Mika Baur am Ball für Deutschland: Ein Traum erfüllt sich für den ehemaligen VfB-Jugendspieler.
Von Marco Seliger
Die Kumpels, so berichtete das der Debütant und Jubilar hinterher, habe er vom Rasen aus leicht entdecken können. Schließlich hatten ihm sein bester Freund aus Kindheitstagen und dessen Bekannter daheim vom Bodensee vor dem Spiel ein Foto von der Tribüne aus geschickt. Und dann war ja noch dieses Trikot, das sich von all den anderen abhob: Die beiden Freunde trugen in München ein Leibchen von Celtic Glasgow – das ist seit Sommer der neue Club des Mannes, der am Donnerstag einen Abend erlebte, den er nicht mehr vergessen wird.
So hat Mika Baur, aufgewachsen in Salem am Bodensee und in der U 13 sowie der U 14 in der Jugend für den VfB Stuttgart am Ball, nicht nur sein erstes Länderspiel absolviert. Nein, der Sohn des Handball-Weltmeisters von 2007, Markus Baur, ist jetzt zufälligerweise auch noch der 1000. Nationalspieler in der Geschichte der DFB-Elf. Das war nach seiner Einwechslung in Minute 77 im Nations-League-Spiel gegen Serbien (2:0) Fakt.
Surreal habe sich das angefühlt, berichtete der 22-Jährige später im Kabinengang strahlend und sagte, er habe das mit dem Jubiläum und dem damit verbundenen Eintrag in die Geschichtsbücher gar nicht gewusst: „Ich hatte keine Ahnung davon. Ich habe es nach dem Spiel erfahren.“
Dabei hatte Baur ja allein schon mit seinem Debüt einen Traum erleben dürfen, der ihm bis vor Kurzem noch wie eine Utopie erschien. „Ich kann es kaum beschreiben“, sagte er zu seinen Emotionen: „Es ist ein Gefühl, das man hat, bei dem man hofft, dass es nicht weggeht.“
Als er in der Kabine nach der Partie den Flugmodus an seinem Handy ausschaltete, habe es nur noch „gesummt“, so viele Nachrichten ploppten auf. Sicherlich auch eine seines Vaters, der in München nicht im Stadion war – aber an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) beim nächsten Nations-League-Spiel in Griechenland auf der Tribüne sitzen wird. Das Premieren-Trikot „kommt zu meinen Eltern und wird eingerahmt“, sagte Mika Baur – der sich nach seiner Einwechslung gegen die Serben gleich furchtlos ins Getümmel im Mittelfeld begeben hatte.
Das hat auch der Bundestrainer Jürgen Klopp genau registriert. Der Coach lobte seinen Debütanten nach dem Spiel fast überschwänglich. Er wisse noch nicht, ob Baur „ein Sechser, ein Achter oder ein Zehner“ ist. Was der Bundestrainer weiß: „Mika ist ein wahnsinnig schlauer Spieler, technisch unglaublich gut, mit einer fantastischen Einstellung. Er hat sich das heute einfach verdient. Fertig.“
Mika Baur hofft nun am Sonntag in Griechenland auf sein zweites Länderspiel – dieses Mal mit dem Papa auf der Tribüne. Ob er jemals Weltmeister wird, wie sein Vater im Handball 2007, weiß keiner. Was für Mika Baur aber schon immer feststand: Er ist froh, dass er eine andere Sportart betreibt als der Handball-Weltmeister. „So werde ich nicht direkt mit ihm verglichen“, sagte der Mittelfeldspieler damals schon zu Jugendzeiten – in denen er nach seiner Zeit beim FC Rot-Weiß Salem und dem FC Radolfzell zum VfB Stuttgart gewechselt ist.
Vater Markus, aktuell Sportdirektor bei Drittligist HG Saarlouis, war Trainer bei Handball-Bundesligist TVB Stuttgart, Mika spielte in der U13 und U14 der Weiß-Roten – die beiden lebten in Stuttgart zusammen in einer Vater-Sohn-WG. Danach ging es für Mika bis 2024 zum SC Freiburg.
Bis 2026 spielte Baur dann beim SC Paderborn, unterbrochen von einer Leihe zu Dynamo Dresden – und stieg mit den Ostwestfalen im Sommer dieses Jahres in die Bundesliga auf. Jetzt spielt Baur beim großen Traditionsclub Celtic Glasgow. Und darf sich fortan Nationalspieler, oder besser: 1000. Nationalspieler nennen.