„Ich bin froh, dass wir sofort mit dem Trainingslager gestartet sind“, sagt Joannis Koukoutrigas. Der Sportdirektor des abstiegsbedrohten Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach hält es für einen Riesenvorteil, dass das Kennenlernen zwischen dem Team und dem neuen Trainerduo im Eilverfahren abläuft. Die Spieler sowie Mike Sadlo und Heiner Backhaus sind in der Türkei fast rund um die Uhr zusammen, neben den harten Einheiten bleibt viel Zeit für Gespräche.
Harte Arbeit in angenehmer Umgebung: Dan-Patrick Poggenberg, Athletikcoach Axel Mäder, Jamil Dem, Nicolas Jüllich und Kai Gehring (im Uhrzeigersinn von links) bei Stabilisationsübungen am Strand von Lara an der türkischen Riviera. Foto: SG Sonnenhof Großaspach
Von Steffen Grün
So etwas nennt man wohl einen Blitzstart von 0 auf 100. Am Freitag vergangener Woche stellten die Verantwortlichen des Vereins aus dem Fautenhau den SG-Fußballern im Rahmen eines Frühstücks um 8 Uhr ihre neuen leitenden Bankangestellten vor – keine sechs Stunden später hockten alle miteinander in der Maschine, die den Aspacher Tross von Stuttgart nach Antalya beförderte. Von dort ging es in den nur wenige Kilometer entfernten Stadtteil Lara, in dem die SG das Strandhotel Melas für ihr einwöchiges Trainingslager bezog. Weil die Türkei im Vergleich zur deutschen Winterzeit zwei Stunden voraus ist, erreichten die Schwaben ihr Domizil aber erst um kurz vor 20 Uhr, weshalb der erste Tag mit einem Abendessen und intensiven Gesprächen auch schon wieder ausklang.
Das Wochenende offenbarte dann, warum die türkische Riviera ein bevorzugtes Ziel vieler Vereine ist, das in den zurückliegenden Tagen unter anderem auch die Aspacher Ligarivalen aus Mannheim, Rostock, Jena und Chemnitz ansteuerten. „Wir hatten tolles Wetter und konnten vier Einheiten auf dem mit dem Bus in etwa zehn Minuten zu erreichenden Platz durchziehen“, berichtet Joannis Koukoutrigas. Stabilisationsübungen, die im Hotel oder am Strand absolviert wurden, und einige Besprechungen in kleinerer oder in größerer Runde ergänzten das stramme Programm.
Dass auch im vermeintlich so sonnigen Süden keine Wettergarantie herrscht, zeigte sich an den beiden folgenden Tagen. Es blieb zwar bei den vergleichsweise milden Temperaturen, aber es setzte zum Teil heftiger Regen ein. Vormittags ein knackiger Lauf, danach Regeneration und ein wenig Shoppen in Antalya – das war’s bereits am Montag, doch am Dienstag trotzte die SG der widrigen Witterung und tauchte zweimal auf dem nahen Rasenplatz auf. Bereits auf die Zielgerade bog das Trainingslager mit dem gestrigen Testspiel gegen den türkischen Zweitligisten Boluspor ein (siehe nebenstehende Meldung) – dies wieder bei gutem Wetter und „so soll es auch bis Freitag bleiben“, verweist Joannis Koukoutrigas auf die Vorhersagen. Heute sind zwei Einheiten und ein Teamausflug am Abend geplant, morgen geht es von Antalya schon um 11.10 Uhr Ortszeit wieder in die Heimat, wo später noch trainiert wird. Nach einem freien Wochenende startet die Vorbereitung am Montag in die zweite Phase.
Mike Sadlo und Heiner Backhaus hätten sich in der Türkei „erste Eindrücke verschafft und mit fast allen Spielern Einzelgespräche geführt“, berichtet der Sportdirektor und lobt die „gute Stimmung, es wird auch viel gelacht“. In der Wahl des in der breiten Öffentlichkeit recht unbekannten Trainerduos sowie in der unkonventionellen Teamlösung sieht sich Koukoutrigas fürs Erste bestätigt: „Sie ergänzen sich auch gut mit Athletikcoach Axel Mäder und mit Torwarttrainer Rouven Sattelmaier, es passt auch menschlich.“ Die Analyse des aktuellen Kaders ist noch nicht abgeschlossen, „jeder hat die Chance, sich von seiner besten Seite zu präsentieren“. Man habe den Markt jedoch im Blick, weitere Zugänge nach Sturmrückkehrer Matthias Morys sind wohl sehr wahrscheinlich. Mit Entscheidungen ist Mitte oder Ende nächster Woche zu rechnen. Im Trainingslager fehlten Angreifer Dimitry Imbongo, der sich trotz seines noch ein halbes Jahr laufenden Vertrags einen neuen Verein suchen darf (wir berichteten), sowie ein Trio, das noch eine Weile ausfällt. Abwehrspieler Korbinian Burger wird nach der Operation wegen einer Schambeinentzündung wohl als Erstes zurückerwartet, und zwar Ende Februar oder Anfang März. Noch etwa einen Monat länger dauert es bei Offensivakteur Jonas Meiser, mit Linksverteidiger Michael Vitzthum rechnet Koukoutrigas in dieser Runde eher nicht mehr. Timo Röttger, der sich nach dem Intermezzo als spielender Assistenzcoach unter Ex- Trainer Oliver Zapel wieder auf seine Rolle als Sturmroutinier konzentriert, reiste nach seiner auskurierten Grippe am Sonntag noch in den Süden hinterher, für ihn ist es also nur ein sechstägiger Trip, ehe es am morgigen Freitag nach Hause geht.