen. Zugänge, die sie auf ihrem individuellen Kompetenzniveau stärken und beim Ausbau ihrer Fähigkeiten unterstützen. Lektüren in einfacher Sprache leisten dazu einen Beitrag.

Wann und inwiefern kann es sinnvoll sein, an der weiterführenden Schule Bücher in einfacher Sprache zu lesen?

Lektüren in einfacher Sprache erleichtern den Einstieg in komplizierte Texte und ermöglichen die motivierende Erfahrung, ein Buch selbstständig zu lesen. Klare Textstruktur, einfacher Wortschatz, Begriffserklärungen, kurze Sätze und überschaubare Textmengen bauen Hürden ab und fördern Leseflüssigkeit und Textverständnis. Leseschwächeren Schülerinnen und Schülern fällt es leichter, Inhalte zu verstehen und aktiv am Unterricht teilzunehmen. Einfache Sprache ist ein Instrument, um Bildungsungleichheiten abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen. So profitieren zum Beispiel Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache von klarer, reduzierter Sprache.

Welche Nachteile können gegebenenfalls damit verbunden sein, wenn man Bücher in einfacher Sprache statt der Originaltexte liest?

Lektüren in einfacher Sprache können mit inhaltlichen und sprachlichen Kompromissen einhergehen. Komplexe Handlungsstränge, Argumente, Zwischentöne können verloren gehen. Es kann zur Reduktion von Mehrdeutigkeit und stilistischen Feinheiten kommen. Eventuell fehlt die ästhetische Qualität literarischer Werke und die emotionale Tiefe der Originallektüre. Unter Umständen besteht die Gefahr, Schülerinnen und Schüler dauerhaft zu unterschätzen. Lektüren in einfacher Sprache stellen einen niedrigschwelligen Einstieg in schwierige Texte dar. Sie ersetzen nicht die Komplexität des Originaltextes.

Mehr Lesekompetenz ist das Ziel

Zur StiftungDie Stiftung Lesen wurde 1988 in Mainz gegründet. Ihr Ziel ist die Förderung der Lese- und Medienkompetenz. Dabei hat sie insbesondere Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien sowie mit Migrationshintergrund im Blick.

Zur PersonThomas Kleinebrink ist Senior Manager bei der Stiftung Lesen und unter anderem zuständig für die Themen politische Kommunikation und Marketing.