Manuel Hagels Äußerungen über Zehntklässlerinnen schlagen Wellen – und gefährden den CDU-Wahlerfolg am 8. März. Das zeigt eine bislang unveröffentlichte Befragung.
Ein im März 2018 veröffentlichtes Videointerview mit Manuel Hagel wird gerade heiß diskutiert.
Von Jan Georg Plavec
Das acht Jahre alte, Anfang dieser Woche in den Blick einer breiten Öffentlichkeit geratene Video mit Manuel Hagels Äußerungen über eine Diskussion mit Zehntklässlerinnen (“Braune Haare, rehbraune Augen“) bringt ihm Sexismus-Vorwürfe ein – und gefährdet den CDU-Erfolg bei der Landtagswahl am 8. März. Darauf deutet eine bislang unveröffentlichte Befragung von Pollytix hin.
Das Berliner Meinungsforschungsinstitut hatte mit Marktforschern von Bilendi direkt nach der Bundestagswahl im Februar 2025 rund 30.000 Wähler nach dem Zeitpunkt ihrer Wahlentscheidung gefragt. Vier von zehn Wahlberechtigten entschieden demnach erst ein bis zwei Wochen vor dem Wahltermin, wem sie ihre Stimme geben. Unter den 18- bis 23-Jährigen waren es sogar zwei Drittel. Die Befragten wurden nicht zufällig ausgewählt, sind aber nach Alter und Geschlecht repräsentativ für die Wahlberechtigten in Deutschland.
Entsprechend wichtig ist also, was in den zwei Wochen vor der Wahl passiert. Die Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer hatte das Hagel-Video dreizehn Tage vor der Wahl über ihre Social-Media-Kanäle verbreitet und damit eine Welle von Berichten und Kommentaren ausgelöst.
„Das Video wird Manuel Hagel eher schaden“, vermutet der Pollytix-Geschäftsführer Rainer Faus. Dies aber weniger, weil CDU-Wähler es sich nun anders überlegen. Faus erwartet eher, dass es Jüngere sowie Wahlberechtigte aus dem linken und grünen Spektrum mobilisiert.
Wem traut man zu, das Land zu führen?
„Das kann vor allem deshalb wichtig sein, weil landespolitische Themen vielen Menschen eher fremd sind und es stark auf die Spitzenkandidaten ankommt“, sagt Rainer Faus. Da gehe es „um eine allgemeine Kompetenzzuschreibung, um Vertrauen: Wem traue ich zu, das Land zu führen?“ Dieses Urteil fällen dieser Tage vermutlich viele Wahlberechtigte, und dann haben sie auch Hagels Äußerungen aus dem Video im Ohr.
Parteibindungen nehmen ab, besonders unter Jüngeren. Das bestätigt die Pollytix-Umfrage – und zeigt zusätzlich deutliche Unterschiede zwischen den Anhängern einzelner Parteien. Vier von zehn Grünen- und CDU-Wählern entschieden sich erst ein bis zwei Wochen vor der Bundestagswahl. Bei AfD-Wählern stand die Entscheidung am längsten fest (25 Prozent Kurzentschlossene), bei der Linken entschied mehr als jeder Zweite erst kurz vor der Wahl – mutmaßlich ein Effekt von Heidi Reichinneks Wutrede gegen Friedrich Merz (CDU) und den hohen Anteil junger Linke-Wähler.
Das Hagel-Video wurde zeitlich geschickt platziert – jedenfalls aus Sicht derer, die den CDU-Spitzenkandidaten lieber nicht als Ministerpräsidenten sähen. Die Umfragen zur Wahlabsicht am 8. März hatten in den vergangenen Wochen gezeigt, dass der Vorsprung der CDU auf die Grünen schmilzt, zuletzt auf noch sechs Prozentpunkte. Rechnet man die statistische Unsicherheit mit ein, wäre sogar ein Gleichstand zwischen Grünen und CDU möglich.
In diesen Tagen stellen Meinungsforscher wieder die Sonntagsfrage, und in den zwei Wochen vor einer Landtagswahl sei diese viel weniger als sonst bundespolitisch geprägt, so der Pollytix-Forscher Rainer Faus. Der Debatte um das Hagel-Video traut er zu, dass es den Vorsprung der CDU auf die Grünen weiter schmelzen lässt. Und dass die Video-Debatte eher auf Kosten der kleineren Parteien geht.