Fußball-WM in den USA

Kann Trump ein guter Gastgeber für die Fußball-WM sein?

Fifa-Präsident Gianni Infantino beteuert die Gastfreundschaft der USA. Doch Trumps Politik sorgt für Verunsicherung bei Spielern und Fans.

Kann Trump ein guter Gastgeber für die Fußball-WM sein?

Im Dezember 2025 überreichte Fifa-Präsident Gianni Infantino (re.) den neu geschaffenen „Friedenspreis“ des Fußballverbands an US-Präsident Donald Trump.

Von Rainer Pörtner

Es ist zwar ein Vorstoß ohne Aussicht auf Erfolg. Aber er zeigt an, wie sehr die kommende Fußball-WM politisch aufgeladen ist – und wie stark der amerikanische Präsident Donald Trump für Unruhe rund um das Turnier sorgt.

Im britischen Unterhaus taten sich in diesen Tagen 23 Abgeordnete aus mehreren Parteien zusammen, um den Weltfußballverband Fifa aufzufordern, die USA von dieser Weltmeisterschaft auszuschließen. Die Politiker von Labour, den Liberalen, den Grünen und der Wales-Partei rufen zum Ausschluss der USA auf, bis sich das Land wieder „im Einklang mit dem internationalen Recht“ verhalte und „Respekt für die Souveränität anderer Nationen“ zeige.

Militärschläge und unverhohlene Drohungen

Worauf sich die britischen Parlamentarier bezogen, war klar: die Militärschläge der USA gegen Nigeria und Venezuela, dazu die unverhohlenen Drohungen gegen Kuba, Kolumbien, Dänemark und den Iran. Donald Trump, heißt es in dem Aufruf an die Fifa, „untergräbt mit seiner Politik die regelbasierte internationale Ordnung“. Ein Sportereignis wie die Fußball-WM dürfe nicht „dazu benutzt werden, solche Verletzungen des internationalen Rechts zu legitimieren oder zu normalisieren“.

In der Fifa-Zentrale in Zürich dürfte das Papier schnell in der Ablage verschwinden. Natürlich werden die Fußballbosse um ihren Präsidenten Gianni Infantino die Vereinigten Staaten nicht ausschließen, die gemeinsam mit Mexiko und Kanada ab 11. Juni Gastgeber des Turniers sind. Zu mächtig sind die USA, viel zu groß ist das Fifa-Interesse an der enorm lukrativen WM.

Ergebenheitsadressen des Fifa-Präsidenten

Zudem hat Infantino dem US-Präsidenten in Washington erst wenige Wochen vor der gewaltsamen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro einen frisch erfundenen „Fifa-Friedenspreis“ überreicht. Der Fifa-Präsident katzbuckelte damals so schamlos vor Donald Trump, dass es selbst hartgesottene Dauerbeobachter der Fifa kaum glauben konnten.

„Die Welt ist willkommen in Amerika“, beteuert Infantino. „Natürlich die Spieler, natürlich alle Beteiligten, alle von uns, aber definitiv auch alle Fans.“ An dieser Zusicherung gibt es allerdings immer mehr Zweifel wegen Trumps Außen- wie Innenpolitik, wegen seines Umgangs mit anderen Staaten wie mit Menschen, die in die USA reisen wollen.

Kein einladendes Umfeld für Fußballfans aus Mexiko und Kanada

Die Frage liegt auf dem Tisch, ob diese Vereinigten Staaten ein guter Gastgeber der Fußball-WM sein können.

Zweifel zeigen sich schon bei den Co-Gastgebern des Turniers. Trump tönt immer wieder herum, Kanada die Unabhängigkeit nehmen und zum 51. Staat der USA machen zu wollen. In Kanada gibt es deshalb sehr populäre Aufrufe, keine US-Waren zu kaufen und auch nicht ins Nachbarland zu fahren. Das ist keine gute Voraussetzung für ein gemeinsames Sportevent.

Gegenüber dem Nachbarland Mexiko exekutiert Trump ein scharfes Grenzregime, die gefürchtete US-Einwanderungsbehörde ICE macht landesweit Jagd auf gebürtige Mexikaner. Das ist kein einladendes Ambiente für mexikanische Fußballfans, die ihrer Mannschaft in den USA zujubeln wollen.

