Aalens Trainer Beniamino Molinari mit seinen Söhnen Nico (li./Stuttgarter Kickers) und Luca (SG Sonnenhof Großaspach). Beni, Luca Molinari
Von Jürgen Frey
Es gibt an den Spieltagen gewisse Rituale bei der Familie Molinari. So wünscht man sich in der gemeinsamen Whatsapp-Gruppe viel Glück vor den jeweiligen Spielen. Immer mit der Hoffnung verbunden, dass alle optimal abschneiden. „Ein paar Mal gab es schon diese 9-Punkte-Tage“, berichtet Beniamino Molinari. Das bedeutet Sieg für den Papa mit dem VfR Aalen, Sieg für den älteren Sohn Luca (23) mit Drittligist SG Sonnenhof Großaspach und Sieg für den jüngeren Filius Nico (21) mit den Stuttgarter Kickers.
So einen 9-Punkte-Tag kann es am kommenden Samstag definitiv nicht geben. Denn da kommt es um 14 Uhr im Gazi-Stadion auf der Waldau zum direkten Duell in der Regionalliga zwischen den Kickers und Aalen. „Die Vorfreude auf dieses Spiel, in diesem Stadion, vor dieser Kulisse, ist riesig“, sagt Beniamino Molinari, der mit dem kecken Aufsteiger VfR zuletzt fünf Siege in Serie feierte. Ein gutes Omen bringt er mit nach Degerloch. Denn die Bilanz des Papas in den bisherigen Familienduellen ist blütenweiß: Als die Söhne noch für ihren Heimatclub Normannia Gmünd spielten, hat Beniamino als Trainer des VfR Aalen und des TSV Essingen immer gewonnen.
Dabei ist das Familienoberhaupt in diesen pikanten Aufeinandertreffen, was die Rückendeckung betrifft, auf sich allein gestellt: „Da bin ich immer Einzelkämpfer“, versichert Beniamino glaubhaft. Seine Eltern, seine Frau Nadine, seine Tochter Marie (18) und auch seine fünf Jahre jüngeren Geschwister (die Vierlinge sind) – alle drücken sie den Söhnen die Daumen, die beide noch im „Hotel Mama“ zu Hause in Schwäbisch Gmünd wohnen.
Dort werden die Spiele am Samstagabend oder am Sonntagvormittag nochmal gemeinsam angeschaut und eingehend analysiert. Ehe, oft mit 20 bis 25 Leuten, am Sonntag weiterdiskutiert wird beim Mittagessen bei den Großeltern, die Ende der 1970er Jahre aus Neapel eingewandert sind. Weshalb alle im Hause der unzertrennlichen Molinaris glühende Anhänger des SSC Neapel sind. „Wir sind Fußballinfiziert, wir sind alle Azurblau. Wenn das nicht so wäre, müsste einer ausziehen“, sagt Beniamino mit einem Schmunzeln.
Der 46-Jährige war früher selbst ein feiner Fußballer im höheren Amateurbereich, stürmte für die Normannia und den SV Bonlanden. Dort war unter Trainer Norbert Stippel auch sein Gmünder Landsmann Alexander Zorniger sein Mitspieler. Er lotste Molinari 2021/22 als Co-Trainer zu Apollon Limassol, mit dem Club feierten beide die Meisterschaft auf Zypern. Danach ging es für Molinari noch für ein halbes Jahr als Assistenzcoach zu Schalke 04, ehe es den gebürtigen Gmünder zurück in die schwäbische Heimat zog. Seit 1. Juli 2025 ist er Cheftrainer beim VfR Aalen, wie davor schon beim TSV Essingen (2019 bis 2021), bei der TSG Backnang (2017/18) und bei Normannia Gmünd (2014 bis 2017).
Außer während seiner Zeit bei den beiden Proficlubs auf Zypern und Schalke arbeitet Molinari seit fast 30 Jahren bei der Deutschen Post als Firmenkundenberater. Auch aktuell – trotz des Trainerjobs beim Regionalligazweiten VfR Aalen. „Wir sind in Aalen keine Profis. Wir gehen unserem Beruf nach und trainieren nur abends“, stellt Molinari klar.
Bleibt die Frage, warum er noch nie eine Mannschaft trainiert hat, in der einer seiner Söhne am Ball war? „Das hat sich bisher einfach noch nicht ergeben“, sagt er. Und künftig?
„Im Sport kann man irgendwie nichts ausschließen, deswegen kann das schon irgendwann mal möglich sein.“ Egal was kommt, fest steht: Die Leidenschaft für den Fußball und der Familienzusammenhalt werden die Molinaris nie verlieren.
Familie und Fußball verbindet: Nico, Beniamino und Luca Molinari (v.li.).