Olympia 2026

Giovanni Franzoni fährt um Gold – und für den toten Freund

Giovanni Franzoni gehört zu den Favoriten auf Olympia-Gold in der Abfahrt. Auf der Stelvio in Bormio fährt der Italiener nicht allein. Im Herzen dabei ist sein toter Freund.

Giovanni Franzoni fährt um Gold – und für den toten Freund

Giovanni Franzoni im Abfahrtstraining in Bormio.

Von Dirk Preiß

Noch vor einigen Wochen wäre die Frage nach den Favoriten in der Abfahrt der Olympischen Spiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo recht schnell beantwortet gewesen. Klar, Marco Odermatt, der Schweizer Dominator, wäre der heißeste Tipp auf Gold gewesen. Sein Landsmann Franjo von Allmen wohl sein größter Rivale – und weil das Rennen (Samstag, 11.30 Uhr) in Bormio stattfindet, musste auch Dominik Paris genannt werden. Der Italiener hat auf der Stelvio schon siebenmal im Weltcup triumphiert. Ein Dreikampf also? Mitnichten.

Denn in den vergangenen Wochen hat sich mit Giovanni Franzoni einer in den Kreis der Favoriten gefahren, der zwar schon vor dieser Saison ein wohlklingender Name war im alpinen Skizirkus. Der nun aber vollends durchgestartet ist – und der eine besondere Geschichte mitbringt.

Im Prinzip sind es ja mehrere. Die eine ist eine nette Anekdote, die zuletzt ausgegraben worden ist. Es geht um den heute 24-jährigen Fanzoni – und um Jannik Sinner. Der heutige Weltklasse-Tennisspieler stammt aus Sexten in Südtirol und fuhr als Jugendlicher auch Skirennen. Nun, da Franzoni in der absoluten Weltspitze angekommen ist, wurde mal nachgeschaut, wer früher eigentlich besser war. Und tatsächlich: Sinner hat Franzoni mal deutlich distanziert. 2009 war das. Um fast vier Sekunden.

Nachdem das kürzlich alles geschrieben worden war, kamen die beiden wieder in Kontakt. Mittlerweile gratuliert der Tennisstar dem Ski-Shootingstar zu seinen Erfolgen. „Wenn man eine Nachricht von solch einem Sportler erhält, kann das einen nur anstacheln. Und es bedeutet, dass man etwas Bedeutungsvolles getan hat“, sagt Franzoni.

Bedeutungsvolles ist tatsächlich passiert. Franzoni fuhr erst in Gröden aufs Podest, gewann dann den Super-G in Wengen, wurde dort auch Dritter in der Abfahrt – ehe der ganz große Coup gelang. Er siegte auf der Streif in Kitzbühel.

„Wie James Bond“ habe er sich bei den Feierlichkeiten gefühlt, erzählt er später. Zuvor hatte er seine Erfolge auch oft mit Tränen der Trauer in den Augen kommentiert. Denn wenn Giovannoi Franzoni auf den Skiern steht, begleitet ihn seit dem vergangenen Herbst auch eine traurige Geschichte.

Skifahren für den toten Freund

Beim Training in Chile stürzte damals Matteo Franzoso so schwer, dass er kurz danach verstarb. Franzoso war nicht nur Teamkollege von Franzoni, sie teilten auf Reisen auch stets das Zimmer. „Seit wir jung waren“, sagt Franzoni – und betont: „Er ist wie ein älterer Bruder für mich.“ Der Tod Franzosos also hat den neuen Kitzbühel-Sieger hart getroffen – doch er hat sich auch geschworen, ihre gemeinsame Zeit weiterzutragen.

„Ich werde mein Leben lang weiter mit ihm fahren, er wird mich in meinem Herzen immer begleiten“, sagt der 24-Jährige, „ich werde mein Leben lang für ihn Skifahren.“ Am Samstag in Bormio kämpft Giovanni Franzoni gegen Odermatt, Paris und all die anderen – aber eben nicht allein.