So kritisch wie in dieser Saison war die Lage für Großaspachs Drittliga-Fußballer nach 17 Spielen noch nie. 15 Zähler sind ebenso ein Negativrekord wie 36 kassierte Tore, auch Drittletzter ist die SG zum ersten Mal. Um die bislang schlechteste Vorrunde zumindest mit Blick auf die Punkte noch zu verhindern, müssten die letzten beiden Partien morgen bei 1860 München (14 Uhr, Grünwalder Stadion) und am 15. Dezember daheim gegen Schlusslicht Jena gewonnen werden.
Blickt kritisch auf gerade einmal 15 Punkte, die Großaspach bislang gesammelt hat: SG-Sportdirektor Joannis Koukoutrigas. Foto: T. Sellmaier
Von Steffen Grün
Für die Aspacher scheint in dieser Runde irgendwie alles zusammenzukommen. Sie verlieren Spiele oder verspielen Siege, obwohl sie gute Leistungen zeigen, weil sie selbst zu viele Torchancen versieben oder weil sie die Rivalen mit Schlampereien zu Treffern einladen – oder weil sie sich im schlimmsten Fall sogar beides auf einmal erlauben. Die SG Sonnenhof kassiert späte Tore und verschenkt damit Punkte, die fast schon auf dem Konto verbucht waren.
Drei besonders ärgerliche Beispiele fallen Joannis Koukoutrigas auf Anhieb ein: Das 2:2 gegen Uerdingen, dasselbe Resultat gegen Bayern München II und die 1:2- Niederlage gegen Magdeburg. Beim Remis gegen das Starensemble aus Krefeld um Kevin Großkreutz, das weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, fingen sich die Hausherren nach dem 2:1 durch Kapitän Julian Leist in der zweiten Minute der Nachspielzeit weitere 180 Sekunden später mit der allerletzten Aktion der Begegnung den Ausgleich. Bei der Punkteteilung gegen die Reserve des Rekordmeisters holte die SG zwar ihrerseits ein 0:2 auf und Panagiotis Vlachodimos erzielte erst in der 85. Minute das 2:2, doch angesichts vieler Torchancen beklagten die Einheimischen trotzdem einen verpassten Sieg. Und dann war da noch diese bittere Pille gegen Magdeburg am vergangenen Samstag, als zumindest ein Punkt schon unter Dach und Fach zu sein schien, bis in der zweiten Minute der Nachspielzeit ein Sonntagsschuss der Gäste zum 1:2 im Kasten einschlug.
Hätten die Schwaben in diesen Partien den verdienten Lohn geerntet, „dann hätten wir immerhin schon 20 Zähler“, rechnet der Sportdirektor vor. „Schiedsrichterentscheidungen haben uns weitere Punkte gekostet“, fügt Joannis Koukoutrigas hinzu und belässt es bei dieser nüchternen Feststellung, obwohl es ihm niemand krummnehmen könnte, wenn ihm die Hutschnur platzen würde – Stichwort „Rafati-Rangliste“: Der ehemalige Bundesliga-Referee Babak Rafati wertet für die Internetplattform liga3-online.de Spieltag für Spieltag strittige Szenen aus. In der Tabelle mit den Fehlentscheidungen zum eigenen Nachteil liegt Aspach mit neun Einträgen an der Spitze, umgekehrt profitierte die SG als einziger Verein der Liga kein einziges Mal von einem Patzer des Unparteiischen.
