Deutschland–Griechenland

Volker Finke spottet über Jürgen Klopp

Der neue Bundestrainer fordert „positiven Patriotismus“ für ganz Deutschland, Spiele gewinnt er nicht. Auch am Auswahlverfahren gibt es Kritik.

Volker Finke spottet über Jürgen Klopp

Theatralischer Jürgen Klopp beim 0:1 gegen Griechenland.

Von Michael Maier

Ist ein Bundestrainer für Patriotismus und Politik zuständig? Und die „Bild“ für Trainer-Berufungen? Nein, meint die Freiburger Trainerlegende Volker Finke zumindest zum zweiten Punkt und äußert sich kritisch zu Jürgen Klopp, der mit Baseball-Mütze in Schwarz-Rot-Gold und der Aufschrift „Einer von 83 Millionen“ sein Amt angetreten hatte – und das bunte Käppi im Pressesaal sogar an die anwesenden Journalisten verteilen ließ. Der 59‑jährige Fußballlehrer mit Auslandswohnsitz in Santa Ponsa auf Mallorca gebärdete sich in den Augen mancher Beobachter fast wie ein Popstar mit Give-Aways für seine Groupies.

Deutschland-Griechenland 0:1

Länderspiele werden unter Klopp jedenfalls noch nicht gewonnen, und Finkes Kritik nach dem 0:1 gegen Griechenland ist überdeutlich: Der DFB habe bei der Suche nach einem Nachfolger für Julian Nagelsmann offenbar keine ernsthafte Auswahl zwischen mehreren Kandidaten getroffen. Statt drei oder vier mögliche Trainer eingehend zu prüfen, habe es seiner Darstellung nach „nur eine Richtung, ohne jede andere Überlegung“ gegeben.

Besonders scharf fällt sein Vorwurf aus, bestimmte Personen hätten gemeinsam mit der „Bild“-Zeitung die Entscheidung für Klopp praktisch vorweggenommen. Damit richtet sich Finkes Kritik nicht unbedingt gegen Klopp als Person, sondern gegen die Art und Weise, wie dessen Berufung zustande gekommen sein soll.

Volker Finke: Guardiola wäre der bessere Klopp

Nach Angaben des Berichts meldete sich Finke sogar selbst beim DFB, um einen anderen prominenten Kandidaten vorzuschlagen: Pep Guardiola. Der ehemalige Trainer von Manchester City wäre aus Finkes Sicht offenbar eine interessante Alternative für den Neuaufbau der Nationalmannschaft gewesen. Sein Vorstoß blieb jedoch ohne Erfolg. Die Entscheidung für Klopp war zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits weitgehend festgelegt.

Nach dem deutschen Ausscheiden gegen Paraguay bei der Weltmeisterschaft 2026 hatte Julian Nagelsmann am 4. Juli seinen Rücktritt erklärt – gegen eine millionenschwere Abfindung. Am 24. Juli wurde Klopp anschließend als neuer Bundestrainer vorgestellt.

„Bild“ propagierte Jürgen Klopp

Klopp hatte seine Bereitschaft für die Aufgabe zuvor bereits öffentlich signalisiert. Bei MagentaTV sagte er: „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt. Also ich bin bereit.“ Die Berufung erfolgte nach einem vierstündigen Treffen in New York, an dem Klopp, sein Berater Marc Kosicke, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke teilnahmen. Nach Angaben der offenbar direkt informierten „Bild“ dauerte das Treffen „4 Stunden und 14 Minuten“.

Finkes Einwände scheinen sich vor allem auf den Auswahlprozess zu beziehen. Klopp selbst erkennt der frühere SC-Freiburg-Trainer durchaus an. Er wünsche dem neuen Bundestrainer Erfolg und respektiere dessen sportliche Leistungen bei Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool.

Finke war von 1991 bis 2007 Trainer des SC Freiburg und damit 16 Jahre lang im Amt. Er führte den Verein zweimal zur Meisterschaft in der 2. Bundesliga und etablierte Freiburg zeitweise erfolgreich in der Bundesliga. Später trainierte er unter anderem die Urawa Red Diamonds, den 1. FC Köln und die Nationalmannschaft Kameruns.

Klopp mit Kimmich und ohne Undav

Seit der Amtsübernahme im Sommer hat Klopp bereits deutlich gemacht, dass er die Nationalmannschaft nach seinen Vorstellungen führen will. Laut ESPN holte er mit Marc Kosicke, Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender mehrere Vertraute in sein Umfeld. Außerdem soll Klopp auf ein 4-3-3-System setzen und Joshua Kimmich wieder im Mittelfeld einsetzen. Stürmer Deniz Undav vom VfB Stuttgart wurde dagegen zunächst noch nicht einmal in den erweiterten Kader aufgenommen.

Gegenüber den Medien formulierte Klopp klare Grenzen. Er erklärte, Kritik an seiner Arbeit sei akzeptabel, forderte jedoch Schutz für seine Familie. Die Amtszeit beim DFB bezeichnete er als möglichen Höhepunkt seiner Trainerkarriere. Man darf gespannt sein, ob das auch für die „Bild“ gilt oder ob Klopp bald wieder Deutschland-Käppis verteilen lässt und sich mit pathetischen Worten an die Nation wendet – wenn er denn mal ein Spiel gewinnt.

Volker Finke spottet über Jürgen Klopp

TV-Kommentator Volker Finke kritisiert den mutmaßlichen Einfluss der „Bild“.