Seit vier Jahren wächst die Zahl der Sozialwohnungen wieder. Trotzdem, so moniert der Mieterbund, sei der Bestand zu niedrig. Was jetzt vom Land zu erwarten ist.
Mehr als 3000 Sozialwohnungen wurden 2025 gefördert. Das Gros davon wird neu gebaut.
Von Annika Grah
Der leichte Anstieg der Sozialwohnungen dürfte sich im Südwesten in den kommenden Jahren fortsetzen. 2025 sind laut Bauministerium 3367 Sozialwohnungen gefördert worden. „Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren und ein Anstieg von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagte Nicole Razavi (CDU), baden-württembergische Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen. „Wir haben die Trendwende geschafft.“ Im Schnitt dauert es drei Jahre vom Antrag bis zur fertigen Wohnung.
Bestand seit Jahrzehnten gesunken
Tatsächlich ist der Bestand an Sozialwohnungen im Land nach einem Tiefstand und Jahrzehnten des Rückgangs seit 2022 wieder gestiegen. Allerdings liegt der Anteil der Mieterhaushalte, denen eine Sozialwohnung zur Verfügung steht, mit 2,1 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Auch schneiden vergleichbare Flächenländer wie Bayern, Hessen oder Nordrhein-Westfalen besser ab, wie das Pestel-Institut in einer Analyse herausgefunden hat. 2025 zählte das Land nach vorläufigen Zahlen 56 702 Wohnungen, für die Menschen einen Wohnberechtigungsschein vorlegen müssen – das ist ein Plus von 1316 Wohnungen. 2649 Sozialwohnungen wurden geschaffen, davon 500 in bestehenden Gebäuden. Indes lief bei 1333 Wohnungen die sogenannte Bindung aus: Wohnungsbauunternehmen erhalten Fördermittel, wenn sie sich im Gegenzug verpflichten, für einen bestimmten Zeitraum Mieten unter der ortsüblichen Vergleichsmiete zu verlangen.
Ist eine ausreichend große Zahl an Sozialwohnungen vorhanden, kann sich das dämpfend auf die Mieten insgesamt auswirken. Der Mieterbund fordert, dass der Bestand bis 2030 auf 75 000 Sozialwohnungen ausgeweitet werden müsste. Andere Studien gehen von einem höheren Bedarf aus.
Die Mittel für den sozialen Wohnungsbau wurden zuletzt stetig erhöht. 2025 waren es 804,36 Millionen Euro. 87,5 Prozent davon flossen in die Mietwohnraumförderung und 12,2 Prozent in die Eigentumsförderung. Damit wurden 848 Förderzusagen für junge Bauherren unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze gegeben. Ein Drittel des Geldes sind Bundesmittel: Zuletzt schoss das Land 60 Cent zu jedem Euro vom Bund zu.
Grüne und CDU haben in ihren Wahlprogrammen versprochen, dass die Bundesmittel künftig verdoppelt werden sollen. 2026 steigt die Fördersumme ohnehin bereits auf 1,1 Milliarden Euro, weil einmalig 300 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur dazukommen. Während die Grünen vor der Wahl zudem die Idee einer Landeswohnraumgesellschaft propagierten, hat die CDU Pläne für die Eigentumsförderung.
Zuletzt kam Kritik auf, weil die Landeswohnraumförderung seit Jahren überzeichnet ist. Schon Anfang des Jahres liefen Anträge mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro auf. Die Wartezeit bei einem Antrag beträgt im Schnitt rund ein Jahr, was gerade private Bauherren vor große Herausforderungen stellt.