Verletzungen und Sperren waren ebenfalls treue Begleiter im Laufe dieser Saison, doch der Sportdirektor verschweigt auch die zum Teil sehr enttäuschenden Vorstellungen nicht. „Köln, Halle und Mannheim waren unsere schlechtesten Spiele“, erinnert sich Joannis Koukoutrigas. 0:3-Pleiten in den Heimspielen gegen die Domstädter und die Kurpfälzer sowie das 0:4 in Sachsen-Anhalt waren die Folge. Für Großaspach stehen nach 17 Duellen nur 15 Punkte auf der Habenseite: Sie resultieren aus den Erfolgen in Würzburg (3:0), in Rostock (1:0), gegen Chemnitz (2:0) und in Zwickau (1:0) sowie den Unentschieden gegen Uerdingen (2:2), gegen Bayern München II (2:2) und in Münster (1:1). Es droht die schwächste Drittliga-Vorrunde, denn 20 Zähler waren bislang das Minimum. Es bleiben die Partien in München und zu Hause gegen Jena, um das Punktekonto noch aufzupolstern, der SG-Sportdirektor bezieht zudem das erste Rückrundenspiel in der eigenen Arena gegen Tabellenführer Duisburg am Samstag, 21. Dezember, in seine Rechnung mit ein. „Unsere Wunschvorstellung sind natürlich neun Punkte, aber das wird realistisch betrachtet schwierig“, sagt Koukoutrigas und fährt fort: „Wir müssen also so viele Punkte wie möglich holen. Wären es bis Weihnachten zum Beispiel insgesamt 21 wie in der Vorsaison, dann wäre ich zufrieden.“
Zwei Siege aus drei Spielen sind nötig, den ersten Teil der Ernte will Aspach bei 1860 München einfahren. „Es gibt nichts Schöneres, als dort vor einem vollen Haus zu spielen“, stimmt der SG- Sportchef sein Team auf das Duell mit dem Traditionsverein ein: „Wir sind der Außenseiter, an uns glaubt im Moment kaum ein Außenstehender – vielleicht ist das ein Vorteil.“
Als Drittliga-Neuling erlebt die SG Sonnenhof in der Saison 2014/2015 eine turbulente Hinserie. Nach 11 Punkten aus 15 Partien muss Aufstiegscoach Rüdiger Rehm gehen, für ihn kommt Uwe Rapolder und gewinnt die ersten zwei Duelle. Macht nach 17 Spielen 17 Zähler und Platz 17, auch die dritte Begegnung unter dem Ex-Erstliga-Trainer bringt einen Dreier. Im letzten Vorrundenspiel gibt es mit dem 0:2 in Bielefeld einen Dämpfer, unter dem Strich stehen nach der ersten Saisonhälfte 20 Punkte und Rang 16. Später kehrt Rehm wieder zurück und führt Aspach noch zum souveränen Ligaverbleib.
Ein Spezialfall ist die Saison 2015/2016, in der die SG lange Zeit ganz oben mitmischt und am Ende Siebter wird. Nach 17 Spieltagen hat das Team aus dem Fautenhau schon 30 Punkte gesammelt und ist Zweiter, auf dieser Position beendet es die Hinserie nach dem 2:2 in Wiesbaden und dem 0:0 gegen Spitzenreiter Dresden mit 32 Punkten auch.
In seiner ersten Amtszeit in Großaspach in der Saison 2016/2017 freut sich Trainer Oliver Zapel nach 17 Partien schon über stolze 22 Zähler und den 12. Platz, mit einem 2:1 in Kiel und einem 2:1 daheim gegen Erfurt schraubt die SG ihr Punktekonto in den letzten zwei Vorrundenspielen sogar noch auf 28 in die Höhe. Der Lohn ist Platz sieben, am Rundenende wird Rang zehn notiert.
Auch 2017/2018 lässt es der Sonnenhof in der ersten Saisonhälfte krachen. 28 Punkte bedeuten nach 17 Partien den sechsten Platz. Drei weitere Zähler mit dem 4:1 in Münster reichen, um auf dieser Position auch die Vorrunde zu beenden. In der Rückserie kommen zu den 31 Punkten nur 16 dazu, am Ende belegt die SG den 14. Platz.
Zwei Spiele, zwei Siege – ohne den starken Schlussspurt wäre Großaspach 2018/2019 abgestiegen. Doch selbst in dieser Spielzeit, die mit der bislang größten Zitterpartie in der Drittliga-Historie der SG endet, sind es nach 17 Partien schon 19 Zähler. In den letzten zwei Duellen der Hinserie springt zwar nur noch ein 1:1 gegen Köln heraus, mit 20 Punkten bleibt Aspach aber auf Platz 14.
15 Punkte und der 18. Rang stehen in dieser Saison – 2019/2020 – nach 17 Spieltagen zu Buche. Zwei Partien bleiben, um die Vorrundenbilanz noch so gut es geht aufzupeppen.