Drei Personalien im DFB-Team stoßen auf Widerspruch

BKZ-Bundestrainer Zum Neustart der Facebook-Gruppe unserer Zeitung anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft unterhalten sich vier Jugendspieler der SGM Murrhardt in einem Video über Deutschlands Kader. Zu sehen ist es auch auf Instagram, weitere folgen während der WM.

Drei Personalien im DFB-Team stoßen auf Widerspruch

Film ab: Jugendleiter Azam Khan hat das Handy gezückt. Samuel Hess verteilt die DFB-Kaderliste und diskutiert mit den weiteren SGM-Jugendlichen Louis Brucker (hinten links), Finn Zeeb (hinten rechts) und Lennox Ammon über Julian Nagelsmanns Auswahl. Foto: Alexander Becher

Es gibt die sprichwörtlichen 80 Millionen Bundestrainer, die über alle Entscheidungen von Julian Nagelsmann und dessen Vorgängern diskutieren und es im Zweifel selbstredend besser wissen. Es gibt momentan 288 BKZ-Bundestrainer, die in der gleichnamigen Facebook-Gruppe unserer Zeitung seit der Fußball-WM 2018 in Russland bei jedem großen Turnier ihren Dienst antreten und sich über weiteren Zuwachs freuen würden. Und es gibt vier Jungs der SGM Murrhardt, die nach dem Regieplan und vor der Handykamera ihres Jugendleiters Azam Khan über den Kader des echten Bundestrainers für die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, in Kanada und Mexiko fachsimpeln.

Dieses Video für die sozialen Netzwerke unserer Zeitung, dem zu den deutschen Duellen weitere folgen werden, soll so etwas wie der Neustart für die BKZ-Bundestrainer sein. In den 24 Monaten, die üblicherweise zwischen Europa- und Weltmeisterschaften liegen, tauschen sie sich nur sporadisch aus. Wie im September des Vorjahres, als das DFB-Team mit dem 0:2 in der Slowakei seine erste Auswärtspleite in der Historie der WM-Qualifikation kassierte und das Endrundenticket in Gefahr zu geraten schien. Mit fünf Siegen aus den restlichen fünf Partien ist aber alles gut gegangen, weshalb Julian Nagelsmann nun die Aufgabe hatte, seinen 26-Mann-Kader zu benennen. Er tat dies am Donnerstag, doch schon vorher waren Namen von Spielern durchgesickert, die im Flugzeug über den großen Teich sitzen werden oder zu Hause bleiben müssen.

Oliver Baumann, Matthias Ginter und Chris Führich haben ihre Fürsprecher

Zu denen, die dabei sind, gehört Manuel Neuer. Eine Entscheidung, die landauf und landab teilweise hitzig diskutiert wurde und zumindest für die Murrhardter Nachwuchskicker umstritten ist. „Ich bin überrascht, dass er mitkommt“, sagt der zwölfjährige Samuel Hess, der in der D-Jugend aktiv ist, über Bayerns Torwartoldie. Das sieht Lennox Ammon ähnlich. Für den 17-Jährigen ist „eigentlich Oliver Baumann die Nummer eins, aber wenn Neuer dabei ist, spielt er zu 100 Prozent auch“. Als sich der zwei Jahre jüngere Finn Zeeb der Abwehr zuwendet, hat Lennox Ammon wenig auszusetzen, nur eine Personalie stört ihn doch. „Antonio Rüdiger spielt derzeit echt nicht gut. Da könnte man auch mal Matthias Ginter mitnehmen, weil der zuletzt echt performt hat.“ Eine klare Meinung hat er auch zur Nominierung von Leroy Sané: „Das verstehe ich nicht. Chris Führich ist 100-mal besser gewesen.“ Samuel Hess pflichtet ihm bei, im Hinblick auf den VfB-Profi mit Einschränkung. „Führich muss nicht mit, auch wenn er eine starke Rückrunde gespielt hat. Aber nicht Sané, dann schon lieber Führich.“ Und sonst, was Mittelfeld und Angriff betrifft? Kaum Kritik, hier hat Nagelsmann weitgehend den Segen der SGM-Jungs. „Über Pascal Groß kann man sich auch noch ein wenig streiten“, wirft Finn Zeeb ein, für Lennox Ammon ist das Ticket für den Mainzer Nadiem Amiri „auch ein bisschen komisch“.

Ansonsten passe aber so weit alles, ist sich das Quartett einig. „Dann gucken wir mal, wie es wird“, richtet Samuel Hess den Blick nach vorne auf das Turnier, das am 11. Juni beginnt. „Die Vorfreude ist groß“, betont Finn Zeeb. „Bei mir auch“, sagt Louis Brucker, doch der Jüngste in dieser Runde macht auch auf ein Problem im Zusammenhang mit der Zeitverschiebung aufmerksam. „Ich darf vielleicht nur am Wochenende schauen“, befürchtet der Elfjährige. „Ich werde meinen Vater schon überreden“, ist Samuel Hess zuversichtlich. Die beiden anderen Jungs am Tisch haben den Vorteil des höheren Alters, doch zumindest anfangs ist ohnehin Entwarnung angesagt. Das erste deutsche Gruppenspiel gegen Curaçao wird um 19 Uhr angepfiffen, das zweite Duell mit der Elfenbeinküste findet an einem Samstag statt. Lediglich mit der Partie gegen Ecuador könnte es am Donnerstag, 25. Juni, um 22 Uhr etwas schwierig werden. Wie es danach weitergeht, hängt von der Vorrundenplatzierung ab – und wie lange die DFB-Elf im Rennen ist, bleibt ohnehin abzuwarten.

„Für die Deutschen wird es schwierig, falls sie im Achtelfinale auf Frankreich treffen“, glaubt Samuel Hess. Dieses Szenario tritt ein, wenn beide Nationen Gruppenerster werden und das neue Sechzehntelfinale überstehen. Daher auf Rang zwei zu schielen, sei aber „keine gute Idee. Am Ende bist du noch raus.“ Also Augen zu und durch – und hoffen, dass es im Fall der Fälle zur Überraschung gegen die Franzosen kommt, die beim SGM-Quartett auf dem Zettel mit den Favoriten ganz oben stehen. Spanien und England kommen dazu, Brasilien mit Abstrichen. „Und Deutschland ist eine Turniermannschaft“, beschwört Azam Khan den alten Satz für das Phrasenschwein.

Ein Public Viewing seitens des Vereins wie bei der Heim-EM 2024, unter anderem anlässlich des BKZ-Mini-Cups in Murrhardt, sei vorerst nicht geplant, verrät der Jugendleiter. Er begründet dies auch mit den Anstoßzeiten, denn dann sei es unfair gegenüber den Jüngeren. „Alle oder keiner, wir sind ein familiärer Verein.“ Falls Deutschland weit kommt oder sogar ins Finale einzieht, will Azam Khan aber nichts ausschließen. „Vielleicht setzen wir dann kurzfristig alle Hebel in Bewegung.“ Seine Jungs würde es freuen, denn in großer Runde macht Fußball schauen einfach noch mehr Spaß.