Carlos Alcaraz hat jetzt alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen. Und das in einem Alter, in dem das vor ihm noch keiner geschafft hat.
Alcaraz (rechts) setzte sich im Finale von Melbourne gegen Novak Djokovic durch.
Von dpa
Der Weltranglisten-Erste Carlos Alcaraz hat im Duell der Tennis-Generationen erstmals den Titel bei den Australian Open gewonnen und damit als jüngster Spieler der Geschichte bei allen vier Grand-Slam-Turnieren triumphiert. Der 22 Jahre alte Spanier setzte sich in Melbourne im Endspiel gegen den 38 Jahre alten Novak Djokovic mit 2:6, 6:2, 6:3, 7:5 durch.
Für Djokovic war es im elften Finale bei seinem Lieblings-Grand-Slam die erste Niederlage. Der Serbe muss damit weiter auf seinen 25. Grand-Slam-Titel warten. Er hätte im Falle des Sieges einen Titel mehr als die Australierin Margaret Court gehabt, mit der er sich den Rekord für die meisten Erfolge bei den vier wichtigsten Tennis-Turnieren teilt.
Matchball nach etwas mehr als 3 Stunden
Alcaraz verwandelte im mit großer Spannung erwarteten Finale nach 3:02 Stunden seinen ersten Matchball. Für die Nummer eins der Welt ist es der siebte Grand-Slam-Titel insgesamt. Damit bleibt die Dominanz von Alcaraz und Jannik Sinner bestehen. Einer von beiden hat die nunmehr letzten neun Grand-Slam-Turniere gewonnen. Der letzte Grand-Slam-Sieger, der nicht Alcaraz oder Sinner hieß, war Djokovic 2023 bei den US Open.
Djokovic erwischte im Finale den deutlich bessern Start. Der Serbe wusste, wie wichtig der erste Satz für ihn nach den Strapazen im Halbfinale sein würde. Djokovic hatte auf dem Weg in sein elftes Melbourne-Finale Titelverteidiger Sinner in fünf Sätzen bezwungen und dabei mehr als vier Stunden auf dem Platz gestanden.
Zwar hatte Alcaraz im Tennis-Drama gegen Alexander Zverev sogar 5:27 Stunden in der Rod Laver Arena verbracht, der 22 Jahre alte Spanier gilt aber als einer der fittesten Spieler auf der Tour - und ist 16 Jahre jünger als Djokovic.
Der 38-Jährige hatte seinen Fokus in der Vorbereitung auf sein 38. Endspiel bei einem der vier Grand-Slam-Turniere deshalb voll auf Regeneration gerichtet und am Tag vor dem Finale auf ein Training verzichtet. Und zu Beginn wirkte Djokovic im am Sonntag deutlich kühleren Melbourne frisch und hochkonzentriert. Zum 3:1 nahm er Alcaraz den Aufschlag ab und holte sich nach nur 33 Minuten den ersten Satz.
Spanier kommt mühsam in Schwung
Der Spanier kam dagegen nur mühsam in Schwung und leistete sich bereits im ersten Satz neun ungezwungene Fehler - ungewöhnlich für die Nummer eins der Welt, die im Halbfinale gegen Zverev von heftigen Krämpfen geplagt worden war. Alcaraz hatte zudem von Adduktorenproblemen gesprochen. Und in der Tat wirkte er gegen Djokovic zunächst nicht so dynamisch und druckvoll wie gewohnt.
Doch zu Beginn des zweiten Satzes kämpfte sich der Weltranglisten-Erste in die Partie. Djokovic ließ nun ein paar Prozent nach und Alcaraz war sofort zur Stelle. Zum 2:1 gelang ihm endlich das erste Break, die spanischen Fans unter den Zuschauern jubelten und pushten ihren Landsmann nach vorne. Nach 69 Minuten schaffte Alcaraz den Satzausgleich. Das mit hohen Erwartungen aufgeladene Endspiel war nicht immer hochklassig, aber stets spannend.
Allerdings merkte man Djokovic jetzt deutlich an, dass die Kräfte schwanden. Während Alcaraz nun volle Fahrt aufnahm und sich deutlich besser bewegte, stand der Serbe immer öfter nicht optimal zum Ball und leistete sich mehr Fehler als noch zu Beginn. Alcaraz nutzte das und holte sich mit dem fünften Satzball den dritten Durchgang.
Jetzt sprach alles für den Weltranglisten-Ersten. Doch Djokovic stemmte sich noch einmal mit all seiner Routine gegen die Niederlage. Der Serbe wehrte sechs Breakbälle von Alcaraz ab und hatte beim Stand von 4:4 plötzlich selbst die Chancen zum Break. Doch Alcaraz behielt die Nerven und schrieb Tennis-Geschichte.