Olympia-Kolumne

Hase will das Hermelin – und Bumsi sein Revier zurück

Maskottchen gehören zu Olympischen Spielen wie die fünf Ringe. Dumm nur, wenn sie abhandenkommen – und andere tierische Kultobjekte verdrängen.

Hase will das Hermelin – und Bumsi sein Revier zurück

Tina, das Maskottchen der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina.

Von Dirk Preiß

Minerva war untröstlich. Und hätte am liebsten an jedem Laternenmast in Mailand ein Blättchen aufgehängt: „Maskottchen entlaufen.“ Die Hase, Bronzemedaillengewinnerin im Eiskunstlauf, suchte also das Hermelin. Es war nach der Siegerehrung abhandengekommen, das von ihrem Partner Nikita Volodin übrigens auch.

An dieser Stelle würden wir gerne einerseits darauf hinweisen, wie wichtig es ist, dass Haustiere gechippt sind – man findet sie dann einfach leichter wieder. Und andererseits unsere Hilfe anbieten. Wir fürchten nur: Das wird nicht viel bringen. Denn auch wir haben in den vergangenen Tagen so unsere Probleme gehabt, das Hermelin zu sichten. Immerhin: Einmal hatten wir das tierische Vergnügen – aber das war ein flüchtiger Moment.

Tina heißt das Maskottchen dieser Spiele. Und wir haben das Gefühl, sie hält sich eher vornehm im Hintergrund, als sich in den Mittelpunkt zu drängen. Dabei hat Tina eine Art Alleinbetretungsrecht für die olympischen Sportstätten. Eine Tatsache, die schon Opfer gefordert hat. Das prominenteste ist: Bumsi.

Bumsi gibt es schon recht lange. Er ist das Maskottchen des Biathlon-Weltcups und diverser Weltmeisterschaften in Antholz. Dort, wo nun die Skijäger nach olympischen Medaillen jagen, ist Bumsi daheim – muss nun aber für eine Zeit lang auswärts schlafen. Das macht den Bären traurig, und auch die Fans. Denn Bumsi ist Kult. Die ARD hat dieser Maskottchen-Tragödie am Antholzer See schon einen eigenen Beitrag gewidmet. Fans aus Norwegen forderten darin: „Justice für Bumsi!“

Das Leben ist aber nun mal nicht immer gerecht. Das mussten auch wir schon erfahren. Das Hermelin Tina ist nämlich nicht nur bei Minerva Hase abhandengekommen, sondern auch in den meisten Merchandising-Shops. Im olympischen Dorf ebenso wie oben in Cortina d’Ampezzo. Tina ist sold out. Ausverkauft. Aber hoffentlich nicht ausgestorben.

Wir jedenfalls hoffen noch auf eine Rückkehr – in die Regale. Ehe dann demnächst Tinas Bruder ihren Platz einnimmt. Milo ist auch ein Hermelin, mit braunem Fell allerdings – und er ist das Maskottchen für die Paralympics. Ihm fehlt von Geburt an eine Pfote.

Sollte das mit Tina nicht mehr klappen, bleibt nur noch ein Ausweg: Flo. Das ist ein Schneeglöckchen und die Nummer drei der Milano-Cortina-Tiere. Flo gibt es auch als Mütze. Und Flo erinnert die olympischen Gäste zudem daran, Müll zu vermeiden oder ihn wenigstens ordentlich getrennt zu entsorgen. Das klingt zukunftsträchtig.

Die Frage aber ist: Kann Flo Minerva über den Verlust von Tina trösten? Wir fürchten: eher nein. Die Hase will das Hermelin!