Samsonidse und Machaev standen sich im Titelkampf in Stuttgart gegenüber.
Von Kai Winderl
Stuttgart wurde am Samstagabend zum Zentrum des europäischen MMA. Vor rund 13.000 Fans bot Oktagon 83 hochklassige Kämpfe und sensationelle Knock Outs – und aus deutscher Sicht ein Wechselbad der Gefühle. Während der Traum vom ersten deutschen Oktagon-Champion platzte, setzte eine Kämpferin ein dickes Ausrufezeichen: Alina Dalaslan bestätigte ihren Status als große Hoffnung des deutschen Frauen-MMA.
Titelkampf endet bitter für Samsonidse
Im Hauptkampf des Abends ging es um den vakanten Federgewichtstitel. Mit Niko Samsonidse stand ein Berliner mit georgischen Wurzeln kurz davor, Geschichte zu schreiben und als erster Deutscher den Gürtel bei Oktagon zu holen. Ihm gegenüber: der Österreicher Mago Machaev, bekannt für sein kompromissloses Ringen und explosive Power.
Samsonidse startete stark. Mit seiner Reichweite und sauberem Striking setzte er früh Akzente, traf gleich zu Beginn mit einem präzisen Jab und schickte Machaev kurzzeitig zu Boden. Doch der Österreicher zeigte sofort Nehmerqualitäten, kam zurück und übernahm zunehmend die Initiative. Nach etwa einer Minute überbrückte Machaev die Distanz perfekt, traf Samsonidse mit einem wuchtigen linken Haken und brachte ihn zu Boden. Mit konsequentem Ground-and-Pound machte er kurzen Prozess – der Kampf war beendet. Damit krönte sich Machaev zum ersten Oktagon-Champion aus Österreich.
Dalaslan marschiert weiter Richtung Spitze
Für Alina Dalaslan wurde der Abend zu einer weiteren Demonstration ihrer Klasse. Die Stuttgarterin, im Oktagon als „Iron Fist“ bekannt, traf auf die Polin Karolina Sobek, die vor allem für ihre Stärken im Bodenkampf gefürchtet ist. Genau dort wollte Dalaslan bislang noch niemand wirklich testen.
Doch die 25-Jährige ließ keinen Zweifel aufkommen. In der ersten Runde vereitelte sie konsequent alle Takedown-Versuche und dominierte im Stand mit harten Treffern zum Körper und Kopf. Sobek hielt stand, musste aber viel einstecken. Runde zwei verlief kontrollierter, Dalaslan nahm etwas Tempo raus, blieb aber klar die aktivere und gefährlichere Kämpferin. In der dritten Runde fiel schließlich die Entscheidung: Nach einem energischen Vorstoß landete der entscheidende Schlag, Sobek ging zu Boden, Dalaslan setzte nach – K.o.-Sieg. Im fünften Profikampf feierte sie ihren fünften Erfolg und unterstrich eindrucksvoll ihre Ambitionen auf die Spitze des europäischen MMA.
Kurt holt ersten deutschen Sieg des Abends
Den Auftakt für die deutschen Erfolge machte Harun Kurt aus Krefeld. Im Bantamgewicht traf er auf den Briten Nathan Haywood. Beide Kämpfer sind für spektakuläre Kicks bekannt, entsprechend vorsichtig begann das Duell. Kurt setzte früh Akzente mit Lowkicks und wechselte clever ins Ringen, wo er zunehmend die Kontrolle übernahm.
In der zweiten Runde wurde es hitziger: Nach einer starken Kombination versuchte Haywood, den Kampf auf den Boden zu verlagern und setzte sogar einen Würgegriff an. Kurt verteidigte souverän, befreite sich und übernahm danach klar das Kommando. Spätestens in Runde drei diktierte der Deutshtürke das Geschehen mit seinem vielseitigen Kickspiel. Haywood zeigte zwar enorme Zähigkeit, konnte die Niederlage aber nicht verhindern. Der Punktsieg ging verdient an Kurt.
