Ein echter „Home Ground“ im amerikanischen Südosten: Die DFB-Auswahl bezieht ihr WM-Quartier in North Carolina.
Der DFB-Tross bezieht sein WM-Quartier in North Carolina.
Von red/sid
Julian Nagelsmann lief über den Campus der Wake Forest University und grinste wie ein kleiner Junge unterm Weihnachtsbaum. „Was nur top, top Vereine haben, haben die hier an der Uni!“, staunte der Bundestrainer bei der Stippvisite im künftigen deutschen WM-Quartier vor Heiligabend unter seiner beigefarbenen „Wake“-Cap. In der „wunderschönen Basketballhalle“ warf er gleich ein paar Körbe - ganz im Stile von NBA-Legende Tim Duncan, einem Wake-Absolventen, wie Nagelsmann fröhlich anmerkte.
Wie der Bundestrainer sollen sich auch dessen Stars in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina sofort wohl fühlen - und perfekte Bedingungen für ihre „Route 26“ zum fünften Stern vorfinden. „Dass sie immer wieder die Lust geweckt kriegen, alles reinzuwerfen, dass ihr im Sommer ein tolles Turnier erlebt“, sagte Nagelsmann in einer Botschaft an die Fans, „und wir eine tolle WM ‚26 spielen können“.
Das Base Camp in der früheren Zigaretten-Hauptstadt der Welt („Camel City“) sei das „ideale Teamquartier“, schwärmte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig und sprach von „unserem Wunschszenario“. Es schaffe „die bestmöglichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Turnier“.
„Viel Wald, viele Wiesen“
Nagelsmann hat sich mit Sportdirektor Rudi Völler und Rettig selbst vor Ort davon überzeugen können - und fühlte sich an den „Home Ground“ erinnert. Bei Partner adidas in Herzogenaurach hatte er bei der Heim-EM ein Wir-Gefühl geschaffen, mit dem die DFB-Elf ihre Fans nach mageren Jahren wieder mitriss.
Der Bundestrainer sprach vom weitläufigen und mondänen Teamhotel „The Graylyn Estate“, das beim Besuch mit einer riesigen Deutschland-Fahne dekoriert war, als einem „Ort, der es ermöglicht, dass man immer wieder zusammenkommt, aber trotzdem auch die nötige Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten hat“. Fünf Herrenhäuser, erbaut im neo-normannischen, burgähnlichen Stil, bieten 85 Zimmer mit Butler-Service rund um die Uhr. Die Gäste sollen sich laut Eigenwerbung fühlen wie „ein großer Tabakbaron der Vergangenheit“.
Die „schöne Umgebung“, hat Nagelsmann beobachtet, bietet „viel Wald, viele Wiesen“ und damit die „nötige Ruhe“. Aus Trainersicht „das Allerwichtigste“ sei jedoch die Nähe zu den Plätzen. Gleich drei stehen am W. Dennie Spry Soccer Stadium der Uni bereit, alle seien „in einem sehr, sehr guten Zustand“ und fußläufig oder mit dem Fahrrad „in weniger als zehn Minuten“ erreichbar: „Das ist ein entscheidender Faktor.“
Erhebliche Reisezeiten
Zumal die Reisezeiten zu den Spielorten aufgrund der großen Entfernungen vor Ort erheblich sind. Drei Flughäfen stehen innerhalb von höchstens rund 90 Fahrminuten zur Wahl, um zu den Gruppenspielen nach Houston, Toronto und East Rutherford gegen Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador zu jetten.
Dem Quartier kommt traditionell fast mythische Bedeutung zu. Die Triumphe 1954, 1974, 1990 oder 2014 waren stets eng verbunden mit einem „Geist von...“. Wenn es schief ging, wie 2018 oder 2022, war immer auch die Herberge mit schuldig (Watutinki, Zulal).
Winston-Salem (nach Shalom, Frieden) hat 250.000 Einwohner, gegründet wurde die Stadt Mitte des 18. Jahrhunderts vom evangelischen Missionar August Gottlieb Spangenberg. Sie liegt im Nordwesten von North Carolina, dessen Staatsmotto lautet: Esse quam videri, mehr Sein als Schein - der perfekte WM-Leitsatz.