Deutsches Haus bei Olympia

75 LkW-Ladungen, 250 Aufbau-Helfer – reicht das, um das beste Haus zu haben?

In einem Golf-Club in den Bergen um Cortina d’Ampezzo sollen in diesem Jahr deutsche Medaillen bei den Winterspielen gefeiert werden. Der Aufwand dafür ist riesig.

75 LkW-Ladungen, 250 Aufbau-Helfer – reicht das, um das beste Haus zu haben?

Hier werden die Fans des deutschen Teams empfangen – noch aber wird an der Fan-Zone am Deutschen Haus in Cortina gearbeitet.

Von Dirk Preiß

Als sich plötzlich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke arbeiten, ist die Pracht der Dolomiten-Landschaft rund um Cortina d’Ampezzo zumindest in Teilen zu erkennen. Besonders von hier aus. Vom Cortina-Golfclub ein wenig oberhalb des mondänen Dolomiten-Dorfs – der in den kommenden Wochen der Olympischen und Paralympischen Spiele eben kein Golfclub mehr ist.

Unten, im Ort, da gibt es das „Casa Italiana“, das „Schweizer Haus“, das „Österreich-Haus“ und auch das „Slovenia House“. Die Dependence des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat die Deutsche Sportmarketing (DSM) dagegen etwas abgelegen in den Hang schräg gegenüber der Tofane geplant. Eine halbe Stunde zu Fuß – dann ist man angekommen „in der wunderschönen Holzhütte“, die „total passend“ zu den Winterspielen sei. So sagt es Jens Behler-Lops, der Head of Media und Communications bei der DSM.

Am Tag vor der Eröffnungsfeier sieht man von dieser Holzhütte erst aber einmal gar nichts. Handwerker, Bagger, Hebebühnen, Techniker, Volunteers, Werkzeuge, Schneeschaufeln, unzählige Kisten, Transporter. Und eine eher schwierige Vorstellung, wie das innerhalb weniger Stunden noch zur glanzvollen Bühne des deutschen Sports werden soll. Aber: Bislang ist es ja immer gutgegangen.

Das Deutsche Haus ist längst eine Institution. Seit wenigen Jahren gehört neben dem Innenleben für Sportler, Sponsoren, Ehrengäste und Politiker auch eine Fan-Zone dazu. Vor eineinhalb Jahren in Paris hat die DSM dafür ein ganzes Rugby-Stadion bespielt. Im Winter geht das nicht.

„Alles eine Nummer kleiner“, findet Behler-Lops das Konzept. Eher zwei oder drei sind es tatsächlich. Wobei: Der Aufwand ist in Gebirgsregionen nicht minder groß als in einer Großstadt im Sommer.

23 Tage lang wurde aufgebaut, in einer, wie es die DSM-Geschäftsführerin Claudia Wagner nennt, „logistischen Meisterleistung“. Auf der schmalen Bergstraße musste 75-mal ein LkW nach oben, dort ausladen, wenden – und wieder nach unten. Erst dann konnte der jeweils der nächste das Ziel anfahren. Die zahlreichen Ladungen der Kleintransporter sind da noch gar nicht eingerechnet – und der Schnee war auch keine Hilfe. 250 Menschen sind am Aufbau beteiligt. Wenn der abgeschlossen ist, halten 80 Beschäftigte und 42 Volunteers den Betrieb am Laufen.

Die Fan-Zone (kostenlos, 12 bis 22 Uhr) bietet Platz für 500 Sportfans, die per Shuttle kommen sollen, und besteht aus einigen Buden, Mitmachaktionen, einer Bühne und einem Videowürfel. Hier sollen die deutschen Sportlerinnen und Sportler aus der Ferne angefeuert werden. Im Haus inklusive Kufenstüberl der Bob- und Rodelsportler (Ehrengäste und bezahlte Tickets, 16 bis 3 Uhr) finden täglich 250 Menschen Platz. Zwei temporär aufgebaute Hütten eines Sponsors und für das Catering der Helfer und das Lager gehören auch dazu.

„Wir sind der Meinung, wir haben das beste Angebot geschafften“, sagt Claudia Wagner. Über die Kosten sagt sie – wie immer – nichts. Nur so viel: Über Partner und Sponsoren sowie die bezahlten Tickets seien sie gedeckt. Wobei: Das mit Platz eins im Häuser-Ranking beanspruchen auch andere. „Wir wollen“, sagt Florian Gosch, der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), „das beste Haus in Cortina werden.“