Wollen morgen mit Großaspachs Elf den zweiten Sieg in Folge bejubeln: Torjäger Marvin Cuni und Trainer Walter Thomae. Foto: T. Sellmaier
Von Uwe Flegel
Wochen oder Spiele der Wahrheit. Den Titel darf Fußball-Regionalligist SG Sonnenhof gerne selbst wählen. Fakt ist auf jeden Fall, dass die drei anstehenden Aufgaben für die Elf aus dem Fautenhau zu wichtigen Etappenzielen im Kampf gegen den Abstieg werden können. Das morgige Heimspiel gegen den Vorletzten FC Bayern Alzenau (Anpfiff 19 Uhr) ist für Trainer Walter Thomae der Auftakt zu drei sogenannten Schlüsselspielen gegen die drei Hinterbänkler der Liga. Denn auf Alzenau folgt nächsten Samstag das Heimspiel gegen den TSV Schott Mainz und drei Tage später die Partie bei Schlusslicht Eintracht Stadtallendorf. Der 2:0-Sieg im Nachbarschaftsduell beim VfB Stuttgart II kam offensichtlich zur rechten Zeit, um mit neuem Selbstvertrauen diese Aufgaben anzugehen.
Der Jubel bei Aspach war groß, als Schiedsrichter Niclas Zemke die insgesamt 95 Minuten am Cannstatter Wasen beendet hatte. Die SG freute sich über drei Punkte und eine über weite Strecken gar richtig gute Leistung. Coach Walter Thomae merkte an, dass er mit seiner Elf zufrieden war, und ging trotzdem rasch zur Tagesordnung über. Vielleicht, weil er und sein Co-Trainer Dennis Grab bereits seit Wochen immer wieder betonen, dass Leidenschaft, Aggressivität und Zweikampfstärke keine Dinge sind, die besonders hervorgehoben werden müssen, sondern die Basis für Erfolg. Stuttgart war ein Beweis dafür. Auch für die Spieler, die erlebten, dass Vorgaben und Pläne des Trainerteams passen, wenn die gesamte Elf an einem Strang zieht.
Ebenfalls klar ist, dass die drei verdienten Punkte keine Eintagsfliege bleiben sollten, wenn Großaspach in der Tabelle weiter nach oben kommen will. Ein Heimsieg morgen gegen den Vorletzten Alzenau würde die SG Sonnenhof zum Beispiel vom fünftletzten auf den siebtletzten Platz und damit über den Strich klettern lassen. Ein Teilerfolg würde zumindest den sechstletzten Rang ergeben, doch der würde weiterhin eventuell den Abstieg bedeuten. Eine Niederlage wiederum würde Aspachs neu erworbenes Selbstvertrauen recht schnell wieder in Richtung Nullgrenze schieben. Das wäre kein gutes Signal für den Auftakt der sogenannten Spiele der Wahrheit im Rahmen zweier englischer Wochen in Folge. Thomae warnt deshalb auch schon mal davor, den FC Bayern Alzenau zu unterschätzen: „Das wird ein Abnutzungskampf.“ Einen, den die SG in dieser Saison schon einmal erlebte und in der Vorrunde prompt mit 0:1 verlor.
Im heimischen Stadion will sich das Team aus dem Fautenhau nicht erneut überraschen lassen. Zumal das Nachholspiel gegen den Vorletzten am Mittwoch und die folgenden Partien zu Hause gegen den Drittletzten Schott Mainz sowie beim Schlusslicht Eintracht Stadtallendorf für die SG sowohl Fluch wie Segen werden können. Gelingt es, die Leistung vom Vergleich mit der VfB-Reserve konstant abzurufen, dann stehen die Chancen gut, dass Zweiteres eintritt. Im Abstiegskampf war das 2:0 jedenfalls ein erster kleiner Schritt nach vorne. Meilensteine könnten Thomae und seine Mannschaft setzen, wenn sie nun nachlegen.
Der Trainer geht die kommenden Aufgaben jedenfalls zuversichtlich an: „Ich glaube, dass nun auch wirklich jeder unseren Weg verinnerlicht hat und von dem überzeugt ist, was wir vorhaben.“ Das sei ein intensiver Fußball mit viel Pressing, so der 54-jährige Coach, denn „nur dann können und werden wir auch erfolgreich sein“. Korrekt, obwohl sich die SG für die Umsetzung mittlerweile genug Zeit gelassen hat – einerseits. Andererseits hat der Fünftletzte aus dem Fautenhau nun ja noch zwölf Spiele lang die Chance, um zu zeigen, dass er es jetzt vollständig begriffen hat. Die anstehenden drei Vergleiche sind dafür nicht nur die nächsten, sondern auch die besten Gelegenheiten.
Personell sieht es bei Aspach morgen ähnlich aus wie im Spiel beim VfB Stuttgart II. Torwart Oliver Schnitzler (Achillessehnenriss) und Mittelfeldmann Mohamed Diakite fallen ebenso wie Spielmacher Nico Jüllich (beide Muskelfaserriss) sicher aus. Stürmer Jan Ferdinand, der gegen die Bundesliga-Reserve vom Cannstatter Wasen wegen leichter Adduktorenprobleme vorsichtshalber geschont wurde, ist allerdings wieder mit an Bord. Auch Ken Gipson, der gegen den VfB nach nicht ganz einer Stunde ein Ziehen in der Leiste verspürte und deshalb ausgewechselt werden musste, steht ebenfalls zur Verfügung. Vor allem das Okay von Gipson wird Trainer Walter Thomae freuen, war der Linksverteidiger im Duell mit seinem Ex-Klub Stuttgart ein Aktivposten der SG. Sein Coach machte direkt nach dem 2:0 klar: „Ein Ausfall von Ken würde uns hart treffen. Er ist für uns ein ganz wichtiger Spieler.“
Gegner FC Bayern Alzenau kommt ebenfalls nicht völlig ohne Probleme in den Fautenhau. Bei der unglücklichen 2:3-Heimniederlage sah zuerst Daniel Haritonov die Rote Karte. Zudem handelte sich Kapitän und Abwehrorganisator Marcel Wilke seine fünfte Gelbe Karte ein. Beide sind im Nachholspiel morgen gesperrt. Die Partie hätte ursprünglich am Samstag, 20. März, stattfinden sollen, musste jedoch wegen eines Coronafalls der im hessischen Fußballverband beheimateten Elf aus dem bayrischen Landkreis Aschaffenburg abgesagt werden.
In der Vorrunde verlor die SG Sonnenhof Großaspach in Alzenau mit etwas Pech mit 0:1. Der entscheidende Treffer fiel kurz vor der Halbzeit, als Abwehrroutinier Kai Gehring eine weite Flanke ins eigene Netz verlängerte. Die Partie am Mittwoch ist der insgesamt achte Vergleich zwischen beiden Vereinen. Die bisherigen drei Heimspiele gewann Großaspach allesamt. In Alzenau gab es für die Schwaben einen Sieg, ein Unentschieden und zwei Niederlagen.
Wie derzeit üblich sind zu der Begegnung keine Zuschauer zugelassen. Wer trotzdem aktuell dabei sein will, kann dies dank eines Internetlivestreams. Buchbar ist er mit einem Tagespass für fünf Euro unter anderem unter www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof.