Es ist eine „Liebe auf Distanz“, um es mit dem Titel eines Revolverheld-Songs zu sagen. Die SG Sonnenhof Großaspach ist seit Anfang dieses Jahres um zwei Fanklubs reicher: Der „Dorfklub Esche 15“ und die „Sektion NRW“ unterstützen die Elf aus dem Fautenhau mit Laune und Gesängen – und das vor allem bei den Auswärtsspielen, die fern der Heimat Aspach sind.
Vorstandsvorsitzender Andreas Benignus begrüßt den „Dorfklub Esche 15“ und die „Sektion NRW – Die Kinder vom Sonnenhof“ als neue Fanklubs der SG Sonnenhof Großaspach in der Mechatronik-Arena.Foto: A. Becher
Von Sarah Schwellinger
Ihre Heimat liegt 555 Kilometer und 411 Kilometer von Aspach entfernt, doch sie tragen rot und schwarz. Die Stadien der Bundesliga-Vereine Hannover 96, SV Werder Bremen oder Borussia Dortmund wären nicht einmal drei Stunden mit dem Auto entfernt. Doch sie tragen rot und schwarz. Vor ihren Haustüren liegen die Stadien der Drittliga-Vereine wie Preußen Münster, der VfL Osnabrück, Sportfreunde Lotte oder der SV Meppen. Gegen Letzteren geht es am Samstag für die SG Sonnenhof Großaspach auf den Rasen. Mit dabei sind mindestens 60 Fans des Auswärtsteams, darunter die Fans aus Esche, Paderborn, Höxter und Halle (Westfalen), die die Elf bei ihrem Kampf um den Klassenerhalt unterstützen werden.
Gleich zwei neue Fanklubs haben sich im Nordwesten Deutschlands gegründet, um die Aspacher Elf vor allem bei Auswärtsspielen zu unterstützen. Beim Heimspiel gegen den KFC Uerdingen wurden die beiden Gruppierungen offiziell anerkannt. Über 20 Mitglieder haben die beiden Fangruppierungen bereits. Es ist die Liebe zum Underdog, zu einem Verein, der nicht auf Kommerz und Marketingcoups setzt, sondern auf Ehrlichkeit und familiäres Gefühl.
Dorfklub Esche 15: Bereits seit vier Jahren unterstützen die Jungs aus der 574-Seelen-Gemeinde in Niedersachsen das Team der SG Sonnenhof Großaspach. „Alles fing mit vier Gründungsmitgliedern an“, schreibt Jens Reefmann, Pressesprecher des Dorfklubs 15. Mittlerweile zählt der Fanklub 16 Mitglieder. Sie besuchen hauptsächlich Auswärtsspiele der SG, die in der nordwestlichen Region stattfinden. Erst zweimal waren sie im heimischen Stadion, doch das hat Eindruck hinterlassen. Noch mehr überzeugt waren sie von der familiären Atmosphäre des Fußballvereins: „Familiäre Stimmung im Block und auf dem Platz – man kennt sich“, so Reefmann, „wer diese Werte nicht schätzt, ist beim Dorfklub fehl am Platz.“ 555 Kilometer bis ins Stadion sind da schon eine Hausnummer, doch die Esche-Fans nehmen es mit Humor und küren Revolverhelds „Liebe auf Distanz“ zum Hit ihres räumlichen Abstands.
Doch warum unterstützen Jungs und Mädels aus Niedersachsen ausgerechnet die SG Sonnenhof Großaspach? Dafür gibt’s aus Esche eine klare Antwort: „Wer einmal im Block war, weiß, warum. Ein kleiner Verein, der Großes leistet. Der Zusammenhalt zwischen Verein, Mannschaft und Fans ist stark und familiär. Ein Slogan von einem Urgestein der Aspacher Fanszene fasst es perfekt zusammen: ,Wenige, aber treu.‘“ Auch der Name „Dorfklub“ passt zu ihnen, finden sie. Denn ihre Heimat ist ein Dorf nahe der niederländischen Grenze. Die 15 steht ganz einfach für das Jahr, in dem sich die Mitglieder fanden.
