Großaspachs Schleudersitz schleudert immer schneller

Nach nur drei Spielen ertönt für Zapel-Nachfolger Mike Sadlo und Heiner Backhaus der Abpfiff - Vorläufig übernimmt Markus Lang den Trainerposten

Das ist ein Donnerschlag. Fußball-Drittligist SG Sonnenhof hat nach nur sechs Wochen sein neues Trainerduo Mike Sadlo und Heiner Backhaus bereits wieder freigestellt. Wie schon bei der Trennung von Oliver Zapel kurz vor der Winterpause übernimmt Markus Lang das Amt, der von Sportdirektor Joannis Koukoutrigas unterstützt wird. Die Zwischenlösung wird langsam zur Dauerlösung.

Großaspachs Schleudersitz schleudert immer schneller

Hatten nur sechs Wochen in Aspach das Sagen: Heiner Backhaus (links) und Mike Sadlo. Imago

Von Uwe Flegel

In Althütte erfreuten sich die einen trotz Eiseskälte des Aspacher 8:2-Testspielsieges gegen den Oberligisten Bissingen. Ein paar Kilometer weiter redeten sich Vorstandschaft und Aufsichtsrat stundenlang die Köpfe heiß. Thema: Wird angesichts des vorletzten Tabellenplatzes noch an das Trainerduo Mike Sadlo/Heiner Backhaus geglaubt? Wobei die Diskussionen der Vereinsführung laut Teilnehmern der Sondersitzung viel tief greifender waren. Es ging auch darum, ob die SG noch das darstellt, als das sie sich gerne sieht. Ein schwäbischer Verein, der dank solider Arbeit sportlich erfolgreich ist. Der Klub aus der kleinsten Gemeinde im deutschen Profifußball, der trotz vergleichsweise geringer Finanzmittel, dafür aber als echte Einheit bereits das sechste Jahr in der Dritten Liga spielt. Ergebnis der Unterredung: ein doppeltes Nein.

Deshalb wurde wie schon vergangene Runde das zweite Mal in einer Saison die Notbremse gezogen. Nach dem Aus für Oliver Zapel zum Vorrundenende, kam es nun für Sadlo und Backhaus. Dafür muss Markus Lang nun wieder ran. An seiner Seite steht Joannis Koukoutrigas. Ende der vergangenen Saison gelangen in der Besetzung zwei Siege und damit die Rettung auf den letzten Drücker. Angesichts von neun Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz wird das diesmal bedeutend schwieriger. Auch weil A-Lizenz-Inhaber Lang eben kein Fußballlehrer ist und bei einem Drittligisten nur maximal zwei Spiele der Chef sein darf.

Das weiß die SG. Trotzdem entschloss sich der Vorletzte, im Abstiegskampf noch einmal die Pferde zu tauschen. Inklusive aller Zwischenlösungen ist Lang der siebte Coach binnen eineinhalb Jahren, wobei er selbst nun schon das dritte Mal übernimmt. SG-Vorstandsmitglied Michael Ferber begründet die Entscheidung: „Das 0:6 gegen Würzburg hat das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nachhaltig gestört. Daher hatten wir gar keine andere Möglichkeit.“

Für die Betroffenen kam die Entscheidung wie aus heiterem Himmel. „Überraschend und enttäuschend. Mehr will ich dazu nicht sagen“, erklärt der 48-jährige Sadlo. Sein Partner Heiner Backhaus ist zwar etwas gesprächiger, sieht die Sache jedoch nicht anders: „Schade. Ich denke allerdings, wir haben so gearbeitet, dass man sich in die Augen schauen kann.“ Der 38-Jährige kennt die Bilanz von nur einem Punkt aus seinen drei ersten und gleichzeitig letzten Partien auf der SG-Bank, gibt aber zu bedenken: „Das 0:0 in Lautern und der Auftritt beim KFC Uerdingen waren in Ordnung.“ Würzburg sei ein Ausreißer gewesen.

