Midterms 2026

Wo sich in Amerika tatsächlich die Wahl entscheidet

In landesweiten Umfragen liegen die Demokraten vorne. Bei der Frage, ob sie im Kongress eine Mehrheit bekommen,  kommt es auf diese Zahlen aber nicht an.

Wo sich in Amerika tatsächlich die Wahl entscheidet

Donald Trump steht nicht zur Wahl. Aber natürlich geht es bei den Midterms um ihn und die Politik des US-Präsidenten.

Von Christian Gottschalk

Donald  Trump steht bei den Zwischenwahlen am 3. November nicht auf dem Wahlzettel, in keinem der 50 Bundesstaaten. Und doch dreht sich alles um den US‑Präsidenten. Seine Zölle verprellen die Welt, sein Krieg ist in den USA extrem unpopulär, die korruptionsartigen Verflechtungen seiner Entourage immer wieder Thema, wenn auch nicht so sehr wie die Lebensmittelpreise. Trumps Republikaner könnten also die Quittung für all das bekommen. Eine „blaue Welle“ wird von vielen erhofft und von den meisten vorhergesagt, wobei blau die Parteifarbe der Demokraten ist. Doch das muss nicht so kommen.

Hoffnung auf den Wechsel

Nach ihrer klaren Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2024 hoffen die Demokraten auf ein großes Comeback. Ihr Ziel ist, die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat zurückzuerobern. In diesem Fall könnten sie dem Präsidenten das Leben in dessen zwei verbleibenden Regierungsjahren schwer machen. Landesweite Umfragen, die auch in den Medien immer wieder transportiert werden, sehen die Zustimmungswerte für den US-Präsidenten auf einem Tiefpunkt, während die Demokraten zulegen. Das Problem: Auf diese Zahlen kommt es nicht unbedingt an.

Das Wahlrecht in den USA unterscheidet sich deutlich von dem hierzulande, unter dem Strich ist es nicht entscheidend, wie die landesweite Stimmung ist. Wichtig und ausschlaggebend dafür, ob den Demokraten eine Wende gelingt, ist das Ergebnis in sehr wenigen ausgewählten Bezirken. Zwischen den Wahlen zum Repräsentantenhaus und dem Senat gibt es dabei noch einmal Unterschiede.

Bei 435 Sitzen sind 22 wirklich spannend

Im Repräsentantenhaus gibt es 435 Sitze, alle Plätze werden bei den Wahlen neu vergeben.  Derzeit besteht die republikanische Fraktion aus 219 Mitgliedern, inklusive eines unabhängigen Abgeordneten. Die demokratische Fraktion hat 214 Mitglieder, zwei Sitze sind aktuell unbesetzt. In vielen Regionen der USA sind die Parteipräferenzen in der Bevölkerung so eindeutig verteilt, dass schon heute klar ist, an welche Partei der Sitz nach dem 3. November gehen wird.

Die Analysten des Cook Political Report kommen für die Demokraten auf gut 200, für die Republikaner auf knapp 180 Sitze, die sie mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen werden. Wer die Mehrheit im neuen Repräsentantenhaus haben wird, entscheidet sich also in den übrigen gut vier Dutzend Wahlkreisen. Nur 22 davon gelten derzeit als völlig offen, in den anderen gibt eine leichte Tendenz. Die geht derzeit mehrheitlich zu den Demokraten.  Im Repräsentantenhaus ist eine neue Mehrheit somit wahrscheinlicher.

Im Senat ist das Rennen sehr viel enger. Hier sitzen 100 Senatorinnen und Senatoren – je zwei für jeden der 50 Bundesstaaten. Die demokratische Fraktion besteht derzeit aus 47 Mitgliedern, die republikanische aus 53. Insgesamt 35 Senatoren stehen nun zur Wahl an. Für eine Mehrheit müssten die Demokraten den Republikanern also mindestens vier Senatorensitze abnehmen, dürften aber keinen einzigen an die Konkurrenz verlieren. Zur Wahl stehen 13 Sitze, die derzeit von den Demokraten gehalten werden, und 22, die derzeit einen republikanischen Inhaber haben.

Wie schon beim Repräsentantenhaus gilt auch hier: in den meisten Fällen steht schon vorher fest, welcher Kandidat am meisten Stimmen erhalten wird. Als offen stufen die Analysten des Cook Political Reports derzeit die Rennen in sieben Bundesstaaten ein.  In Alaska, Iowa, Maine, Michigan, Kansas, Ohio und Texas ist es demnach völlig unklar, wer das Rennen machen wird. Michigan wird derzeit  von den Demokraten gehalten, die anderen sechs Staaten von den Republikanern.

Sollte es nicht noch in einem anderen Bundesstaat zu einer echten Überraschung kommen, dann entscheidet sich die Senatsmehrheit, und damit ein gutes Stück weit auch die Art und Weise, wie in den nächsten zwei Jahren Politik gemacht werden kann, in diesen Staaten. Von den fünf derzeit noch republikanisch vertretenen, müssten die Demokraten mindestens vier für sich entscheiden. Unmöglich ist das nicht, aber alles andere als ein Selbstläufer. Und es hat nicht viel mit den Zahlen zu tun, die in landesweiten Umfragen transportiert werden. Die so genannte blaue Welle müsste genau in diesen Staaten an Land schlagen.

Einteilung der Wahlkreise wechselt

Die konkreten Prognosen werden zudem dadurch erschwert, dass die Einordnung eines Bundesstaates als „rot“, „blau“ oder „Swing State“ verdeckt, dass sich einzelne Regionen sehr unterschiedlich entwickeln. Auf der Ebene eines grundsätzlich den Demokraten zugeneigten Staates kann es in einigen Wahlkreisen klare Präferenzen für Republikaner geben – umgekehrt natürlich auch. Durch das ständige Verschieben der Wahlkreise haben beide Parteien in der Vergangenheit versucht, dies für die eigenen Belange auszunutzen.

Wo sich in Amerika tatsächlich die Wahl entscheidet

In Ohio konnte schon vorab gewählt werden - das Interesse daran war groß.