Olympia 2026

Lindsey Vonn besteht den Test – ihr Coach ist sicher: „Der Traum lebt“

Trotz Kreuzbandrisses will Lindsey Vonn am Sonntag um Gold kämpfen. Im Training am Freitag hat sie den wichtigen Belastungstest bestanden. Ihr prominenter Coach ist beeindruckt.

Lindsey Vonn besteht den Test – ihr Coach ist sicher: „Der Traum lebt“

Lindsey Vonn im Abfahrtstraining in Cortina d’Ampezzo.

Von Dirk Preiß

Aksel Lund Svindal hat schon viel erlebt in seinem Leben als Sportler. Unter anderem: einen Kreuzbandriss, den sich der norwegische Olympiasieger einst in Kitzbühel zugezogen hat. Nur wenige Tage danach wieder am Start zu stehen? War für ihn damals undenkbar. Nun aber erlebt er, dass es doch gehen kann.

Svindal ist mittlerweile Trainer von Lindsey Vonn, stand am Freitag im Zielraum der Olympiastrecke von Cortina d’Ampezzo – und erinnerte sich: „Bei mir haben die Ärzte damals gesagt: Das Kreuzband ist dein kleinstes Problem.“ Der Meniskus war hinüber, der Knorpel „weg“. Aber, betonte er nun in Italien: Es gebe bei einer Kreuzbandverletzung eben Unterschiede. Was er noch sagte: „Ich bin sehr zufrieden.“

Denn kurz, bevor der große Norweger sprach, war Lindsey Vonn tatsächlich zum ersten stattfindenden Training für die Olympia-Abfahrt am Sonntag (11.30 Uhr) angetreten. Danach verschwand sie zwar recht schnell aus dem Zielraum und ließ sich mit einem Auto wieder in ihre Quartier in Cortina fahren. Aber die wichtige Erkenntnis war gewonnen: Es geht. „Es war“, sagte Svindal, „ein guter Test.“

Obwohl sich die US-Amerikanerin vor wenigen Tagen in Crans Montana das Kreuzband gerissen hat, wird sie nun sehr sicher am Sonntag am Start stehen – und fast ebenso sicher auch um eine Medaille kämpfen. „Der Traum lebt“, sagte Svindal. Und zeigte sich immer noch beeindruckt von der Willensstärke seines Schützlings.

„Sie war von Anfang an total comitted“, sagte er – und wollte damit ausdrücken, dass Lindsey Vonn nach der Diagnose schnell und klar entschieden hat, es trotz allem zu versuchen. Überrascht hat das die Wenigsten. „Mir war relativ klar, dass sie alles versuchen würde, hier am Start zu stehen“, sagte am Freitag die deutsche Abfahrerin Kira Weidle-Winkelmann.

Am Dienstag stand Vonn erstmals wieder auf Skiern, am Donnerstag fiel das erste Training aus, die 41-Jährige postete derweil Bilder aus dem Fitnessstudio – Hanteln stemmend, Kniebeugen machend, springend. Am Freitag dann der Test auf der Rennstrecke, den sie zwar ohne den letzten Biss anging, aber doch mit dem Wissen, dass hier und jetzt auch ein Traum platzen kann.

Dennoch „war sie sehr ruhig“, wunderte sich Aksel Lund Svindal und meinte, er selbst sei viel nervöser gewesen: „Es war wie an einem Renntag. Aber es war ja auch wichtig.“ Während Lindsey Vonn fuhr, hatte der Coach nicht den Eindruck, als seien da große Schmerzen mit dabei. „Wenn sie nachher kommt, und sagt, das linke Knie fühlte sich schlecht an, würde mich das wundern“, sagte er.

Vielmehr gehen alle, die Vonn am Freitag haben fahren sehen, davon aus, dass sie am Sonntag am Start stehen wird. Gut möglich aber, dass sie das letzte Training am Samstag auslässt. „Aber das“, sagte Aksel Lund Svindal, „entscheiden die Physiotherapeuten.“