Die Wade zwickte, auch der Mann mit dem Eiskoffer konnte nicht mehr helfen. SG-Kapitän Joel Gerezgiher musste früh raus.Foto: J. Hübner
Von Steffen Grün
Steffen Weiß versuchte nach dem Schlusspfiff erst gar nicht, die Situation in irgendeiner Form schönzureden. Es sei schon „eine ziemlich lange Durststrecke“, sagte der SG-Coach, als sein Team auch bei zuletzt ebenfalls stark schwächelnden Frankfurtern als Verlierer den Platz verlassen hatte. Der bislang letzte Dreier datiert vom 12. September, auf eigenem Platz gab es damals ein 3:1 gegen Pirmasens. Die seitherige Bilanz: Nur zwei Punkte aus sieben Spielen.
Der Versuch, in der Main-Metropole die Trendwende zu schaffen, ging in die Hose. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn David Hummel nach einer Viertelstunde etwas mehr Glück gehabt hätte. Sein Schuss wurde von einem Frankfurter abgelenkt und klatschte daher nur an den Außenpfosten. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, sinnierte Weltmeister Andreas Brehme einst, so ähnlich und mit demselben Kraftausdruck bewertete auch Steffen Weiß die aktuelle Lage, in der für die Großaspacher viel zusammenkommt. Unter anderem auch das Verletzungspech, denn in derselben Minute, in der Hummel am Aluminium scheiterte, humpelte Joel Gerezgiher vom Rasen. Der SG-Kapitän, der nach einer Außenbanddehnung im rechten Knie erst zuletzt beim 1:1 gegen den VfB II nach einem Monat sein auf Anhieb 90-minütiges, gutes Comeback gefeiert hatte, „spürte etwas in der Wade und es fühle sich an wie kurz vor einem Muskelfaserriss“, berichtete der Trainer. Eine genaue Diagnose steht weiterhin aus. Sollte der 26-Jährige wieder für längere Zeit ausfallen, wäre das ein schweres Handicap. „Er ist mein Organisator auf dem Platz“, betont Steffen Weiß und verweist auf die insgesamt doch „sehr junge Truppe. Wenn der Kapitän, Denker und Lenker raus muss, haben wir ein handfestes Problem.“
Für die SG geht es schon am Mittwochzu Hause gegen Homburg weiter
Das offenbarte sich im Stadion am Bornheimer Hang auf extreme Weise. Die ersten 15 Minuten seien noch „ganz okay“ gewesen, aber ohne Gerezgiher „haben wir völlig die Struktur verloren“, kritisierte der Trainer, der den Spielführer als alleinigen Sechser in einem 4-1-4-1 aufgeboten hatte. Ein Blick auf die Saisonstatistik zeigt: Mit dem gebürtigen Frankfurter, der beim FSV an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte (wir berichteten), bewerkstelligte die SG ihren starken Start mit 13 Punkten aus sechs Duellen und holte schaffte zuletzt immerhin ein Remis gegen Stuttgarts Bundesliga-Reserve. Ohne ihn begann die Talfahrt und war beim FSV kein Staat mehr zu machen.
Ein Umstand, für den Keeper Maximilian Reule nur teils Verständnis hat. Natürlich habe Gerezgiher nach seiner Auswechslung gefehlt, „aber damit müssen die Jungs klarkommen, das ist im Fußball gang und gäbe“. Er verlange von jedem Einzelnen, dass er „100, 120 Prozent gibt. Wir sind Profis – selbst wenn mich der Trainer im Sturm aufstellt, muss ich damit klarkommen.“ Vielleicht ein wenig überspitzt formuliert, aber auch Steffen Weiß haderte unabhängig von Gerezgihers Aus mit der ersten Halbzeit. Er zählte Defizite wie die fehlende Ruhe am Ball, technische Schnitzer und eine mangelhafte Zweikampfführung auf, vom vorgegebenen Plan habe er „nicht viel gesehen“. Dass es nach 45 Minuten nur ein 1:2-Rückstand war, sei schmeichelhaft gewesen.
Die zweite Halbzeit fand der 33-Jährige „etwas besser, aber wir sind nicht wirklich gefährlich vor dem Tor aufgetaucht“. Zwei Freistöße von Steven Lewerenz gegen Ende waren die (nicht herausgespielten) Ausnahmen, verwertbare Hereingaben vom Flügel und der letzte Pass blieben meist aus. Der Dreifachwechsel in der 56. Minute sei aber nicht seiner Unzufriedenheit zuzuschreiben gewesen, sondern den Gelben Karten von Fabian Messina und Ken Gipson, denen ein Platzverweis drohte. Jonas Brändle löste Jonas Kühn als Linksverteidiger ab, weil sich die zwei laut Weiß ohnehin um den Platz in der Startelf streiten, „da wollten wir noch einmal frischen Wind bringen“. Das klappte nicht wirklich. Die Negativserie der SG Sonnenhof dauert an, nun soll sie am Mittwoch gestoppt werden. Schwierig wird auch das, denn um 19 Uhr wird mit dem FC Homburg der Tabellensechste im Fautenhau erwartet.
FSV Frankfurt: Endres – Reutter (89. Sawaneh), von Schrötter, Gottwalt, Williams – Franjic (89. Burdenski), Azaouagh, Mangafic (82. Lüders), Kelati (89. Karahan) – Hirst (69. Sommer), Güclü.
SG Sonnenhof Großaspach: Reule – Gipson (56. Held), Frölich (76. Sadler), Müller, Kühn (56. Brändle) – Gerezgiher (15. Gehring) – Schiek, Messina (56. Karatas), Tomic, Lewerenz – Hummel.
Tore: 1:0 (40.) Güclü, 2:0 (42.) Gottwalt, 2:1 (44.) Müller. – Gelbe Karten: Williams, Mangafic, Güclü/Gipson, Messina, Müller. – Schiedsrichterin: Michel (Mainz). – Zuschauer: 899.