Mit Boysen auf die Zielgerade der Saison

Im Ort wohnender Trainer mit Zweitliga-Erfahrung übernimmt den auf den Abstieg zusteuernden Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof

Einen Fußballlehrer hatte die SG Sonnenhof Großaspach gesucht, weil der eigentlich als Dauerlösung auserkorene Interimscoach Markus Lang nicht im Besitz der vom DFB geforderten Lizenz ist. Vor der Haustür wurde der Verein fündig: Der seit langer Zeit im Ort lebende, mit den Ferbers familiär verbandelte Hans-Jürgen Boysen übernimmt den auf den Abstieg zusteuernden Drittligisten bis Saisonende. Lang bleibt als Co-Trainer an Bord, bei der A-Jugend löst ihn Ben Blümle ab.

Mit Boysen auf die Zielgerade der Saison

Hans-Jürgen Boysen sprang 2007 schon einmal in Großaspach ein, damals gab’s einen Sieg und drei Niederlagen. Archivfoto: B. Strohmaier

Von Steffen Grün

Er wohnt seit bald zwei Jahrzehnten in Aspach, hat mehrere Zweitliga-Stationen in seiner Vita stehen, kennt das Team aus vielen Besuchen der Heimspiele im Fautenhau und ist mit Katrin Boysen-Ferber aus der namensgebenden Hoteliersfamilie verheiratet – damit war’s eine naheliegende Idee der Verantwortlichen der SG Sonnenhof, bei Hans-Jürgen Boysen nachzufragen, ob er eventuell bereit wäre, in der aktuell so prekären Lage als Trainer einzusteigen. Und tatsächlich sagte der 62-Jährige ja, obwohl er seit der Entlassung beim damaligen Regionalligisten Wormatia Worms im März 2014 bei keinem anderen Klub die Regie übernommen hatte.

Er kenne den Verein und dessen Macher schon lange und „schätze die Entwicklung sowie die geleistete Arbeit sehr“, wird der gebürtige Mannheimer in einer Pressemitteilung zitiert. Deshalb habe er sich dazu entschlossen, dem Drittliga-Vorletzten „in dieser sehr schwierigen Situation zu helfen und ihn nach besten Kräften zu unterstützen“. Eine Entscheidung, die das SG-Vorstandsmitglied Michael Ferber „vor allem als Freundschaftsdienst“ interpretiert. Davon war schon im November 2007 die Rede, als Boysen nach Markus Gisdols plötzlichem Abgang erstmals einsprang und die damals noch in der Oberliga um Punkte kämpfenden Aspacher in den letzten vier Partien vor der Winterpause trainierte. Die damalige Bilanz: ein Sieg gegen Schwieberdingen, drei Niederlagen gegen Heidenheim, Nöttingen und Walldorf.

Nun sind’s 13 Punktspiele, die vor Boysen liegen, und die SG ist zwei Klassen weiter oben beheimatet. Noch, muss man sagen, denn mit zwölf Zählern Rückstand aufs rettende Ufer und einem Torverhältnis, das wohl einen weiteren Zähler ausmacht, braucht es viel Fantasie, um noch an den Drittliga-Verbleib zu glauben. „Es geht nicht darum, über Wunder zu reden“, ordnet der Trainer, dem Michael Ferber „neben seiner Fachkenntnis auch sehr viel Erfahrung“ bescheinigt, die Lage vor dem ersten Einsatz am Samstag (14 Uhr) daheim gegen Halle ein. Viel wichtiger sei „das Bemühen, dass jeder einzelne Spieler sowie das Funktionsteam seine bestmögliche Leistung abruft und die SG wieder als Team überzeugt“. Boysen will die Tugenden wecken, die in den Vorjahren zum Erfolg führten, um dann auch wieder Siege in der Liga und nicht zuletzt im WFV-Pokal einzufahren, in dem die Aspacher wohl am 8. April im Viertelfinale beim Oberligisten VfB Stuttgart II anzutreten haben. „Das sehe ich als meine Aufgabe an und daran werden wir ab sofort hartnäckig arbeiten“, verspricht der Fußballlehrer, der bereits gestern das Training leitete und heute dann offiziell vorgestellt wird.

Wie es vom Verein von Anfang an gedacht war, wird Markus Lang als Boysens Assistent zum Trainerteam gehören. „Wir wollten ihn weiter an Bord haben“, betont Michael Ferber, „das ist uns vorerst bis zum Rundenende zum Glück gelungen.“ Wie es danach weitergeht, „werden wir in den nächsten Wochen besprechen“, erläutert das Vorstandsmitglied, das darüber hinaus auch Gespräche mit den Spielern ankündigt und zu der noch nicht abschließend geklärten Frage, ob es in der Regionalliga oder doch noch in der Dritten Liga weitergeht, festhält: „Wir planen beide Szenarien intensiv durch, aber wir wissen natürlich, wie die Tabelle aussieht.“

Sollte es, wie realistisch zu erwarten, eine Etage runter gehen, dürfte trotz der beiden Niederlagen zuletzt gegen Rostock und in Köln vieles für einen Neuanfang mit Markus Lang sprechen. Im anderen, unwahrscheinlichen Fall würde dem 43-Jährigen aber weiterhin die nötige Lizenz fehlen, weshalb die SG-Verantwortlichen noch etwas auf Zeit spielen müssen. „Sollte uns die Wende doch noch gelingen, würden wir in der Dritten Liga natürlich gerne mit Hans-Jürgen Boysen weitermachen“, sagt Michael Ferber. Doch das ist alles Zukunftsmusik – vorerst geht’s darum, sich wieder so geschlossen zu präsentieren, wie es in Großaspach lange üblich war.

Zur Person
Hans-Jürgen Boysen