Zwischenlösung Markus Lang wird langsam aber sicher zur Aspacher Dauerlösung

Backhaus trifft die Entlassung besonders, da er wegen Aspach seinen Vertrag beim Nord-Regionalligisten Rehden vor sechs Wochen extra aufgelöst hatte: „Ich habe dort ein intaktes Team verlassen. Ich nehme das Ganze jedoch professionell hin. Das ist Fußball und der Verein hat uns das Ganze in einem vernünftigen Gespräch mitgeteilt.“ Trotzdem nagt die Geschichte an ihm, das er sich sicher ist: „Das Verhältnis zur Mannschaft ist gut. Ich mag sie, das sind tolle Typen und ich denke trotz allem, dass wir auf einem guten Weg waren.“ Deshalb hofft er, dass die SG die Kurve noch kriegt: „Zumal ich mich mit Markus Lang super verstehe.“

Wobei der – wie schon erwähnt – einmal mehr wohl nur eine Kurzzeitlösung sein darf. Dabei räumt Michael Ferber ein, dass der Verein in dem U-19-Coach und Leiter Talentförderung mehr als nur einen Notnagel sieht. Der 43-jährige Lang ist offensichtlich jener Trainertyp, den der Klub sucht, um zum sportlichen Glück zurückzufinden. Ferber: „Markus steht für die Philosophie der SG. Deshalb wollen wir gemeinsam mit ihm die sportliche Zukunft gestalten. Am besten natürlich als Trainer, soweit dies in naher Zukunft lizenztechnisch möglich ist.“

Ein Bekenntnis, das in Bezug auf die Spieler nicht ganz so deutlich ausfällt, obwohl es der 34-jährige Sportvorstand an Klarheit nicht vermissen lässt: „Die komplette Mannschaft ist spätestens jetzt voll in der Verantwortung. Jeder Spieler entscheidet durch seine kommenden Leistungen im Spiel und Training selbst, ob er unseren Weg mitgeht oder nicht.“ Michael Ferber räumt aber durchaus ein, dass der Verein selbst ebenfalls nicht immer Kurs gehalten hat beim Bemühen, sich als Drittligist weiterzuentwickeln: „Wir haben unsere einzigartige Philosophie, die mit dem dualen System durchaus einmal steinig für Spieler, Trainer und Verantwortliche sein kann, nicht konsequent verfolgt.“ Seine Erkenntnis: „Wir wollen und müssen unter die letzten eineinhalb Jahre einen Schlussstrich ziehen – jetzt und heute.“ Beim Versuch, zu alten Tugenden zurückzufinden, nimmt der Vorletzte den Gang in die Regionalliga offenbar in Kauf, fügt Ferber doch an: „Und das ligenunabhängig.“

Ganz aufgegeben hat sich Großaspach aber noch nicht. Das erhoffte Fußballwunder namens Nichtabstieg gelingt in den noch ausstehenden 15 Spielen aber nur, wenn der Negativtrend schleunigst gestoppt wird. Möglich machen soll das einer, der die Kohlen schon einmal aus dem Feuer geholt hat: Markus Lang.

Großaspachs Schleudersitz schleudert immer schneller

Haben vorläufig auf der Bank wieder das Sagen: Markus Lang (links) und Joannis Koukoutrigas. Foto: A. Becher

Kommentar
Ein Handeln, das nicht zum Selbstbild der SG passt

Von Uwe Flegel

Fehlenden Mut und mangelnde Entschlossenheit kann den Verantwortlichen der SG Sonnenhof Großaspach niemand vorwerfen. Wie im Vorjahr wurde das zweite Mal in einer Saison der Trainer getauscht. Ob das im Abstiegskampf erneut die Rettung bringt, wird sich noch zeigen. Schon jetzt steht aber fest, dass beim Dorfklub was verrutscht ist. Und wenn es nur das Bild ist, das die Öffentlichkeit von der SG hat. Für eine permanente sportliche Schieflage können nicht immer nur die Trainer verantwortlich sein. Irgendwann stellt sich auch die Frage, ob der Aspacher Kader überhaupt die Qualität für die Dritte Liga hat. Spätestens dann geht es aber auch darum, wer dafür verantwortlich ist. Das gilt für die Verpflichtung von Spielern und für die von Trainern. Im zweiten Fall hat sich die Vereinsführung zuletzt für Lösungen entschieden, von denen sie kurze Zeit später selbst nicht mehr überzeugt war. Dabei sind Stützen wie der vor eineinhalb Jahren nach Würzburg abgewanderte Ex-Kapitän Daniel Hägele nie ersetzt worden. Das mag daran liegen, dass die Schwaben vernünftig genug sind, nicht mehr Geld auszugeben, als sie haben. Ein Handeln, das Respekt verdient. Die Hire-and-Fire-Aktionen der vergangenen eineinhalb Jahre tun das nicht. Wer Teamgeist und Einheit predigt, muss es auch zeigen, wenn die Lage prekär wird. Das wäre entschlossener und mutiger als ständig Trainer zu wechseln. Vor allem wäre es ein ehrliches Zeichen, sich selbst mit in die Verantwortung zu nehmen.

u.flegel@bkz.de