Mikaela Shiffrin hat den Olympia-Slalom von Cortina d’Ampezzo gewonnen. Danach wurde sie emotional – und äußerte sich auch zur so unglücklich ausgeschiedenen Lena Dürr.
Mikaela Shiffrin feierte ihren Olympiasieg in Cortina d’Ampezzo, dachte danach aber auch an die gescheiterte Kollegin aus Deutschland.
Von Dirk Preiß
Mikaela Shiffrin hat mit ihrem Auftritt im olympischen Slalom-Rennen ihren Status als Ski-Königin untermauert. In souveräner Manier siegte die US-Amerikanerin am Mittwoch in Cortina d’Ampezzo vor der Schweizerin Camille Rast und Anna-Swenn Larsson aus Schweden. Auf der folgenden Pressekonferenz präsentierte sie sich dann sehr emotional – und dachte auch an Lena Dürr.
Die deutsche Skirennläuferin hatte nach dem ersten Lauf hinter Shiffrin auf Platz zwei gelegen. Sie ging also direkt vor der nun dreimaligen Olympiasiegerin in den zweiten Durchgang – und scheiterte bereits am ersten Tor. Anstatt endlich eine olympische Einzelmedaille zu gewinnen, fädelte sie an der ersten Torstange ein und stand erst einmal fassungslos neben dem Kurs.
Mikaela Shiffrin sagte später, sie habe Lena Dürr aus dem Starthaus heraus „dort stehen sehen“. Und obwohl sie auf ihren eigenen zweiten Lauf fokussiert war, spürte sie nach eigener Aussage einen besonderen Wunsch: „Ich sah sie da stehen und wollte sie einfach nur umarmen.“ Und ihr etwas sagen.
Dass sie „alles gegeben“ habe. Dass sie „so hart gearbeitet“ habe. Dass sie „alles dafür getan“ habe, auf Toplevel Skirennen zu bestreiten. Und dann hatte sie noch besonders warme Worte für die langjährige Weggefährtin parat: Lena Dürr „ist meine Lieblingskontrahentin aller Zeiten“. Die beiden kennen sich seit Jahren. Dürr ist 34 Jahre alt und hat im Weltcup 248 Rennen bestritten, Shiffrin ist 30 Jahre alt und stand in 298 Weltcuprennen am Start.
Die US-Amerikanerin konnte sich zwar nicht daran erinnern, dass sie selbst einmal am ersten Tor eingefädelt hat. Aber sie erinnerte sie an ein Rennen von Marlies Schild in Aspen, als der Österreicherin etwas Ähnliches passiert war. Shiffrin bezeichnet Schild, die heute Marlies Raich heißt, stets als ihr Vorbild. Seit damals wisse sie: „Egal, was du vorhast, denke immer an das erste Tor.“
In Bezug auf sich und ihren nun dritten Olympiasieg nach Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 sprach sie wieder einmal über ihren Vater Jeff, der am 2. Februar 2020 überraschend bei einem Unfall ums Leben kam. Dieser Verlust machte ihr all die Jahre schwer zu schaffen. Aber „heute“, sagte sie nach dem Slalomsieg von Cortina d’Ampezzo, „habe ich das erstmals akzeptiert“.