Grand Prix von Miami

"Hut ab": Cooler Antonelli sorgt in Miami für Formel-1-Novum

Was für ein Start in Florida. Kimi Antonelli verliert die Pole, Max Verstappen dreht sich. Am Ende beweist der junge Mercedes-Pilot seine ganze Reife beim dritten Sieg am Stück. Es ist historisch.

"Hut ab": Cooler Antonelli sorgt in Miami für Formel-1-Novum

Kalte Dusche für Miami-Sieger Kimi Antonelli.

Von Von Martin Moravec, dpa

Miami - Völlig verschwitzt verneigte sich Formel-1-Wunderkind Kimi Antonelli nach seiner bestandenen Nervenprobe in Miami und gab seiner kleinen Schwester Maggie ein Küsschen. Der abgebrühte Mercedes-Pilot hat seine Siegesserie in der Formel 1 mit einem Novum fortgesetzt und sein Polster in der WM-Wertung ausgebaut. Im Krimi von Florida hielt der 19-Jährige Verfolger Lando Norris unbeirrbar auf Distanz und feierte vor dem Weltmeister im verbesserten McLaren seinen dritten Grand-Prix-Erfolg nacheinander.

"Ich habe es nach Hause gebracht, aber es war nicht einfach", sagte Antonelli, der als erster Fahrer überhaupt seine ersten drei Karriere-Poles nacheinander auch mit dem Rennsieg veredelte. "Das ist erst der Anfang. Vor uns ist noch ein weiter Weg, aber das Team arbeitet hart."

Nach der Zieldurchfahrt wurde er noch von Weltverbandspräsident Mohammed bin Sulayem mit einer Flasche Wasser abgeduscht. Als "unglaublich" bezeichnete Mercedes-Teamchef Toto Wolff die Leistung Antonellis. "Für mich war das das beste Rennen, das er bisher gefahren ist."

"Kimi ist stark gefahren"

Antonelli setzte die Mercedes-Dominanz in diesem Jahr fort: Kein anderes Team konnte einen der ersten vier Grand Prix dieser Saison gewinnen. In der Fahrerwertung hat er nun 20 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell. "Kimi ist stark gefahren, Hut ab", befand Norris. "Er hat einfach keine Fehler gemacht, die ich hätte ausnutzen können. Ich hatte am Ende auch nicht die Pace, um ihn noch einzuholen."

Norris, der 2024 in Miami sein erstes Formel-1-Rennen gewonnen hatte und am Samstag im Sprint nicht zu schlagen war, untermauerte vor den Augen der Sport-Ikonen Lionel Messi und Rafael Nadal, der die Zielflagge schwenkte, den Aufschwung seines Rennstalls. Im Ziel hatte er einen Rückstand von 3,2 Sekunden auf Antonelli. "Jaaaaa, was für ein Rennen! Oh mein Gott!", schrie der Teenager.

Beim Neustart der Motorsport-Königsklasse nach einer XXL-Pause von fünf Wochen lag Ferrari-Fahrer Charles Leclerc bis zur letzten Runde auf Kurs Podium. Nach einem Dreher des Monegassen eroberte Oscar Piastri im zweiten McLaren noch auf den letzten Drücker Platz drei. 

Debakel für Hülkenberg

Nico Hülkenberg erlebte ein deprimierendes Rennen. Der Audi-Pilot demolierte sich in der Auftaktrunde die Front, musste anschließend an die Box und stellte dann schon im neunten Umlauf seinen Wagen wieder ab. Bereits am Vortag hatte sein Auto noch vor dem Sprint am Heck Feuer gefangen.

Antonelli hoffte nach seiner dritten Pole nacheinander auf etwas Magisches zum Start. Das klappte mal wieder nicht. Die ersten Meter bleiben die Achillesferse des Italieners. Antonelli verbremste sich in Kurve eins, Verstappen drehte sich ohne Fremdeinwirkung einmal um die eigene Achse und fiel nach hinten zurück. "Ah, sorry, Jungs", funkte der viermalige Weltmeister, der von Position zwei ins Rennen gegangen war, an die Red-Bull-Box. Profiteur des Start-Chaos war Charles Leclerc, der von Rang drei nach ganz vorn raste.

Das war aber noch nicht alles in der Anfangsphase. Schon in Runde sechs fuhr das Safety Car auf die Strecke, nachdem Verstappens Teamkollege Isack Hadjar in die Streckenbegrenzung gekracht war und sich Alpine-Pilot Pierre Gasly in Kurve 17 überschlug. "Ich bin okay", gab der Franzose nach der Kollision mit Liam Lawson von den Racing Bulls Entwarnung.

XXL-Pause von fünf Wochen

Als ob es in Miami nicht schon im Vorfeld genug Spannung gegeben hätte. Eine Unwetterwarnung sorgte nämlich dafür, dass das Event um drei Stunden vorgezogen wurde. Die Veranstalter wollten befürchteten Regenmassen und vielleicht sogar Blitzeinschlägen zuvorkommen.

Nach einer XXL-Pause von fünf Wochen, in denen wegen des Iran-Krieges die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien abgesagt wurden, meldete sich die Formel 1 imposant zurück. Die Regelbehörde hatte in der Zwischenzeit Reglementanpassungen verabschiedet, um den Vollgasanteil für die Fahrer zu erhöhen. Die Teams waren mit üppigen Upgrades am Start.

Nicht zuletzt Verstappen, Chefkritiker des neuen Energie-Managements in der Motorsport-Königsklasse, lobte die angenehmere Fahrweise seines Red Bull. "Licht am Ende des Tunnels" machte der Niederländer aus. Weiterer Ärger war jedoch für ihn schnell in Verzug: Die Stewards kündigten eine Untersuchung an, nachdem Verstappen bei einem frühen Stopp offenbar die weiße Linie an der Boxenausfahrt verbotenerweise überfahren hatte.

Leclerc schimpft über die Strategen

An der Spitze konnte sich Norris vor Antonelli und Piastri im zweiten McLaren festfahren. Leclerc wunderte sich indes über seinen frühen Boxenstopp, der ihn weit zurückwarf. "Wenn ihr das nächste Mal eine Entscheidung trefft, sprecht bitte mit mir. Ich bin nämlich auch hier", klagte der Monegasse.

Es war eine der kniffligsten Fragen zur Halbzeit des Rennens: Wann sollte man frische Reifen aufziehen lassen? Schließlich wurde immer wieder Regen vorhergesagt. Zunächst fuhr Antonelli an die Garage, Norris machte es ihm gleich nach. Der Italiener übernahm dann vor dem Engländer die Spitze.

"Ich habe ein Problem mit dem Getriebe, mit dem Schalthebel", funkte Antonelli auf einmal verzweifelt klingend an die Box. An seinen Rundenzeiten waren aber keine gravierenden Probleme abzulesen. Doch Norris kam ihm immer näher. Antonelli hielt seinen knappen Vorsprung aber bis zum Schluss.

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Kimi Antonelli rast in Miami zum Sieg.

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