Von der Last der Verantwortung befreit

Seit Werner Benignus nicht mehr an der Spitze der SG Sonnenhof Großaspach steht, bleibt viel mehr Zeit für die Familie sowie für regelmäßige Wanderungen und Mountainbiketouren. Am morgigen Sonntag feiert der Ehrenpräsident des Fußball-Regionalligisten seinen 70. Geburtstag.

Von der Last der Verantwortung befreit

Ehrenpräsident Werner Benignus hofft, bei den künftigen Spielen der SG Sonnenhof möglichst oft Grund zur Freude zu haben. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Zu Beginn des Gespräches wenige Tage vor dem runden Wiegenfest äußert Werner Benignus eine Bitte. Vielleicht sei es möglich, für den Artikel „ein Foto mit einem freudestrahlenden Lächeln“ auszuwählen, „denn das entspricht meinem derzeitigen Gemütszustand“. Die vergangenen eineinhalb Jahre mit den Lockdowns und den damit verbundenen Entbehrungen haben die Sinne fürs Wesentliche noch einmal geschärft. So sehr es den Ehrenpräsidenten freut, wenn die SG Sonnenhof Großaspach häufiger gewinnt als verliert, und so sehr es ihn wurmt, wenn es umgekehrt ist, steht doch etwas ganz anderes im Vordergrund: „Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass wir als Familie die Coronazeit bislang gut überstanden haben. Das ist das Wichtigste.“ Das gelte auch für die Aspa-Gruppe, zu deren Geschäftsführern er weiterhin gehört, auch wenn die operativen Aufgaben seit etwa zwei Jahren vor allem in den Händen seines Sohnes, seines Neffen und weiterer Führungskräfte liegen.

Werner Benignus hat sich mit dem Rückzug vom Präsidentenamt des Fußball-Regionalligisten im April 2018 und seinem Teilrückzug aus der Berufswelt die Freiheit verschafft, sich seine Zeit weitgehend nach Belieben einzuteilen. Zum Beispiel besuchen die Enkelkinder Oma und Opa mindestens einmal pro Woche, „der Tag ist mir heilig, da kann kommen, wer will“. Seit Beginn der Pandemie entwickelte sich zudem ein festes Ritual: „Ich gehe jeden Tag raus.“ Statt die Lockdowns auf dem Sofa abzusitzen, brach Benignus zu Wanderungen oder Mountainbiketouren auf und hat das beibehalten. „Mir ist wieder klar geworden, in welch toller Gegend wir leben“, sagt der Mann, für den in Kürze das achte Lebensjahrzehnt anbricht. „Ich bin im Schwäbisch-Fränkischen Wald mittlerweile mit jedem Baum per Du.“ Der angenehme Nebeneffekt dieses Drangs in die Natur: Die Pfunde purzelten. „Nicht ganz 20 Kilo, aber es fehlt nicht mehr viel.“

Es erfüllt ihn mit Stolz, dass die Zahl auf der Waage zuletzt immer kleiner geworden ist. Kummer bereitet ihm dagegen, dass die Punktzahl der SG Sonnenhof nach dem guten Start zuletzt nur noch langsam größer wurde. Denn obwohl Benignus froh ist, die Last der Verantwortung los zu sein, ist die Verbindung zum Verein nach wie vor sehr eng. Die heutige Partie in Frankfurt lässt er zwar sausen, weil vor der morgigen Party bereits Freunde aus Brasilien angereist sind, doch er wird öfters auf sein Handy starren. So war’s auch im Urlaub in Südtirol vor vier Wochen, als Aspach in Aalen kickte und lange 1:0 führte. „Ich habe schon ein Viertele auf den Sieg bestellt“, erinnert sich der Ehrenpräsident, der dann ernüchtert feststellen musste, dass wohl für einige Minuten der Spielstand nicht aktualisiert worden war und die SG noch mit 1:2 verloren hatte.