Sektion NRW – Kinder vom Sonnenhof: Als Liebe auf den ersten Blick bezeichnet Felix Künneke von der Sektion NRW die Beziehung zum Dorfklub. „Wir standen am 10. September 2016 zum ersten Mal für die Aspacher Elf im Auswärtsblock des FSV Frankfurt, da wir zuvor schon öfter auf den Verein aufmerksam geworden waren“, erinnert er sich. Was sie dort erlebten, übertraf ihre Erwartungen: „Eine Elf mit Herz und Leidenschaft.“ Während es bei den Vereinen in der Bundesliga oft nur noch um Kommerzialisierung ginge, bilde die SG Sonnenhof Großaspach einen erfrischenden Kontrast: Ein sympathischer Dorfklub, der im Profifußball bestehe, ohne auf Millionen von einem Investor angewiesen zu sein. „In den haben wir uns sofort verliebt.“ Von da an lag der Fokus in Sachen Fußball stets auf der Elf aus dem Fautenhau. Besonders das Familiäre der SG Sonnenhof Großaspach kommt bei den Fans in Nordrhein-Westfalen gut an, die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans, die Künneke als eine der kreativsten und treuesten Fanszenen der Dritten Liga zu schätzen weiß.
Rund 15 Mitglieder gehören zur Sektion NRW, hauptsächlich aus den Kreisen Paderborn, Höxter und Halle (Westfalen). Wer hier dabei ist, der ist aktiv dabei: „Wir fokussieren uns nicht auf den quantitativen Aspekt“, so Künneke, „sondern es ist unser Ziel, keine passiven Mitglieder zu haben. Deshalb sind wir sehr stolz auf diese Zahl. Wer sich uns anschließt, tut dies nicht, um einmal im Jahr nach Münster mitzureisen.“ Denn der Fanklub unterstützt die SG auf sämtlichen Auswärtsfahrten im Norden, nimmt auch mal die weiten Wege in den Süden auf sich. „Der Verein steht bei uns nicht nur samstags von 14 bis 16 Uhr im Vordergrund.“ Sie wollen die Aspacher Elf bei so vielen Spielen wir möglich unterstützen.
Bei Heimspielen ist das jedoch als Gruppe schwierig, die Entfernung ist sehr groß, trennen den Fanklub und die Mannschaft über 400 Kilometer. Begeistert waren sie von ihrem ersten Heimspiel, das sie gemeinsam als Sektion NRW und nicht wie vorher als Einzelne erlebt haben. Künneke lobt den Verein, die Fanbeauftragten Tilo Tietz und Colin Huber und den A-Block für den tollen Empfang: „Das ist bei Weitem nicht selbstverständlich und wir wissen das absolut zu schätzen.“
Momentan gibt es laut Colin Huber, einer der zwei Fanbeauftragten der SG Sonnenhof Großaspach, vier offizielle Fanklubs. Dazu gehören: Projekt Waldameise (Gründungsjahr 2008), Südkollektiv (2016), Dorfklub Esche 15 (2015), Sektion NRW – Kinder vom Sonnenhof (2016).
Insgesamt sind es etwa 75 SG-Fanklub-Mitglieder.
Die zwei neuen Fanklubs könnten den SG-Fans helfen, aus dem Tabellenkeller der Auswärtsfahrer-Tabelle von liga3-online.de zu kommen. In Osnabrück standen immerhin 62 Fans im Block. Das Auswärtsspiel mit den meisten Fans war die Partie gegen 1860 München (270).
Mit etwas Selbstironie nehmen es die Fanklub-Mitglieder hin, dass der Auswärtsblock nie voll ist. Für das Spiel in Osnabrück bastelte der Dorfklub Esche 15 Banner, auf die sie Strichmännchen malten, ein Banner mit der Aufschrift „Ausverkauft“ wurde gespannt. So viel Selbstironie und Sympathie kam an: Es gab Lob aus der Osnabrücker Fanszene.