Olympia 2026

Historisches Gold! Johannes Lochner am ersten Ziel seiner Träume

Johannes Lochner hat sich seinen Traum von einer Goldmedaille zum Abschluss seiner Karriere erfüllt. Fertig ist der Bobpilot vom BC Stuttgart im Eiskanal von Cortina aber noch nicht.

Historisches Gold! Johannes Lochner am ersten Ziel seiner Träume

Bobpilot Johannes Lochner (li.) ist zusammen mit Anschieber Georg Fleischhauer erstmals Olympiasieger.

Von Dirk Preiß

Es war schon später am Dienstagabend am Eiskanal „Eugenio Monti“ – als Johannes Lochner genau rechtzeitig kam. Souverän und sicher brachte er auch den vierten Lauf im Zweierbob-Wettbewerb bei den Olympischen Spielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo ins Ziel. Wo in dem Moment, in dem der 35-jährige Bayer die rote Linie überquert hatte, riesengroßer Jubel ausbrach.

Bei allen, die es mit dem „Hansi“ halten. Bei seinem Fanclub mit den „The-last-dance“-T-Shirts. Bei Teilen des deutschen Bobteams, das einen Dreifach-Erfolg feierte. Und bei Jochen Buck. Der ist Präsident des Bobclub Stuttgart Solitude, für den Lochner seit vielen Jahren startet. Und der nun erstmals eine olympische Goldmedaille bejubeln darf. Einige Augenblicke später stieg dann der Hauptdarsteller aus dem Zweierbob – und die Party zündete sogleich die nächste Stufe.

Denn: Johannes „Hansi“ Lochner war am Ziel seiner Träume angelangt. „Es gibt ja nix Geileres, als wenn so ein Plan aufgeht“, jubelte er, „das Glücksgefühl kann ich gar nicht beschreiben.“

Seit Jahren schon liefert sich der Mann aus Berchtesgaden ein Duell mit Francesco Friedrich. Lochner wurde besser und besser, holte auch WM- und EM-Titel, gewann auch zuletzt den Gesamtweltcup. Aber als der Bayer den Kontrahenten aus Pirna vor vier Jahren vom olympischen Thron stoßen wollte, bewies der, dass er so ganz und gar keine Lust verspürt, diesen Platz zu räumen. Er gewann wie 2018 Gold im Zweier- und Viererbob.

Das Duell setzte sich also fort – und die Sehnsucht bei Johannes Lochner auf ein erfolgreiches Ende dieser Jagd wurde immer größer. Schon lange vor den Winterspielen in Italien kündigte er für danach sein Karriereende an – es gab also nur noch diese zwei Chancen. Die erste bot sich im Zweierbob.

Im Training lief es schon gut für Johannes Lochner. Aber: Alles deutete auf ein richtig enges Rennen hin – bis dann die ersten beiden Wettkampfläufe vorüber waren. Zur Halbzeit führte Lochner vor Friedrich mit 0,80 Sekunden Vorsprung. In der Bob-Weltspitze ist das eine halbe Ewigkeit. „Der Hansi“, sagte bei Halbzeit Francesco Friedrich, „hat da irgendwas gefunden.“ Etwas, was ihn verdammt schnell macht.

Viel Lob vom Konkurrenten

„Er hat aktuell an den Lenkseilen das Gefühl wie kein anderer“, sagte der dritte deutsche Pilot Adam Ammour, der Dritter wurde – und ergänzte: „Die starten super, die sind im Flow, die machen einfach alles richtig.“ Und zwar schon länger in dieser Saison. „Das“, sagte Georg Fleischhauer, der Anschieber Lochners, „kommt ja nicht von Ungefähr.“ Schon während der ganzen Saison laufe es bestens – ganz egal, welche Charakteristik die jeweilige Bahn auch habe.

Im neuen Eiskanal in Cortina hat sich Johannes Lochner vom ersten Tag an „sehr wohlgefühlt“. Und seiner Meinung nach fahre er auch „ein bisschen anders als die anderen“ auf dieser Bahn, die vor allem im oberen Bereich die Gefahr birgt, viel Zeit zu verlieren. Lochner kannte das Risiko, wollte sich daher nach der deutlichen Halbzeitführung auch noch nicht zurücklehnen, holte auch im dritten Lauf noch ein paar Hundertstel heraus – und hat die Bahn am Ende viermal hintereinander gut gemeistert. Was ihn nun zum Olympiasieger macht.

Es ist ein Triumph aus vielen Komponenten. Eine wichtige davon kommt aus Stuttgart. Hier entstand vor 13 Jahren die Idee, einen Bobverein zu gründen und Topfahrer finanziell zu unterstützen. Erst fuhr Sandra Kiriasis für den Bobclub Stuttgart Solitude, dann Manuel Machata. 2014 stieß dann Johannes Lochner dazu – der in Cortina wiederholte, was er schon oft gesagt hat: „Ohne den Bobclub Stuttgart, wäre das alles nicht gegangen.“ Schließlich sei der Bobsport „sehr kostenintensiv“.

Johannes Lochner erfuhr finanzielle und organisatorische Unterstützung aus der schwäbischen Metropole, konnte sich so neben dem Bobsport auf sein Elektrotechnik-Studium konzentrieren und das mit dem Master abschließen. Nun arbeitet er als Sachverständiger – für den Club-Präsidenten Jochen Buck.

Am Samstag und Sonntag geht es weiter

Mit der Doppelbelastung ist es bald vorbei. Nach Olympia ist für Lochner Schluss mit der Raserei im Eiskanal. Bevor es so weit ist, will der 35-Jährige seinen Traum aber noch zu Ende träumen. Am Samstag und Sonntag wird das Duell Lochner gegen Friedrich (er ist ebenfalls 35 Jahre alt und holte nach viermal Gold nun Silber) in Cortina d’Ampezzo fortgesetzt. Dann, ist sich der nun Geschlagene sicher, wird es ein ganz enges Rennen.

Diesmal wirklich.