Bejubelten mit Großaspach beim 2:1 gegen den VfR Aalen gestern Abend drei eminent wichtige Punkte für den Kampf gegen den Abstieg: Die beiden Torschützen der SG Sonnenhof Can Karatas (links) und David Tomic sowie Angreifer Sascha Mölders. Foto: A. Becher
Von Uwe Flegel
„Entscheidend ist, dass wir die drei Punkte haben“, stellte Großaspachs Trainer Hans-Jürgen Boysen nach dem 2:1 seiner Regionalliga-Fußballer gegen den VfR Aalen fest und ließ sich auch vom riesigen Jubel um ihn herum nicht blenden. Der 64-Jährige war nicht mit allem einverstanden, was sein Team im Abstiegskampf zweier schwäbischer Viertligisten geleistet hatte. Obwohl die SG Sonnenhof nach einem Blitz-Tor von David Tomic und dem 2:0 von Can Karatas (23.) weit über eine Stunde mit zwei Toren vorne lag, war es kein souveräner Erfolg. Statt die Partie vollends zu entscheiden, ließen die Gastgeber die Elf von der Ostalb immer wieder Morgenluft schnuppern. Am Ende reichte es trotzdem zu drei eminent wichtigen Zählern und zum Sprung von Abstiegsplatz 16 über den Strich auf Rang 14.
Entsprechend erleichtert war der SG-Coach dann auch trotz all seiner Kritik. Zumal „ich wusste, dass es ein Abnutzungskampf wird“. Einer, in dem „wir uns das Leben selbst schwer gemacht haben“, wie der Fußballlehrer urteilte und dabei wieder einmal die fehlende Konsequenz im Zweikampf und bei den Kontern bemängelte: „Wir müssen einfach das dritte Tor machen. Aber dann werden Kunstbälle gespielt, anstatt mit klaren Pässen die Angriffe sauber und klar zu Ende zu spielen.“
Stimmt und hatte zur Folge, dass Aalen stets hoffen durfte, die Niederlage doch noch verhindern zu können. Was die SG Sonnenhof allerdings schaffte, das war, bis zur dritten Minute der Nachspielzeit ohne Gegentor zu bleiben. Der Gästetreffer von Steffen Kienle wenige Sekunden vor Schluss kam jedenfalls zu spät, um bei den Hausherren das ganz große Zittern auszulösen. Auch weil die Defensivreihe um den neu in die Startelf gerückten Routinier Kai Gehring eine gute Arbeit verrichtete und fast immer im letzten Moment noch ein Bein oder einen Kopf dazwischen brachte. Zudem stellten sich Aalens Angreifer ihrerseits bei zwei, drei guten Chancen auch nicht besser an als die Offensivabteilung aus Aspach.
Karatas schaltet schnell, flankt und Tomic trifft nach 17 Sekunden zum 1:0
Wobei die allerdings zu Beginn hellwach war, führten die Gastgeber doch schon nach 17 Sekunden mit 1:0. VfR-Torwart Tim Paterok hatte sich kurz nach dem Anpfiff einen Fehlpass geleistet, Aspachs Can Karatas sich das Leder geschnappt, von der rechten Seite geflankt und David Tomic am hinteren Pfosten lauernd zum 1:0 eingeköpft.
So furios ging es aber nicht weiter. Die Gäste schüttelten sich kurz, dann gaben sie Gas und machten Druck. Vor allem weil sie viele Zweikämpfe für sich entschieden, immer wieder die sogenannten zweiten Bälle eroberten. Wie in der sechsten Minute, als Steffen Kienle quer spielte, Benjamin Kindsvater den Ball aber aus zwölf Metern weit übers Gehäuse drosch. Auch in der 21. Minute brachte das Sturmduo der Ostälbler in Bedrängnis. Diesmal war es SG-Schlussmann Maximilian Reule, der den Winkel so geschickt verkürzte, dass Kindsvater von der halblinken Seite an ihm scheiterte.
Großaspachs Angreifer wiederum überzeugten bis dahin mit Effektivität. Denn nur 120 Sekunden später spielte Joel Gerezgiher den flinken Karatas schön frei und der spitzelt die Kugel frei stehend an Paterok vorbei zum 2:0 ins Eck. Das war’s dann bis zur Halbzeit. Aalen mühte sich zwar weiter, doch der ganz große Schwung war nun weg.
Gästetrainer Christian Demirtas reagierte zur Halbzeit, indem er gleich dreimal wechselte und versuchte, in der Offensive mit Manuel Botic, Leon Volz und Sergio Gucciardo für frischen Wind zu sorgen. Das klappte zunächst nicht. Denn nun wirkten die Hausherren souverän. Nach nicht ganz einer Stunde hatte Sascha Mölders gar die Chance, den Vorsprung auszubauen. Von Gerezgiher gut freigespielt schaufelte der Angreifer den Ball jedoch übers Tor. Für Aalen war’s ein kleiner Weckruf. Erst recht, als SG-Verteidiger Sebastian Schiek wenig später eine Flanke nicht richtig wegbekam und der Ball vor die Füße von Botic kullerte. Der zielte aus 13 Metern aber zu hoch.
Nun wurde Aalen wieder munter und Großaspach hatte Schwierigkeiten, die Partie im Griff zu behalten. Die Partie war einfach eng. Auch weil der eingewechselte Steven Lewerenz in der 80. Minute frei stehend den Ball über den Querbalken donnerte. Am Schluss musste die SG gar noch kurz bangen, als Kienle in der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzte. Weil nur einen Aspacher Angriff später aber Schluss war, hatte die SG die nach der Last-Second-Niederlage in Balingen eminent wichtigen trotzdem drei Punkte in der Tasche. Entsprechend groß war der Jubel über den Schritt raus aus dem Abstiegssumpf. Und zumindest damit war Coach Boysen uneingeschränkt zufrieden.
SG Sonnenhof Großaspach: Reule – Schiek, Gehring, Yarbrough (65. Müller), Gipson – Jüllich, Messina – Karatas (62. Brändle), Gerezgiher (76. Diakite), Tomic – Mölders (76. Lewerenz).
VfR Aalen: Paterok – Schmidt (46. Volz), Windmüller, Odabas – Knipfer, Abruscia, Elfadli (82. Bux), Heckmann (71. Arh Cesen) – Müller (46. Botic) – Kienle, Kindsvater (46. Gucciardo).
Tore: 1:0 (1.) Tomic, 2:0 (23.) Karatas, 2:1 (90.+3) Kienle. – Gelbe Karten: Gipson / Botic. – Schiedsrichter: Berger (Herleshausen). – Zuschauer: 650.