Großaspach braucht wieder einmal einen neuen Trainer

In gut drei Jahren haben die Fußballer aus dem Fautenhau nun den zehnten Übungsleiter verbraucht, da Steffen Weiß nach dem 1:4 gegen Koblenz und dem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz beim Fußball-Regionalligisten aus dem Fautenhau gehen muss. Die SG Sonnenhof verliert zurecht, da die Gäste in dem Kellerduell läuferisch besser, zweikampfstärker und auch aggressiver sind.

Großaspach braucht wieder einmal einen neuen Trainer

Standen und saßen gestern Abend im wahrsten Sinne des Wortes im Regen: Coach Steffen Weiß (links) und Co-Trainer Marcus Lauer. Die Heimpleite gegen Koblenz kostete den Chef den Job. Nun rückt der bisherige Assistent vorläufig vom zweiten ins erste Glied vor. Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Erst gab’s im Aspacher Fautenhau gestern Abend die große Stille, dann einen enttäuschten Ehrenpräsidenten Werner Benignus, der in Richtung Spielfeld schimpfte: „Schämt euch.“ Sein Ärger war wohl noch nicht ganz verraucht, da hatten seine Nachfolger schon die Reißleine gezogen. Eine Stunde nach der 1:4-Heimniederlage im Kellerduell gegen Rot-Weiß Koblenz und dem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz stellte Fußball-Regionalligist Großaspach Trainer Steffen Weiß frei. Was im Sommer mit einem guten Start so hoffnungsvoll begonnen hatte, ist nur sechs Monate später und einem langsamen Abrutschen auf den viertletzten Rang bereits wieder zu Ende.

Die Position von Weiß nimmt in den noch ausstehenden drei Spielen bis Weihnachten der bisherige Co-Trainer Markus Lauer ein. „Wir haben uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht“, sagte Michael Ferber, Vorstand Sport bei der SG Sonnenhof, zur Trennung, doch „schlussendlich lassen uns die sportliche Entwicklung und die Auftritte der Mannschaft in den vergangenen Wochen keine andere Wahl“. Der Verein will nun schauen, dass er ohne weiteren Flurschaden in die Winterpause kommt und sich dann „auf der Trainerposition neu aufstellen“. Zum wiederholten Mal in den vergangenen drei Jahren kommen von den SG-Verantwortlichen allerdings auch diese Sätze: „Wir werden aber auch keinesfalls die Mannschaft aus der Verantwortung nehmen. Die Spieler sind insbesondere in den extrem wichtigen drei Partien vor dem Jahreswechsel gefordert. Wir werden ganz genau hinschauen.“

Vorstandsmitglied Michael Ferber muss erklären, was nicht mehr zu erklären ist

Was hätte das Vorstandsmitglied schon viel anderes sagen können, um zu erklären, was langsam nicht mehr zu erklären ist. Inklusive der Interimstrainer wie Zlatko Blaskic und Markus Lang war Steffen Weiß bereits der zehnte Coach, seitdem Sascha Hildmann im Oktober 2018 gehen musste. Vorzeitig, wie Florian Schnorrenberg, Oliver Zapel, Hans-Jürgen Boysen sowie das Trainerduo Mike Sadlo und Heiner Backhaus. Walter Thomae hatte vergangene Saison von sich aus keine Lust mehr und dessen Nachfolger Rainer Scharinger beendete seine Kurzzeit-Tätigkeit diesen Sommer wieder, da er beim Badischen Fußballverband als Verbandssportlehrer angestellt ist.

Nun also gehört Steffen Weiß in die lange Reihe der Ex-Übungsleiter der SG Sonnenhof. Dabei war die einst dafür bekannt, dass der Trainerstuhl im Fautenhau eher nicht zum Schleudersitz mutiert. Gerade mal gut drei Jahre ist das her. Wie schnell es bei den Schwaben mittlerweile geht, das hat Heiner Backhaus selbst erlebt, der in Aspach nach rekordverdächtigen drei Partien schon wieder seinen Hut nehmen musste und nun gestern Abend mit seiner nächsten Mannschaft Koblenz im dritten Vergleich mit der Elf aus dem Fautenhau den dritten Sieg einfuhr. Ein Erfolg, der für die Hausherren ein kleines Heimdebakel war. Lagen sie im Duell des Fünftletzten mit dem Sechstletzten vom Deutschen Eck doch bereits zur Halbzeit mit 0:3 zurück.

Steffen Weiß, zu dem Zeitpunkt noch Trainer, schimpfte kurz nach dem Abpfiff: „Du kannst nicht in zehn Minuten das Spiel verlieren.“ Seine Elf kann es. Dabei hatte sie nach 29 Minuten den ersten großen Trumpf in der Hand gehabt, als David Hummel im Strafraum nach einer Attacke von Maurice Buckesfeld zu Boden gegangen war und Schiedsrichter Sascha Kief auf Elfmeter entschied. Den setzte Mittelfeldmann David Tomic jedoch an den Querbalken. Wach waren nach dem Lattenknaller nur die Gäste, denn die trafen nun binnen sechs Minuten dreimal. Erst köpfte der aufgerückte Verteidiger Dominic-Maximilian Duncan das 1:0 (32.), dann nutzte Arthur Eckelle die SG-Schockstarre zum 2:0 (35.) und weitere drei Minuten danach verlängerte Duncan eine Flanke von Christopher Spang mit der Fußspitze zum 3:0 ins lange Eck.

Damit war die Messe gelesen. Erst recht, weil sich das 1:3 von Can Karatas nach einer guten Stunde als Strohfeuer entpuppte. Die läuferisch besseren, aggressiveren und zweikampfstärkeren Koblenzer hatten nach dem Treffer aus sechs Metern nur kurz Probleme. Dann schlichen sich bei Großaspach wieder die Ungenauigkeiten ein. Von einem Sturmlauf waren die Schwaben weit entfernt. Dafür kassierten sie sie acht Minuten vor Schluss den entscheidenden Konter, als Jakob Lemmer von der rechten Seite die Kugel im langen Eck zum 4:1 versenkte.

„Wer ständig so viele Gegentore bekommt, der kann nicht gewinnen“, urteilte Steffen Weiß. Er ahnte da wohl schon, was an dem Abend noch auf ihn zukommen sollte. Auf die Frage, was ihm nun überhaupt Mut für die am Wochenende anstehende Heimaufgabe gegen den ebenfalls gegen den Abstieg kämpfenden FC Astoria Walldorf macht, antwortete er: „Heute denke ich noch nicht an das, was am Samstag kommt.“ Kurz darauf hatte sich das für den 32-Jährigen dann ja ohnehin erledigt.

Großaspach braucht wieder einmal einen neuen Trainer

Großaspach braucht wieder einmal einen neuen Trainer