Sabrina Mockenhaupt-Gregor

Die 41-Jährige, die läuft und läuft und läuft

Sabrina Mockenhaupt-Gregor, 41 und Dauerläuferin, ist nicht laufmüde und kehrt zu den deutschen Meisterschaften über 10 000 Meter auf die Bahn zurück.

Die 41-Jährige, die läuft und läuft und läuft

Sabrina Mockenahaupt-Gregor läuft nach ihrem Rücktritt einfach weiter.

Von Ewald Walker

Sie ist ein Wirbelwind, sportlich und mit Worten. Sie ist eine Wundertüte in Laufschuhen, weil sie in 17 Jahren Leistungssport auch nach Verletzungen immer wieder aufgestanden ist. Jetzt feiert Sabrina Mockenhaupt-Gregor mit 41 Jahren ein Comeback auf der Laufbahn. Sie ist eine der erfolgreichsten Läuferinnen in Deutschland, auf der Straße, im Cross, in der Halle und auch auf der Bahn. Mockenhaupt-Gregor ist 45-fache deutsche Meisterin – lediglich Brigitte Kraus (ASV Köln) war mit 63 nationalen Titeln erfolgreicher.

Die mit 1,55 Meter vielleicht Kleinste der Laufszene war schon in allen Stadien der Welt: Zweimal startete sie jeweils bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, fünfmal bei Europameisterschaften. „Laufen war für mich eine wunderbare Zeit, eine Lebensschule“, blickt Mockenhaupt-Gregor auf 20 Jahre Dauerlaufen zurück.

Die Schattenseite des ewig hohen Anspruchs

Als sie 2018 in den Niederlanden ihren bisher letzten Wettkampf absolviert hatte, fand sie auch kritische Worte zum Leistungssport. „Der eigene hohe Anspruch mit ‚immer schneller, immer weiter‘, der Druck der Sponsoren und der Kampf um die materielle Existenz lenkt einen in eine unwirkliche Welt“, offenbarte sie hinter ihrem scheinbar nimmermüden Lachen. Die Orientierung an Normen, Platzierungen und Titeln führte zu Schlaflosigkeit, die sie mit Schlaftabletten zu lösen versuchte.

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Mit der Lösung von diesen Fesseln, vor allem der Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren, nähert sich „Mocki“ jetzt wieder dem sportlichen Kern ihres Lebens. Bei den deutschen 10 000-Meter-Meisterschaften im Schönbuchstadion in Pliezhausen kehrt sie auf die Laufbahn zurück, mit nun 41 Jahren. Als Lokalmatadorin, denn die in Metzingen wohnende Läuferin hat inzwischen beim LV Pliezhausen ihre vermutlich letzte sportliche Heimat (nach der LG Sieg, Haspa Hamburg und Marathon Köln) gefunden.

In Pliezhausen will sie zurück unter die Besten

Nach ihrer Babypause schnürte Mockenhaupt-Gregor vor ein paar Monaten wieder ambitioniert die Laufschuhe. Bei zwei Starts mit 1:15 Stunden im Halbmarathon und 34:15 Min über zehn Kilometer hat sie ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Ihr Ziel in Pliezhausen: eine niedere 33er-Zeit – und damit zurück unter die Besten.

„Ich fühle mich noch nicht wie 41“, sagt die Lebensläuferin in ihrem rheinländischen Dialekt. Über 100­ 000 Trainings- und Wettkampfkilometer hat sie auf dem Weg durch Stadien, Wälder und Hallen zurückgelegt, und damit mehr als zweieinhalbmal die Erde umrundet. „Mocki“, wie sie in der Szene genannt wird, hatte eine enorme läuferische Bandbreite, auf Streckenlängen von 3000 Meter bis zum Marathon war sie zu Hause. Auf allen Strecken liegt sie in der ewigen deutschen Bestenliste unter den Top Ten. Über 10 000 Meter (31:14,21 Min.) und im Halbmarathon (1:08:45 Stunden) zählt sie zu den drei bislang Besten in Deutschland.

Frohnatur mit losem Mundwerk

Das Laufen habe ihr materielle Grundlagen für die Zeit „danach“ gegeben, sagt sie. Als Frohnatur mit losem Mundwerk ist sie seit Längerem auch bei mehreren Fernsehsendern unterwegs. 2020 schwebte „Mocki“ bei „Let’s Dance“ mit Erich Klann in die achte Runde des TV-Tanzspektakels. Jetzt kehrt sie bei ihrem ersten Start im Schönbuchstadion auf den Boden der sportlichen Tatsachen zurück. Ganz freiwillig – und offensichtlich genauso motiviert wie einst.

Vielversprechendes Läufermeeting

Deutsche Meisterschaften Stark besetzte Felder versprechen schnelle Rennen bei den Deutschen 10 000-Meter-Meisterschaften am Samstag (ab 19 Uhr) in Pliezhausen. „So gut war die Besetzung schon lange nicht mehr“, kündigt die neue alte Bundestrainerin Isabelle Baumann (Tübingen) an.

Frauen Ein Dreikampf wird zwischen der aktuellen deutschen Marathon-Meisterin Domenika Mayer (Nagold/Regensburg), der deutschen Jahresbesten im Halbmarathon Katharina Steinruck (Frankfurt) und der vierfachen deutschen Halbmarathon-Meisterin Miriam Dattke (Regensburg) erwartet. Vorbehaltlich eines erfolgreichen Leistungstests will Alina Reh (Laichingen/Berlin) nach fünfmonatiger Wettkampfpause aufgrund einer Herzmuskelentzündung wieder auf die Laufbahn zurückkehren.

Männer Favorit ist der sechsfache deutsche Meister Simon Boch (Regensburg). Hommiyu Tesfaye (Pfungstadt), ehemaliger Weltklasseathlet über 1500 Meter, hat Ambitionen angemeldet.

Europacup Für den Europacup (28. Mai in Rennes, FRA) werden in Pliezhausen je fünf Startplätze vergeben. Star des Internationalen Läufermeetings (Sonntag ab 12 Uhr) ist Olympiasiegerin Malaika Mihambo.