Gewalttaten gegen Bahnmitarbeiter und Prüfpersonal reißen nicht ab. Rabiate Schwarzfahrer schlagen zweimal im Stuttgarter Osten zu.
Von Wolf-Dieter Obst
Stuttgart - Die Fahrscheine, bitte! Meist gehen die Kontrolltrupps ohne größeren Ärger durch die Reihen – doch an der Stadtbahn-Haltestelle Metzstraße im Stuttgarter Osten kommt es am Wochenende ganz anders. Gleich zweimal wird das Prüfpersonal attackiert. „Und in beiden Fällen ermittelt die Kriminalpolizei gegen die Beschuldigten wegen räuberischer Erpressung“, sagt Stuttgarter Polizeisprecherin Kara Starke.
Fahrgast ergreift die Flucht
Der jüngste Zwischenfall spielt sich in einer Stadtbahn der Linie U 2 von der Innenstadt in Richtung Bad Cannstatt ab. Die Bahn ist am Sonntag gegen 16.15 Uhr gerade in der Neckarstraße zwischen Stöckach und Metzstraße unterwegs, als ein 24-jähriger Kontrolleur nach den Fahrscheinen fragt. Ein 25-jähriger Fahrgast hat offenbar keinen gültigen – und er ist auch nicht gewillt, seine Personalien anzugeben. Er schlägt dem Kontrolleur ins Gesicht und flüchtet an der Haltestelle Metzstraße aus der Bahn.
Der Mann rennt in der Neckarstraße davon – wird aber von dem 24-Jährigen sowie seinen 43 und 44 Jahre alten Kollegen verfolgt, eingeholt und festgehalten. Offenbar beklagt er sich später bei der Polizei, dabei zu hart angefasst worden zu sein. Die alarmierte Polizei nimmt ihn zur Anzeigenaufnahme mit auf ihre Dienststelle, setzt ihn später wieder auf freien Fuß.
Bereits zwei Tage vorher, am Freitag gegen 15.45 Uhr, hat es am selben Ort einen weiteren Polizeieinsatz gegeben. Diesmal in einer Stadtbahn der Linie U 1, ebenfalls stadtauswärts Richtung Bad Cannstatt unterwegs. Da ist es ein 30-Jähriger, der ohne Fahrschein erwischt wird. Auch er zeigt sich wenig einsichtig – versucht an der Haltestelle Metzstraße nach draußen zu kommen. Ein 26-jähriger Mitarbeiter des Prüfpersonals stellt sich ihm in den Weg. „Dabei kommt es zu einem Gerangel, und beide gehen zu Boden“, beschreibt Polizeisprecherin Starke den Vorgang. Beide Männer tragen dabei leichte Verletzungen davon.
Einsatz von Pfefferspray
Keine Einzelfälle. Erst vor wenigen Tagen hat ein 31-Jähriger eine noch halsbrecherischere Flucht angetreten, als er in einer S-Bahn der Linie S 2 ohne Ticket erwischt wurde. Er versuchte am unterirdischen Halt Schwabstraße durch den Tunnel zu flüchten, ehe er sich wegen einer einfahrenden S-Bahn zurück auf den Bahnsteig retten musste. Anschließend waren mehrere Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und des Prüfpersonals samt Pfefferspray notwendig, um den Mann zu überwältigen.
In der unterirdischen Stadtbahn-Haltestelle Schlossplatz ging ein 30-Jähriger auf einen 33-jährigen Fahrkartenprüfer und dessen 57 Jahre alten Kollegen los. Herbeieilendes SSB-Sicherheitspersonal griff ein und hielt den Schwarzfahrer bis zum Eintreffen der Polizei fest.
Mehr schwere Körperverletzungen
Sind solche Zwischenfälle Ausfluss einer gesellschaftlichen Entwicklung? Die Gewaltdelikte nehmen in Stuttgart zu – ein eindeutiger Trend lässt sich da in der jüngsten Kriminalitätsstatistik der Stuttgarter Polizei finden. Die Zahl der schweren Körperverletzungen ist um 16 Prozent auf 2031 Fälle gestiegen. Zudem gibt es 13 Prozent mehr Nötigungen und Bedrohungen, insgesamt 2526 registrierte Straftaten dieser Art.
Laut Deutscher Bahn gab es 2025 bundesweit mehr als 3000 Angriffe – statistisch etwa acht pro Tag. Die Hälfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen Beschäftigte im Regionalverkehr. Sicherheitskräfte seien in gut einem Drittel der Fälle betroffen. Manchmal geraten aber auch Reinigungs- oder Servicekräfte an Bahnhöfen ins Visier.