Mulmiges Gefühl bei den Spielern

Auch einige Fußballteams werden mit einem mulmigen Gefühl zu den Spielen in L. A. oder Miami fahren. Etwa die Kolumbianer, deren Präsident Trump ein ähnliches Schicksal wie Maduro versprochen hat, sollte er nicht amerikanischen Wünschen entsprechen. Das dürfte aber auch für die Dänen gelten, wenn die US-Regierung weiterhin nicht ausschließt, sich einen Teil Dänemarks, die Insel Grönland, mit Gewalt zu holen.

Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, diskutiert bereits die Möglichkeit einer „Turnierabsage“. Diese komme aber „allenfalls als Ultima Ratio in Betracht, um Präsident Trump in der Grönlandfrage zur Vernunft zu bringen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Immerhin habe der Trump deutlich gemacht, „welch hohen Stellenwert die WM für ihn hat“.

Für zusätzliche Unruhe im Weltfußball sorgt aktuell das Thema Visa. Gerade hat die Regierung in Washington verkündet, dass sie ab 21. Januar die Bearbeitung von Visa-Anträgen aus 75 Ländern aussetzen werde. Die Maßnahme solle dem „Missbrauch des amerikanischen Einwanderungssystems durch diejenigen ein Ende setzen, die dem amerikanischen Volk Wohlstand entziehen wollen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Verschärfte Grenzkontrollen in den USA

Auf der Liste mit den 75 betroffenen Staaten sind auch 15 WM-Teilnehmer zu finden, darunter Fußballnationen wie Brasilien und Uruguay. Das US-Außenministerium versichert, dass der Stopp nur Personen betreffe, die dauerhaft in den USA leben oder arbeiten wollen, nicht aber Touristen.

Laut der britischen Zeitung „Daily Mail“ wurden die US-Konsulate allerdings angewiesen, Anträge besonders streng zu prüfen. Viele Fans sind nun verunsichert, ob sie eine Reise zur WM planen sollen, wenn sie fürchten müssen, trotz des Erwerbs von sündhaft teuren Tickets aufgrund schleppender Visabearbeitung am Ende doch nicht in die USA reisen zu können.

Viele Ausländer werden auch durch die verschärften Grenzkontrollen in den USA verunsichert oder sogar abgeschreckt. Jedermann muss heute damit rechnen, dass sein Handy oder Tablet von US-Grenzbeamten durchsucht wird und selbst seine Beiträge in sozialen Medien auf unerwünschte politische Äußerungen überprüft werden.

„Konkrete Risiken für europäische Bürgerinnen und Bürger“

Die European Democratic Party (EDP) warnt deshalb in einem Brief an europäische Instanzen vor „wachsenden Sorgen hinsichtlich rechtlicher und administrativer Unsicherheiten, einschließlich des Risikos intransparenter oder ermessensabhängiger Visaentscheidungen und Grenzkontrollen sowie potenziell invasiver Praktiken im Umgang mit personenbezogenen Daten und Online-Aktivitäten“. Diese könnten sich bei der Fußball-WM „in konkrete Risiken für europäische Bürgerinnen und Bürger übersetzen“.

Die EDP ist mit zehn Abgeordneten aus mehreren EU-Staaten im Europäischen Parlament vertreten, aus Deutschland gehören die Freien Wähler zu der Gruppe. Sie erwägen nach eigenen Angaben, die nationalen Fußballverbände aufzufordern, einen Rückzug aus dem Turnier in Erwägung zu ziehen, falls keine ausreichenden Sicherheitsgarantien gegeben würden. „Die Weltmeisterschaft muss Menschen durch Sport vereinen – nicht Angst, Unsicherheit oder Diskriminierung schaffen“, sagt Sandro Gozi, Generalsekretär der Europäischen Demokratischen Partei, und verlangt klare Zusagen der US-Regierung.

Auch dieser Aufruf, ähnlich der Initiative britischer Abgeordneter zum Turnier-Ausschluss der USA, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit folgenfrei bleiben.