Verunreinigte Meeresfrüchte

Wo in Süditalien Hepatitis A ausgebrochen ist

In Süditalien häufen sich derzeit Hepatitis-A-Infektionen. Die Behörden reagieren mit drastischen Maßnahmen und warnen vor bestimmten Lebensmitteln.

Wo in Süditalien Hepatitis A ausgebrochen ist

Fischmarkt in Neapel: Experten vermuten, dass die Hepatitis-A-Infektionen mit vergifteten Meeresfrüchten zusammenhängen.

Von Markus Brauer



Seit Jahresbeginn haben Gesundheitsbehörden in der süditalienischen Region Kampanien deutlich mehr Hepatitis-A-Fälle als sonst üblich gemeldet. Besonders betroffen sind demnach Städte wie Neapel. Die Zahlen liegen laut Medienberichten und offiziellen Angaben teils um ein Vielfaches über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Die Gesundheitsbehörden registrierten bis Mitte März 2026 rund 65 Fälle. In einigen Medienberichten ist sogar von etwa 150 Infektionen seit Anfang 2026 die Rede, davon 84 allein in Neapel. Ärzte im neapolitanischen Cotugno-Krankenhaus berichten, dass sie viele Patienten behandeln und sogar Betten in der Notaufnahme nutzen mussten.

#SALUD | El Ministerio de Salud (@MinSaludCol) anunció que por medio de la resolución 453 de 2026, más pacientes podrán acceder a medicamentos genéricos para la Hepatitis C. La medida habilita a las personas que padezcan la enfermedad para que tengan tratamiento sin aumentar el… pic.twitter.com/pKXSVlfy74 — ÚltimaHoraCaracol (@UltimaHoraCR) March 26, 2026

Verunreinigte Meeresfrüchte als mögliche Ursache

Experten vermuten, dass die Infektionen mit vergifteten Meeresfrüchten zusammenhängen. Besonders Muscheln stehen im Verdacht. Sie können Krankheitserreger aus verschmutztem Wasser aufnehmen und anreichern. Offenbar gelangte verunreinigtes Abwasser in Zuchtanlagen.

Viele Erkrankte in Neapel gaben an, zuvor rohe Muscheln gegessen zu haben. Besonders häufig betrifft es laut Berichten Menschen zwischen 30 und 40 Jahren.

Neapel verhängt Verbot für rohe Meeresfrüchte

Die Stadt Neapel reagierte schnell: Bürgermeister Gaetano Manfredi verbot den Verkauf und Verzehr von rohen Meeresfrüchten in allen öffentlichen Lokalen. Restaurants, Fischmärkte und Händler müssen sich daran halten, sonst wird es teuer.

Die Behörden kontrollieren die Einhaltung streng. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit Bußgeldern zwischen 2000 und 20.000 Euro rechnen. Im Wiederholungsfall drohen Betriebsschließungen. Auch andere Städte in der Region führten ähnliche Regeln ein.

Zudem raten die lokalen Gesundheitsbehörden zur Impfung gegen Hepatitis A. Eine Impfung schützt vor dem Virus und gilt als wirksamste Vorsorgemaßnahme. Fachleute empfehlen außerdem, Meeresfrüchte nur gut durchgegart zu essen und auf gründliche Hygiene zu achten. Dazu gehört vor allem regelmäßiges Händewaschen und sauberes Arbeiten in der Küche.

Hepatitis-Viren-Quintett

Es gibt fünf verschiedene Arten von Hepatitis, die durch unterschiedliche Viren verursacht werden – von A bis E. Gefährlich sind vor allem Hepatitis B und C, die zu den Hauptursachen von Leberzirrhose und Leberkrebs zählen.

Hepatitis B und C: Übertragung durch das Blut

Übertragen werden die viralen Hepatitis-A- und Hepatitis-E-Erreger teils durch verunreinigte Lebensmittel oder verschmutztes Wasser. Hepatitis B und C werden über das Blut – also etwa bei Geschlechtsverkehr oder Drogenkonsum - übertragen und können chronisch werden. Von den im Schnitt 3500 Hepatits-Todesfällen pro Tag gehen einem WHO-Bericht zufolge 83 Prozent auf Hepatits B zurück, die übrigen 17 Prozent auf Hepatitis C.

Laut aktualisierter Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leben weltweit rund 254 Millionen Menschen, die mit Hepatitis B infiziert sind, und 50 Millionen weitere mit Hepatitis C.

Was löst Hepatitis aus?

Als Hepatitis bezeichnet man eine Entzündung des Lebergewebes. Sie kann infektiös, toxisch, immunologisch oder durch andere Erkrankungen bedingt sein. Die klassische Hepatitis wird durch Viren ausgelöst - sogenannte Virushepatitis:

Trotz vorhandener Schutz- und Behandlungsmöglichkeiten verursacht das Hepatitis-Virus laut WHO weltweit immer noch 3500 Todesfälle pro Tag.