Ganz schweren Zeiten gehen die Fußballer der SG Sonnenhof Großaspach in der Dritten Liga entgegen. Sie kassierten gestern im Kellerduell gegen das Schlusslicht FC Carl Zeiss Jena eine 1:2-Heimniederlage. Dementsprechend groß ist die Enttäuschung bei den Schwaben. „Wir stecken in einer Krise“, macht Trainer Oliver Zapel klar.
Kapitän Julian Leist (rotes Trikot) hat sich beim Heimspiel gegen Jena immer wieder in den Großaspacher Angriff eingeschaltet. Foto: A. Becher
Von Heiko Schmidt
Die Ursachen für die Heimpleite der Großaspacher waren deutlich zu sehen: In der ersten Halbzeit ließ der Dorfklub mehr oder weniger fast alles vermissen, um ein Fußballspiel für sich zu entscheiden. „Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen und agierten von Minute zu Minute passiver“, bringt es Trainer Oliver Zapel auf den Punkt. Dabei hatten er und seine Spieler sich für das Kellerduell so viel vorgenommen. Dazu sollten auch drei Veränderungen in der Startelf gegenüber dem 1:1-Unentschieden beim TSV 1860 München beitragen.
Im Angriff erhielt der spielende Co-Trainer Timo Röttger den Vorzug vor Kai Brünker, der zunächst auf der Bank Platz nahm. Im Mittelfeld rückte Eric Hottmann für den angeschlagenen Marco Hingerl in die Startelf. Für den gesperrten Jonas Behounek erhielt Charmaine Häusel seine Chance von Beginn an. Er spielte aber nicht als linker Außenverteidiger, sondern im defensiven Mittelfeld. Zapel baute nämlich seine 4:4:2-Formation etwas um. Sebastian Bösel begann als rechter Außenverteidiger. Dafür wechselte Ken Gipson auf die linke Abwehrseite. Doch alle Veränderungen brachten nicht den gewünschten Erfolg.
Im Gegenteil, denn nach ausgeglichenen ersten fünf Minuten waren es die Gäste aus Jena, die sich bissiger in den Zweikämpfen präsentierten und auch zielstrebiger nach vorne spielten. Und dies brachte dem Schlusslicht eine verdiente 2:0-Führung zur Pause. Zwar besaßen die Großaspacher im ersten Durchgang durchaus ihre Torchancen, um das Ergebnis freundlicher zu gestalten, doch diese wurden oft kläglich vergeben. Auf der Gegenseite stand die Aspacher Defensive ein ums andere Mal vor kniffligen Situationen. Besonders auf der linken Abwehrseite kam Jena immer wieder durch und strahlte somit viel Gefahr aus. „Wir haben uns von Jena den Schneid abkaufen lassen. Es war unerklärlich, was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben“, sagte Kapitän Julian Leist völlig konsterniert. Ebenso deutlich drückte es auch Coach Zapel aus: „Es ist enttäuschend, wenn ich mir in der Halbzeitpause die Seele aus dem Leib schreien muss.“ Die Ansprache des SG-Trainers fruchtete jedoch, denn im zweiten Durchgang präsentierte sich die Mannschaft aus dem Fautenhau etwas besser. Es war zu spüren, dass ein Ruck durch das SG-Team ging. Zudem kam mit Kai Brünker etwas mehr Schwung in die Offensive der Großaspacher.
Die Gastgeber rannten immer wieder gegen die gut gestaffelte Abwehr der Gäste an. Dabei war kaum ein Durchkommen. Hinzu kam auch, dass die Pässe der Großaspacher nach vorne oft zu ungenau und teilweise zu einfallslos waren. Das hatte auch damit zu tun, dass Jena auch im zweiten Durchgang früh attackierte und somit einen geordneten Spielaufbau der SG kaum zuließ. Nur einmal waren die Gäste nicht auf dem Posten, als Großaspachs Kapitän Julian Leist mit gutem Beispiel voranging und in der 76. Minute auf 1:2 verkürzte. Danach warfen die Hausherren alles nach vorne, auch Keeper Maximilian Reule schaltete sich zum Ende mit in die Offensive ein. Möglichkeiten zum Ausgleichstreffer waren bis hinein in die Nachspielzeit vorhanden, die aber ausgelassen wurden. Jena wirkte cleverer und willensstärker als die Gastgeber. Somit musste der Sonnenhof eine 1:2-Heimniederlage hinnehmen. „Jena hat es gut verteidigt und verdient gewonnen“, lautete das Fazit von SG-Kapitän Leist. Sein Trainer fand deutlichere Worte. „Wir kommen nicht mit Popowackeln über die Runden. Meine Enttäuschung über die erste Halbzeit ist immens groß“, erklärte Zapel. Er schob nach: „Unser Hauptmanko war, dass wir die Zweikampfsituationen nicht angenommen haben.“
Für Kapitän Leist ist klar: Der SG-Kapitän sagt: „Der Druck auf uns nimmt nun zu. Jeder muss sich an seine eigene Nase fassen.“ Damit hat er recht, denn die Großaspacher befinden sich nach dem Abschluss der Vorrunde auf dem 19. und somit vorletzten Rang wieder. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt schon fünf Punkte. Zudem zeigt die Formkurve der SG momentan nach unten, denn aus den vergangenen fünf Drittliga-Partien wurde lediglich ein Zähler geholt. Trainer Zapel will deshalb seine Spieler wachrütteln und kündigte an: „Es besteht nun erheblicher Redebedarf.“ Schon gestern versprach er, dass es bei der letzten Begegnung im Jahr 2019 – am kommenden Samstag um 14 Uhr geht es im Fautenhau gegen den Spitzenreiter MSV Duisburg – mit Sicherheit einige personelle Veränderungen in der Startformation der SG geben wird.
Ganz anders sieht die Gemütslage beim gestrigen Gegner aus Jena aus. „Das ist eine ganz große Geschichte, dass wir in Großaspach gewonnen haben. Somit bleibt es hinten eng“, sagte Gäste-Trainer Rico Schmitt hocherfreut. Er bemängelte nur, dass seine Spieler nicht das dritte Tor nachgelegt haben. Zwar steht der FC Carl Zeiss noch immer am Tabellenende, der Rückstand auf Großaspach schmolz aber auf vier Punkte zusammen. Mit sechs Zählern aus den vergangenen drei Partien zeigt die Formkurve von Jena aber nach oben.