„Ich will weiterhin alle Heimspiele besuchen, die Auswärtsspiele teilweise“, kündigt Werner Benignus an. Er ist mit unverändert viel Herzblut bei der Sache, wenn der Klub um Punkte kämpft, mit dem er so viel erlebt hat. Der damals 56-Jährige war 2007 kaum zum Vorstandsvorsitzenden der SG-Fußballer gekürt worden, als Trainer Markus Gisdol hinschmiss, weil ihm der Wunsch verwehrt wurde, drei Spielern den Laufpass zu geben. Er habe sich gefragt, warum er sich den Job antue, verriet Benignus einst, doch in den Folgejahren überwogen die positiven Aspekte. Aus sportlicher Sicht sind vor allem das Double aus WFV-Pokal-Sieg und Regionalliga-Aufstieg 2009, der Sprung in die Dritte Liga 2014 und die anschließenden sechs Jahre im Konzert der Großen zu nennen. Als „absolutes Highlight“ pickt Benignus das Rückspiel der Aufstiegsrunde in die Dritte Liga beim VfL Wolfsburg II heraus, als nach dem 0:0 daheim das goldene Tor von Sahr Senesie für grenzenlosen Jubel sorgte. Doch selbst im Moment des größten Erfolgs zeigte sich die gute Seite der schwäbischen Kehrwochenmentalität. Der Boss, den eine Satzungsänderung vom Vorsitzenden zum Präsidenten gemacht hatte, guckte sich beim Gang vom Platz noch einmal um. Ihm stachen Flaschen, abgerissene Tapeverbände und anderer Unrat ins Auge. Ein Pfiff und der ganze Tross drehte um, „danach sah es aus wie geschleckt, picobello“. So was habe er noch nie erlebt, soll VfL-Manager Klaus Allofs gesagt haben. Die Heimfahrt mit dem Bus und der nächtliche Empfang am Hotel Sonnenhof mit Fackelschein und Musikverein seien für immer auf seiner Festplatte eingebrannt, sagt Benignus.

Dasselbe gilt für die Drittliga-Spiele gegen Dresden mit persönlichen Freundschaften, die draus entstanden sind, für den Stadionbau im Fautenhau und die Partien gegen Bundesligisten wie die Bayern und den VfB. Mit Trainern wie Thomas Letsch, Alexander Zorniger und Rüdiger Rehm pflegt er bis heute engen Kontakt. Es gibt aber auch was, das den Ehrenpräsidenten „maßlos ärgert. Vereine, die weit über ihre Verhältnisse gelebt haben und für die immer wieder ein Türchen aufging.“ Sie hatten Schulden bis zur Halskrause und holten dennoch teure Spieler, während die schwäbisch-sparsame SG abstieg. Benignus kreidet dem DFB an, nicht konsequenter durchgegriffen zu haben und hat mit dem großen Fußball und seinen Verbänden nicht mehr viel am Hut.

Umso mehr mit der SG, bei der er noch im Vereinsbeirat sitzt. Fremd ist ihm, den Nachfolgern öffentliche Tipps zu geben. Er habe „unglaublichen Respekt“ davor, was sie im Ehrenamt leisten. Sie stehen nun an der Front, er hat Zeit für andere Dinge. Wie für die Radtour bis mindestens Verona, die er 2022 plant. Mit dem Mountainbike und nicht mit dem E-Bike, denn weiter gilt, was er zu dem ihn mit Extraantrieb überholenden Bekannten sagte: „Ich kaufe mir erst ein E-Bike, wenn ich alt bin.“ Nicht mit 70.

Im Beruf und Ehrenamt lange Zeit vielseitig engagiert

Privates Werner Benignus wird am 24. Oktober 1951 in Backnang geboren. Mit einer Schwester und zwei Brüdern wächst er im Ungeheuerhof auf, wo seine Eltern einen Landwirtschaftsbetrieb hatten. 1977 heiratet Benignus seine Frau Gerlinde, zwei Jahre später zieht das Paar nach Sulzbach und wohnt dort bis heute. 1981 kommt Sohn Andreas auf die Welt, mittlerweile hat der Jubilar vier Enkelkinder – ein Mädchen und drei Jungen.

Berufliches Werner Benignus macht bei der Volksbank Backnang eine Bankkaufmannslehre, dann geht es zum Bund. Er zählt zum letzten Jahrgang mit 18 Monaten Wehrdienst. Zurück bei der Volksbank Backnang, bleibt er dort bis Ende 1997 – unterbrochen von einem kurzen Abstecher zu einem Stuttgarter Geldinstitut. Es folgt der Weg in die Selbstständigkeit mit der Aspa-Bauträgergesellschaft, die heute Teil der Aspa-Gruppe mit verschiedenen Tätigkeitsbereichen ist. 2013 steigt Andreas Benignus ein. Seinen Sohn, seinen Neffen Volker Benignus und Andreas Grüll bezeichnet Werner Benignus als „die neuen Köpfe der Aspa-Gruppe“. Obwohl noch immer einer der Geschäftsführer, ist der Gründer seit etwa zwei Jahren weitgehend raus aus dem operativen Geschäft: „Ich bin sehr stolz, dass der Generationswechsel so reibungslos geklappt hat.“

Ehrenamtliches 1975 ist Benignus einer der Mitgründer des Tennis- und Skiclubs Auenwald und fungiert als stellvertretender Vorsitzender. Er begleitet als Schatzmeister des TC Sulzbach den Bau der Tennisanlage, beim DRK Aspach ist er Kassier und bis heute Kassenprüfer. 25 Jahre sitzt Benignus im Vorstand des BDS-Gewerbevereins Aspach – lange Zeit auch als Vorsitzender, weshalb er inzwischen Ehrenvorsitzender ist.