Es war die große Chance für Simon Zachenhuber – aber er hat sie nicht nutzen können. Der Boxer hat den ersten Kampf seiner Profikarriere verloren. Aber: Er hat die Chance zur Revanche.
Simon Zachenhuber hat in London gegen Pawel August nach Punkten verloren.
Von Dirk Preiß
Erst reckte er den linken Arm nach oben – und war sicher, dass der Ringrichter gleich seinen rechten heben würde. Und ihn damit zum Sieger erklären würde. Es wäre der 29. Erfolg im 29. Kampf gewesen für den bayerischen Boxer, der in Stuttgart lebt und trainiert. Und das auf der größten Bühne, die Simon Zachenhuber sportlich je betreten hat. Aber als das Urteil dann gefällt war, sah es ganz anders aus.
Simon Zachenhuber streckte nun beide Arme zur Seite und schaute fragend um sich. Fast schon fassungslos. Denn statt den Sieg bejubeln zu können, musste er zusehen, wie sein Kontrahent Pawel August feierte – und seine erste Niederlage als Profiboxer überhaupt verdauen. 56:58 hieß es am Ende.
„Auch wenn es sich im Ring anders angefühlt hat und ich das Gefühl hatte, dass es im schlimmsten Fall ein Unentschieden war, akzeptiere ich die Niederlage und gratuliere meinem Gegner“, schrieb der 27-Jährige wenig später auf Instagram. Der Pole Pawel August bot im Siegestaumel gleich einen Rückkampf an, „gerne auch über zwölf Runden“.
Der Kampf im riesigen Stadion des Fußballclubs Tottenham Hotspur in London war nur auf sechs Runden angesetzt gewesen. Und Pawel August auch nur der Ersatzmann. Eigentlich hätte Simon Zachenhuber gegen den Briten Troy Williamson boxen sollen, der dann aber kurzfristig passen musste. Der in Polen geborene Brite schien die deutlich kleinere Herausforderung zu sein. Würde für Zachenhuber nun aber zum Stolperstein.
Zachenhuber kommt zu spät in Fahrt
Der Supermittelgewichtler fand zunächst nicht so richtig in den Kampf, August dagegen hatte mit seiner Taktik Erfolg. Er drängte mit dem Kopf voraus seinen deutschen Widersacher immer wieder in die Seile und verstrickte ihn da in eine Art des Kampfes, in der Zachenhuber seine Qualitäten nicht ausspielen konnte. Erst später im Kampf wurde dieser besser und landete dann auch mehr Treffer. Womöglich hätte er den Fight bei ein, zwei Runden mehr noch für sich entschieden.
„Zum Ende hatte ich das Gefühl, immer besser in den Kampf zu finden – und dass nicht mehr viel gefehlt hat, um den Kampf zu beenden“, schrieb Simon Zachenhuber, der betonte: „Trotzdem bin ich dankbar für diese Erfahrung. Vor dieser Kulisse, auf so einer großen Bühne zu kämpfen, bedeutet mir viel.“
Der Kampf fand im Rahmen des großen Auftritts von Tyson Fury in London statt. Möglich war das, weil Simon Zachenhuber seit kurzem unter den Fittichen von Top-Promoter Spencer Brown ist. Umso bitterer ist es, dass er diese große Chance, sich in Richtung eines WM-Kampfes hochzuarbeiten, nicht nutzen konnte. Die Kulisse war dabei zwar riesig, das Stadion zum Zeitpunkt von Zachenhubers Auftritt aber noch so gut wie leer.
Wie es nach der ersten Niederlage der Profikarriere weitergeht für den 27-Jährigen, ist offen. Erst einmal wolle er „kurz abschalten“ und „alles verarbeiten“, schrieb Simon Zachenhuber und betonte: „Niederlagen gehören dazu. Sie definieren dich nicht – sie formen dich.“ Daher sei sein Ziel klar: „Stärker zurückkommen.“ Sein Kontrahent vom Samstagabend, bestätigte er, „hat dem Re-Match bereits zugestimmt.“ Dann soll es „über die volle Distanz“ gehen.