Problem-Wolf im Nordschwarzwald

Wolf zum Abschuss freigegeben – warum kann er nicht in einen Tierpark?

Erstmals seit Mitte des 19. Jahrhunderts soll ein Wolf in Baden-Württemberg abgeschossen werden. Könnte er in einem Tierpark gerettet werden? Das sagt das Wildparadies Tripsdrill dazu.

Wolf zum Abschuss freigegeben – warum kann er nicht in einen Tierpark?

Kann ein einzelner, ausgewachsener und geschlechtsreifes Wolf in ein bereits bestehendes Wolfsrudel integriert werden? (Symbolfoto)

Von Eberhard Wein

Ein einsamer Wolf streift durch den Nordschwarzwald und kommt bei seiner Brautschau immer wieder Menschen zu nahe, vor allem wenn sie mit Hunden unterwegs sind. Jetzt soll er abgeschossen werden. Theoretisch ließe sich das Tier natürlich auch in einem Zoo unterbringen, sagt der stellvertretende Leiter des Wildparadieses Tripsdrill, Benedict Stirblies. Allerdings sagt er auch: Das wäre ziemlich kompliziert und es wären hohe bürokratische, aber auch praktische Hürden zu überwinden.

Tatsächlich gibt es in den beiden Rudeln in Tripsdrill aktuell einen gewissen Überschuss an weiblichen Tieren, räumt Stirblies ein. „Wir haben ein Rudel mit zwei Damen und ein zweites Rudel mit einem Paar und einem Jungtier aus dem vorvergangenen Jahr.“ Den Rüden aus dem Schwarzwald könne er aber trotzdem nicht aufnehmen. „Das ginge nur, wenn wir ein komplett neues Rudel gründen.“ Das sei aber nicht geplant, auch weil dafür erst ein völlig neues Gehege angelegt werden müsste.

Die Sozialstruktur ist das Problem

Wolle man ein einzelnes ausgewachsenes und geschlechtsreifes Tier in ein bereits bestehendes Wolfsrudel integrieren, wären die Probleme vorprogrammiert. „Dieser Wolf würde vermutlich von den anderen Wölfen nicht akzeptiert werden. Der bekommt dann wahnsinnigen Druck“, sagt Stirblies.

Die Sozialstruktur des Europäischen Wolfes sei anders als bei anderen Unterarten. Die Rudel seien klein, „das sind Familienverbände mit Elternpaar und Jungtieren.“ Der Nachwuchs müsse in der Regel mit anderthalb Jahren das Rudel verlassen. In Tripsdrill hat man Erfahrung. Neben dem Europäischen wird dort auch der Polarwolf gehalten, der sich ganz anders verhalte.

Daneben gibt es auch rechtliche Vorgaben, die eine Rettung im Zoo schwierig machen würden. Weil der Europäische Wolf unter Schutz stehe, müssten erst alle zuständigen Behörden der Unterbringung zustimmen. Zudem untersage eine EU-Verordnung Wildfänge für kommerzielle Tätigkeiten zu nutzen. Darunter falle auch die Zurschaustellung der Tiere.

Die Zoos haben keinen Mangel an Wölfen

Zur Wahrheit gehöre auch, dass es in den Tierparks und Zoologischen Gärten kein Mangel an Wölfen gebe. In den Zoos würden ausreichend Tiere zur Sicherung der Bestände gehalten, sagt Stirblies.

Warum der Wolf von der Hornisgrinde kaum Scheu vor dem Menschen habe, sei ihm unklar. Allerdings werde mit den Tieren oft auch falsch umgegangen. „In Brandenburg sitzen Wölfe am Straßenrand, weil Autofahrer Futter aus dem Fenster werfen“, sagte Stirblies. Die sei unverantwortlich.

Das Umweltministerium hatte zum Problem-Wolf im Nordschwarzwald erklärt: „Wir stellen fest, dass ein Wolfstourismus beginnt.“ Das Tier sei offenbar ein begehrtes Film- und Fotomotiv geworden, hieß es. „Es ist bereits vorgekommen, dass Menschen versuchen, den Wolf gezielt anzulocken.“ Der Wolf könnte so die Scheu vor Menschen vollkommen verlieren.

Dass verhaltensauffällige Tiere der freien Wildbahn entnommen werden müssten, sei ein normaler Vorgang, sagt Stirblies. „In anderen Ländern wird der Wolf in der Population unter bestimmten Bedingungen geregelt. Da der Wolf in Deutschland eine hohe Populationsdichte hat, wird die Entnahme eines Tieres keinen Einfluss auf die bereits bestehende Population haben.“

Nach aktuellen Schätzungen leben mehr als 1600 Wölfe in Deutschland, vor allem in den östlichen Bundesländern. In Baden-Württemberg sind bisher vier Rüden sesshaft geworden, der Wolf von der Hornisgrinde eingeschlossen.