Drittliga-Saison wird am 30. Mai fortgesetzt

Fußballer der SG Sonnenhof Großaspach nehmen die Entscheidung des DFB kritisch auf, werden aber gegen die Spvgg Unterhaching spielen.

Drittliga-Saison wird am 30. Mai fortgesetzt

In Großaspach steht am 30. Mai das Drittliga-Heimspiel gegen die Spvgg Unterhaching auf dem Programm. Foto: A. Becher

Von Heiko Schmidt

Nun ist es amtlich. Die Drittliga-Saison der Fußballer wird am Samstag, 30. Mai, fortgesetzt. Das hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der für die Spielklasse zuständig ist, am heutigen Feiertag vom Zeitpunkt her überraschend veröffentlicht. Das heißt für alle 20 Mannschaften, sich im Eiltempo auf die bevorstehenden Partien vorzubereiten. Kritisch haben die Verantwortlichen und Akteure der SG Sonnenhof Großaspach diese Entscheidung aufgenommen. „Wir haben vorab nichts von dieser Entscheidung gewusst“, sagt SG-Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler. Der DFB hat dem Dorfklub und den anderen Drittligisten lediglich am Abend davor eine E-Mail geschickt, dass wenige Stunden später eine wichtige Nachricht kommen wird.

Und diese Message hatte es in sich. „Die Dritte Liga wird den bundesweiten Spielbetrieb ab dem 30. Mai wieder aufnehmen. Der Beschluss wurde im schriftlichen Umlaufverfahren getroffen“, heißt es in der Mitteilung des DFB. „Ich sehe, dass Fußball gerade nicht das Wichtigste ist“, steht Großaspachs Mergenthaler der Entscheidung kritisch gegenüber. Er versichert aber: „Wir werden, wie im Lizenzvertrag verpflichtend, spielen.“ Der 38-Jährige sieht besonders einen Wettbewerbsnachteil. Einige Teams befinden sich seit Wochen im Training, andere haben gerade erst damit begonnen. Zu den Letzteren gehören die Großaspacher.

Vor eineinhalb Wochen starteten die Übungseinheiten bei den Schwaben in Kleingruppen. Nachdem die ersten Coronatestreihen negativ waren, ging es in dieser Woche ins Mannschaftstraining. Jeden Tag hat Coach Hans-Jürgen Boysen mit seinen Spielern an der Form gefeilt. Alle Profis bis auf Timo Röttger (Syndesmose gereizt), Michael Vitzthum (Hüftprobleme), Jamil Dem und Eric Hottmann (beide individuelles Aufbautraining) zogen auf dem Platz mit. „Wir haben es jedem Spieler freigestellt, selbst zu entscheiden. Alle wollen trotz der Coronapandemie spielen“, erklärt SG-Vorstandsmitglied Mergenthaler. Das heißt, die Schwaben stellen sich auf den Restart in der Dritten Liga ein. Der Saisonendspurt wird für alle Mannschaften knackig. Innerhalb von fünf Wochen sollen nach dem Willen des DFB die letzten elf Spieltage bis zum Samstag, 4. Juli, durchgezogen werden. Es gibt also durchgängig englische Wochen. Die ersten beiden Spieltage wurden am heutigen Donnerstag gleich zeitgenau festgelegt. Dabei steht für den Sonnenhof am Samstag, 30. Mai, um 14 Uhr die Heimpartie gegen die Spvgg Unterhaching auf dem Programm. Dem schließt sich am Mittwoch, 3. Juni, um 20.30 Uhr das Duell beim Chemnitzer FC an. Die restlichen Begegnungen will der DFB noch terminieren.

Auf die bevorstehenden Aufgaben wollen sich die Großaspacher gewissenhaft vorbereiten – sofern dies aufgrund der Kürze der Zeit überhaupt möglich sein wird. „Es ist eine schwierige Situation“, macht Mergenthaler klar. Er verspricht jedoch: „Jeder gibt bei uns alles. Wir setzen alle Vorschriften sauber um.“ Auf die Schwaben kommt eine Mammutaufgabe zu. Konkret heißt das? „Die Mannschaft wird sich am Sonntag ins Quarantäne-Trainingslager begeben“, berichtet Mergenthaler. Wie vom DFB vorgeschrieben, müssen sechs Nächte in einem Hotel – fast komplett abgeschottet von der Außenwelt – verbracht werden. Die SG-Spieler und Trainer zieht es dabei nicht in die Ferne, sondern ins nahe gelegene Hotel Sonnenhof in Kleinaspach. „Dort sind brutale Hygienemaßnahmen notwendig“, erklärt das SG-Vorstandsmitglied. Aus seiner Sicht ist es ein enormer organisatorischer Aufwand, um die Anforderungen des DFB zu erfüllen. Zum Beispiel wird ein Großaspacher Mitarbeiter dafür abgestellt, um jeden Tag von allen Spielern und dem Trainerteam das Fieber zu messen. Zudem müssen die Trainingseinheiten unter strengen Vorgaben absolviert werden. „Die Mannschaft bereitet sich so professionell wie möglich vor“, versichert Mergenthaler. Er bekräftigt auch den Zusammenhalt vor den schweren bevorstehenden Wochen: „Verein und Spieler stehen eng zusammen.“

Während sich die Mannschaft in der nächsten Woche im Hotel auf den Saisonendspurt vorbereitet, müssen mit Sicherheit auch Veränderungen am Stadion im Fautenhau vorgenommen werden. Was dabei genau gemacht werden muss, soll schnellstmöglich entschieden werden. Deshalb soll am Wochenende eine Vorstandssitzung bei der SG stattfinden, um die nötigen Details zu klären. Auf jeden Fall wollen die Großaspacher alles unternehmen, um ihre Heimspiele im Fautenhau austragen zu können.

Bei anderen Vereinen sieht es aufgrund behördlicher Anordnungen schlecht aus. In Sachsen-Anhalt darf bis 27. Mai kein Mannschaftstraining erfolgen. Dies trifft den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC. In Thüringen ist sogar bis zum 5. Juni sämtlicher Wettkampfbetrieb untersagt, was den FC Carl Zeiss Jena in Bedrängnis bringt. Deshalb könnte das für den 31. Mai angesetzte Match von Jena durchaus ins Stadion des Gegners aus Chemnitz verlegt werden. Unterdessen erwägen Halle und Chemnitz wegen des Neustarts der Dritten Liga rechtliche Schritte. Die Stimmung bei den Drittliga-Klubs ist aufgeheizt. Hinzu kommt, dass es Coronafälle bei Drittligisten gibt. Beim SV Meppen hat sich ein Mitglied des Funktionsteams angesteckt. Am Montag meldete Chemnitz einen infizierten Spieler. Der betroffene Profi wurde auf Anordnung der Gesundheitsbehörde wie zwei Mannschaftskollegen, die mit dem positiv getesteten Spieler in Kontakt gekommen waren, für zwei Wochen in die häusliche Isolation geschickt. Hingegen bestätigten sich die drei Coronaverdachtsfälle in Kaiserslautern nicht.