Halimson feiert Premierensieg bei Oktagon
Für Show sorgte Ahmad Halimson bereits vor dem Kampf: Unter dem Jubel der Fans ließ sich der Berliner auf dem Weg zum Käfig noch den Bart trimmen. Sportlich lieferte der „Lightweight Gorilla“ anschließend ebenfalls ab. Gegen den Tschechen Jan Malach machte Halimson von Beginn an Druck, arbeitete am Käfig und setzte harte Körpertreffer.
Mehrfach brachte er seinen Gegner zu Boden, suchte nach Submissions und kontrollierte den Kampf über alle drei Runden. Malach fand kaum Mittel, sich zu befreien oder eigene Akzente zu setzen. Am Ende stand ein klarer Punktsieg – und der erste Erfolg für Halimson bei Oktagon.
Lehner unterliegt erfahrener Pudilová
Katharina Lehner wollte nach ihrer Niederlage gegen Dalaslan zurück in die Erfolgsspur, hatte mit Lucie Pudilová jedoch eine äußerst routinierte Gegnerin vor sich. Die Deutsche suchte den Vorwärtsgang und setzte auf Kombinationen im Stand, doch die Tschechin bewegte sich clever, konterte präzise und entschied jede Runde mit wichtigen Treffern und wiederholten Takedowns für sich. Nach drei Runden ging der Sieg verdient an Pudilová.
Kostümierter Manning schockt Stuttgart
Ein emotionaler Moment folgte im Mittelgewicht. Lokalmatador Daniel Schwindt wurde frenetisch gefeiert, während sein Gegner Brian Manning mit einem skurrilen Auftritt für Aufsehen sorgte: verkleidet als Jigsaw aus der „Saw“-Filmreihe fuhr der Ire auf einem Dreirad zum Käfig.
Im Kampf wirkte Schwindt zunächst aktiver, brachte Manning sogar zu Boden. Doch kurz vor Ende der ersten Runde nutzte der Ire eine Unachtsamkeit eiskalt aus. Ein sauberer Treffer traf Schwindt, der zu Boden ging – Knockout. Die Halle verstummte.
Topallaj setzt sich taktisch durch
Arijan Topallaj aus Balingen bekam es mit dem zähen Mexikaner Marco Elpidio zu tun. Mit kluger Distanzarbeit, Kicks und schnellen Vorstößen hielt Topallaj seinen Gegner über weite Strecken auf Abstand. Elpidio steckte viel weg und blieb gefährlich, konnte das Blatt aber nicht wenden. Trotz eines starken Finishs des Mexikaners in Runde drei rettete Topallaj den Punktsieg über die Zeit.
Poppeck glänzt als Ersatzmann
Kurzfristig eingesprungen, lieferte Alexander Poppeck eine beeindruckende Vorstellung. Gegen Samuel Chavarria dominierte der „Wikinger“ von Beginn an, setzte den Honduraner unter Druck, brachte ihn zu Boden und beendete den Kampf schließlich mit einer Submission. Die Fans feierten Poppeck lautstark.
Verletzungspech und emotionaler Abschied
Ein bitteres Ende nahm der Kampf zwischen Jorick Montagnac und Emilio Quissua. Montagnac verletzte sich früh und musste nach rund einer Minute aufgeben. Quissua erhielt den Sieg durch technischen Knockout, zeigte sich aber sichtlich enttäuscht über den Ausgang.
Zum Abschluss sorgte Schwergewicht Lazar Todev für ein Statement. Der Deutsch-Bulgare dominierte den UFC-Veteranen Josh Parisian zwei Runden lang nach Belieben, brachte ihn zu Boden und zwang den Ringrichter schließlich zum Abbruch. Parisian beendete danach offiziell seine Karriere und verabschiedete sich emotional vom Profisport.