Die Entscheidung im Kampf um den alpinen Gesamtweltcup fällt erst im letzten Rennen der Saison. Nach Mikaela Shiffrins Machtdemonstration im Slalom hat Emma Aicher aber kaum noch Chancen.
Faire Rivalinnen: Emma Aicher (l) und Mikaela Shiffrin.
Von Christoph Lother, dpa
Hafjell - Emma Aicher und Mikaela Shiffrin umarmten sich herzlich. Die Entscheidung im Kampf um den Gesamtweltcup fällt erst im letzten Rennen dieser dramatischen Ski-Saison. Die Chancen der jungen Deutschen sind vor dem abschließenden Riesenslalom am Mittwoch zwar auf ein Minimum gesunken, als Verliererin musste sich Aicher trotzdem nicht fühlen. Sie sei mit ihrer Vorstellung "ganz zufrieden", meinte die 22-Jährige.
Aicher fuhr beim überlegenen Sieg von Shiffrin im Slalom von Hafjell auf Rang drei und geht nun mit 85 Zählern Rückstand auf den US-Superstar in den letzten Wettbewerb des Winters. Die Rechnung ist einfach: Nur wenn sie gewinnt und Shiffrin nicht punktet, kann Aicher das Blatt noch wenden.
Furiose Aufholjagd seit Olympia
Da sie es im Riesenslalom in ihrer Karriere noch nie auf das Podest geschafft hat, sind die Aussichten eher mau. Den schillernden Gesamteindruck, den Aicher in dieser Saison hinterlassen hat, soll das aber nicht trüben.
Zwei Silbermedaillen bei Olympia, drei Weltcup-Siege: Aicher hat sich diesen Winter vom kleinen Ski-Juwel zum großen deutschen Alpin-Star gemausert. Dass sie den Rückstand auf Shiffrin im Gesamtweltcup seit den Spielen in Italien im Februar überhaupt noch mal so verkürzen konnte, kann man der Tochter eines Deutschen und einer Schwedin kaum hoch genug anrechnen.
Nur Rast einmal schneller als Shiffrin
Shiffrin spürte den Atem ihrer Verfolgerin, bewies in ihrer Paradedisziplin nun aber wieder Nervenstärke. Die Amerikanerin siegte in Norwegen mit 1,32 Sekunden Vorsprung vor der Schweizerin Wendy Holdener. Aicher lag 1,36 Sekunden zurück, ihre Teamkollegin Lena Dürr als 17. sogar 3,74 Sekunden.
Für Shiffrin war es der 110. Weltcup-Sieg ihrer Karriere - und der neunte im zehnten Slalom dieser Saison. Dazu holte sie Olympia-Gold in Cortina d'Ampezzo. Einzig von der Schweizer Weltmeisterin Camille Rast wurde sie Anfang Januar im slowenischen Kranjska Gora in einem Torlauf geschlagen.
Die neunte Kristallkugel in ihrer Paradedisziplin hatte Shiffrin schon seit Wochen sicher. Gelingt Aicher im Riesentorlauf am Mittwoch kein Ski-Wunder, gewinnt die 31-jährige Shiffrin auch zum sechsten Mal den Gesamtweltcup. Sie würde dadurch mit der österreichischen Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll gleichziehen, die in den 1970er Jahren für Furore gesorgt hatte.
Aicher will beim Showdown "Spaß haben"
Mit 45 Punkten Rückstand war Aicher in den finalen Slalom des Winters gegangen. Etwas "träge" habe sich der erste Lauf angefühlt, meinte sie. Auf der weichen Piste habe sie sich "schwergetan". Im zweiten Durchgang kam sie besser zurecht und verdrängte Paula Moltzan (USA) noch vom Podest.
Shiffrin war im Torlauf, in dem sie neben ihren zwei Olympia- auch schon vier WM-Goldmedaillen gewonnen hat, aber wieder einmal eine Klasse für sich. Sie habe von Anfang an ein "super Gefühl auf dem Ski gehabt", erklärte die Ausnahmeathletin aus dem US-Bundesstaat Colorado.
Sicher fühle sie sich mit Blick auf die große Kristallkugel aber noch nicht, so Shiffrin. Es sei ihr eine Ehre, gegen so eine starke Allrounderin zu fahren. Ob Aicher noch mal zurückschlägt? "Ich bin zufrieden, egal, wie es endet", sagte sie vor dem Showdown dem ORF. "Ich kann Skifahren und Spaß haben."
Konnte US-Star Shiffrin im Slalom nicht schlagen: das deutsche Ski-Juwel Emma Aicher.
Gewann in dieser Saison neun von zehn Slalom-Weltcups: Mikaela Shiffrin.