Im Prestigeduell gar nicht auf der Höhe

Bei der 0:3-Heimpleite gegen Mannheim verhindert Keeper Reule eine noch heftigere Klatsche für Aspachs Drittliga-Fußballer

Es spricht Bände, wenn der Torwart trotz einer klaren Niederlage der Beste seines Teams ist. Bei der 0:3-Heimpleite von Großaspachs Drittliga-Fußballern gegen den SV Waldhof Mannheim war dem so. „Das zeigt eindeutig, dass vor ihm vieles nicht gepasst hat“, sagte Trainer Oliver Zapel und lobte Maximilian Reule, der mit seinen Paraden verhinderte, dass die SG Sonnenhof im baden-württembergischen Duell noch mehr Haue bekam.

Im Prestigeduell gar nicht auf der Höhe

War Großaspachs Bester und glänzte mit zahlreichen Paraden, doch in dieser Situation konnte SG-Keeper Maximilian Reule das Mannheimer 2:0 durch Dorian Diring nicht verhindern.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

„Wir haben verdient verloren“, stellte Joannis Koukoutrigas nach dem Abpfiff ohne Umschweife fest. „Wir waren in allen Belangen unterlegen“, begründete der SG- Sportdirektor seine Einschätzung, „vor allem in der Zweikampfhärte“. So dürfe man sich zu Hause grundsätzlich nicht präsentieren – und schon gleich dreimal nicht in dem vom SWR live übertragenen einzigen baden-württembergischen Duell, das es in der Dritten Liga nach Karlsruhes Zweitliga-Aufstieg und Aalens Regionalliga-Abstieg noch gibt. „So ein Derby muss man einfach anders angehen“, schrieb Koukoutrigas seiner Mannschaft ins Stammbuch.

Aspachs Spieler schienen wenige Minuten nach der Begegnung aber selbst schon zu wissen, dass sie sich alles andere als mit Ruhm bekleckert hatten. „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen“, schimpfte Innenverteidiger Kai Gehring und beklagte dann noch etwas, was seinem Naturell so überhaupt nicht entspricht: „In einigen Situationen ziehen Spieler zurück anstatt durchzuziehen.“ Dass der 31-Jährige selbst bereits nach sechs Minuten den Mannheimer Michael Schultz bei einem Klärungsversuch am Auge verletzte, war allerdings eher eine unglückliche Aktion und keineswegs böse Absicht. Ungeachtet dessen gab es Koukoutrigas zu denken, dass sich die Hausherren dafür die einzige Gelbe Karte in den kompletten 90 Minuten einhandelten – ein Indiz, dass sich die SG ein Stück weit in ihr Schicksal fügte und nicht entschlossen genug gegen die Pleite stemmte.

Warum es die Aspacher nicht geschafft hatten, den Rückenwind ihres 1:0-Erfolges in Zwickau mitzunehmen, mit dem sie auf einen Nichtabstiegsplatz geklettert waren, war auch dem Trainer ein ziemliches Rätsel. „„Keiner von uns hatte es ansatzweise erwartet, dass wir so in dieses Spiel gehen und sich unsere Form so darstellt, wie es für jedermann im Stadion erkennbar war“, räumte Zapel ein: „Das stimmt mich sehr, sehr nachdenklich.“ Man habe sich für das Duell mit dem Waldhof viel vorgenommen, aber vielleicht sei ja „genau das die Krux“, sinnierte der 51-Jährige: „In solchen Momenten laden wir uns viel zu viel auf die Schultern und verkrampfen. Keiner wollte Verantwortung übernehmen und wir durften uns bei Maximilian Reule bedanken, dass es zur Halbzeitpause nur 0:1 stand.“

SG-Keeper Maximilian Reule: „Ich hätte lieber nichts zu tun gehabt und wir hätten 3:0 gewonnen“

Für den Keeper gab es viel Lob, auf das der 25-Jährige allerdings sehr gerne verzichtet hätte, wie er glaubhaft zu Protokoll gab: „Ich hätte lieber nichts zu tun gehabt und wir hätten 3:0 gewonnen. Es war aber umgekehrt. Ich hatte viel zu tun und wir haben trotzdem 0:3 verloren.“ Er sei in der Kabine nach dem ersten Durchgang noch guter Dinge gewesen, dass ein Ruck durch die Truppe geht, „aber wir haben es nicht geschafft, den Schalter umzulegen“. Zapels Umstellung vom 4-4-2 auf ein 3-5-2, das für erhöhte Präsenz im Mittelfeld sorgen sollte, fruchtete zwar insofern, dass die SG in der zweiten Hälfte ihrerseits auch einige gute Möglichkeiten hatte, doch an der Rückwärtsbewegung haperte es gewaltig. Der Trainer beklagte „eklatante Verhaltensmuster negativer Art“ und andauernde Konter der Gäste, die sein Team nicht zu unterbinden wusste. Einer davon führte zum 0:2 und damit zur Vorentscheidung in der 64. Minute – dass dies nach einer eigenen Standardsituation passierte und es seine Akteure zweimal versäumten, diesen Tempogegenstoß mit einem beherzten Zweikampf oder einem taktischen Foul zu unterbinden, passte für Zapel ins Bild.

Spätestens mit dem 0:3 war die Messe dann gelesen, doch Aspachs Trainer war um einen Spagat bemüht. Er wollte keineswegs den Eindruck aufkommen lassen, berechtigte Kritik abzuwehren, hielt aber zugleich die schützende Hand über die ersatzgeschwächte Mannschaft. „Es verbietet sich angesichts der aktuellen Situation, etwas Grundsätzliches infrage zu stellen“, betonte Zapel: „Wir werden keinen an die Wand stellen, aber es wird Zeit, dass wir die Jungs wieder an Deck kriegen, auf die wir nicht verzichten können.“ Er dachte an Spieler wie Nicolas Jüllich und Timo Röttger, die nach der Länderspielpause am 23. November in Meppen wieder einsatzfähig sein müssten, zudem könnte auch Dan-Patrick Poggenberg eine Option sein. Bei den Emsländern müsse man „auf alle Fälle etwas Zählbares holen, sonst verlieren wir langsam den Anschluss“, erhöht Sportdirektor Koukoutrigas etwas den Druck.

Fehlen wird aber Sebastian Bösel wegen der Roten Karte gegen Mannheim (81. Minute). Aspach beklagte vorher ein Foul an Panagiotis Vlachodimos, doch der Referee ließ die Partie weiterlaufen und der zentrale Mittelfeldspieler packte die Sense aus. Der Platzverweis war hart, aber vertretbar. Dass Waldhof-Spieler Marco Schuster nur Gelb bekam, obwohl er anschließend Bösel umgestoßen hatte, war ärgerlich. Es hätte letztlich gereicht, beide zu verwarnen. Bösels absehbare Sperre erhöhte den Frust auf Aspacher Seite noch – ohnehin sorgte die Schlappe im offiziellen Jubiläumsspiel anlässlich des 25. Vereinsgeburtstages und der Sturz auf einen Abstiegsplatz für einen verhagelten Start in die Festwoche, die am Freitag ab 18.30 Uhr in der Arena im Fautenhau mit der Jubiläumsfeier endet. Ehe es so weit ist, absolviert das Drittliga-Team am Donnerstag noch ein Testspiel gegen den Zweitligisten Fürth mit dem Zweck, einige Dinge auszuprobieren.