Titelmission vor der Haustür: Bayer hofft auf großen Coup

Von Von Heinz Büse, dpa

dpa Leverkusen. Wolfsburg und Frankfurt sind raus, Leverkusen ist jedoch noch dabei. Nur vier Tage nach dem lockeren Erfolg über Glasgow trifft die Werkself im Viertelfinale der Europa League auf Inter Mailand. Mit einem ähnlichen Spaziergang ist dabei nicht zu rechnen.

Titelmission vor der Haustür: Bayer hofft auf großen Coup

Runde weiter: Bayer-Kapitän Lars Bender (r) gratuliert dem Torschützen Moussa Diaby. Foto: Sascha Schuermann/AFP-Pool/dpa

In Leverkusen lebt der Traum vom ersten Titel seit 27 Jahren weiter.

Die historische Chance, diese lange Durststrecke im Europa-League-Turnier vor der eigenen Haustür beenden zu können, erhöht die Vorfreude auf das Viertelfinale am Montag in Düsseldorf gegen Inter Mailand. Anders als die Wolfsburger und Frankfurter meisterte die Werkself mit dem 1:0 (0:0) über die Glasgow Rangers die Achtelfinalhürde und bleibt damit als einziges deutsches Team im Rennen.

Bayer-Kapitän Lars Bender hofft auf eine erfolgreiche Fortsetzung der Mission: „Es ist hopp oder top. Wir schauen, dass wir in den Flow kommen, um vielleicht etwas Großes zu gewinnen.“

Schon am Vorabend des eigenen Duells mit den harmlosen Schotten wurde der kommende Gegner, der sich in Gelsenkirchen mit 2:0 gegen den FC Getafe durchgesetzt hatte, am TV im Teamhotel begutachtet. „Das ist schon eine bärenstarke Mannschaft“, urteilte Angreifer Kevin Volland, sieht aber keinen Grund für allzu große Ehrfurcht. „Wir sind auch keine schlechte Truppe und haben das Potenzial, gegen einen solchen Gegner weiterzukommen.“

Zum Start der Leverkusener in die Runde der letzten acht Teams, die nach rund fünfmonatiger Corona-Unterbrechung des Wettbewerbs in Nordrhein-Westfalen ausgespielt wird, ist lediglich eine kurze Vorbereitung möglich. In nur zwei Einheiten am Samstag und Sonntag will Trainer Peter Bosz sein Team auf die Partie gegen den italienischen Meisterschaftszweiten vorbereiten. „Wir wissen, das ist wenig Zeit. Aber so ist halt dieses Turnier“, kommentierte der niederländische Fußballlehrer. Als echtes Handicap könnte sich jedoch erweisen, dass er gegen Inter auf den gelbgesperrten Charles Aranguiz verzichten muss.

Die Sorge, dass der Re-Start in die Europa League nach nur zweiwöchiger Vorbereitung Probleme bereiten könnte, erwies sich als unbegründet. Wie schon beim 3:1 in Glasgow Mitte März vor damals noch vollen Tribünen war Leverkusen auch im Rückspiel die klar bessere Mannschaft. Einziges Manko war die schwache Chancenverwertung.

Allein Nationalspieler Kai Havertz, der kurz vor einer Einigung mit dem FC Chelsea stehen soll, vergab gleich drei gute Möglichkeiten und verpasste damit die Chance, in seinem wohl letzten Spiel in der BayArena noch einmal zu treffen. Noch während des Europa-League-Turniers dürfte der Transfer eher nicht über die Bühne gehen. Dem Vernehmen nach liegt noch kein Angebot für den Mittelfeldspieler vor, der den Leverkusenern üppige 100 Millionen Euro einbringen soll.

Statt Havertz avancierte Moussa Diaby (51. Minute) zum Matchwinner. Nach einem Zauberpass von Aranguiz war der schnelle französische U21-Nationalspieler, der im vergangenen Sommer für 15 Millionen Euro von Paris Saint-Germain zum Bundesligisten gewechselt war, zur Stelle. „Die Leverkusener haben das Weiterkommen über die beiden Spiele verdient, ihr Niveau war höher“, bekannte Rangers-Trainer Steven Gerrard.

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