Vorfreude aufs Duell mit den alten Kumpels

Das heutige Testspiel beim Oberliga-Zweiten Stuttgarter Kickers steht für Aspachs Regionalliga-Fußballer auch im Zeichen des Wiedersehens mit Ex-Kapitän Julian Leist. Der langjährige Abwehrchef der SG pflegt zu ein paar alten Weggefährten immer noch einen guten Kontakt.

Vorfreude aufs Duell mit den alten Kumpels

Julian Leist gab in Großaspachs Defensive viele Jahre den Takt vor. Nach seiner Rückkehr zu den Kickers beobachtet der Abwehrspieler nun von Degerlochs Höhen aus, dass die SG Sonnenhof auch in ihrem zweiten Regionalliga-Jahr gegen den Abstieg kämpft. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Mein Traum war schon, bis zum Karriereende mit Großaspach in der Dritten Liga zu spielen“, gesteht Julian Leist. Bekanntlich ist es anders gekommen. Erst stieg der gebürtige Stuttgarter mit der SG Sonnenhof vor gut eineinhalb Jahren in die Regionalliga ab, dann erlebte der 1,92 Meter große Innenverteidiger eine enttäuschende vergangene Saison. Als Mannschaft lief es nicht und der Kapitän war in seinem siebten SG-Jahr nicht mehr gesetzt. Was lange Jahre eine Erfolgsgeschichte war, endete vergangenen Sommer mit der Auflösung eines Vertrags, der eigentlich noch weitere zwölf Monate gelaufen wäre. Heute gibt’s nun ab 15 Uhr ein Wiedersehen, wenn der Regionalliga-Vorletzte mit komplettem Kader unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim Oberliga-Zweiten aus Degerloch gastiert.

„Ich freue mich drauf“, sagt Leist wohl wissend, dass die meisten seiner sieben Aspacher Jahre eine gute und schöne Zeit waren. „Zu Sebastian Schiek, Nico Jüllich und Max Reule, vor allem aber zu Kai Gehring habe ich immer noch regelmäßig Kontakt.“ Das Verhältnis zu seinem weiterhin in Großaspach unter Vertrag stehenden Ex-Nebenmann in der Defensive bezeichnet der 33-Jährige gar als Traumfreundschaft. Auch weil die zwei mehr als nur die sieben gemeinsamen Jahre in der Aspacher Abwehrzentrale verbindet. „Wir sind zum Beispiel fast gleichzeitig das erste Mal Vater geworden“, sagt Julian Leist und deutet an, dass sich in seinen Gesprächen mit dem nur ein Monate älteren Kai Gehring nicht immer alles nur um den Fußball dreht.

Der langjährige Abwehrchef will aus der Ferne keine Urteil über die SG fällen

Um die erneute sportliche Misere seines ehemaligen Vereins weiß Julian Leist aber selbstverständlich. Eine Ferndiagnose will er trotzdem nicht stellen. Doch Sätze wie: „Wir haben einfach nicht die nötigen Punkte geholt, um in Ruhe arbeiten zu können“, der auf die komplette vergangene Saison gemünzt ist, oder die Erkenntnis: „Wenn du unten stehst, dann kommt oft alles zusammen.“ Verletzungs- und Schusspech wie manchmal unerklärliche Fehler. Wobei es diesmal kein Schwächeln von Beginn an war, sondern nach einem guten Start ein gleitender Niedergang. Dabei hatte sich Julian Leist, als er im Fautenhau den 4:1-Heimsieg über Hessen Kassel vor Ort miterlebte, noch gedacht, „das sieht gut aus“.

Mittlerweile ist klar, dass der erste Eindruck täuschte. Großaspach ist Vorletzter und hat deshalb personell nachgelegt. „Ich hoffe, dass die Verpflichtungen Früchte tragen“, sagt der Ex-Kapitän zu den neuen und erfahrenen Führungskräften wie Vollblutstürmer Sascha Mölders sowie Mittelfeldorganisator Manuel Konrad und zu Zugängen wie Defensivmann Lamar Yarbrough sowie Angreifer Dominik Salz. Aspachs Ex-Kapitän warnt aber auch: „Für den Gegner kann es allerdings nun auch eine zusätzliche Motivation sein, wenn es gegen Spieler wie einen Sascha Mölders geht.“ Fakt ist: „Ich drücke aus der Ferne die Daumen, dass die SG die Liga hält.“ Und: Dass dann nächste Saison zwischen den Kickers und dem Klub aus dem Fautenhau kein Test-, sondern ein Punktspiel auf dem Programm steht, sofern die Stuttgarter als Meister oder über die Relegation als Vizemeister aufsteigen.

Der 33-jährige Abwehrchef, der schon als Jugendlicher für den einstigen Bundesligisten von der Waldau am Ball war, findet es nach seinen letzten Jahren in Aspach „schön, mal nicht gegen den Abstieg zu spielen“. Schließlich hat er den ständigen sportlichen Überlebenskampf „als sehr anstrengend für den Kopf“ empfunden. Überhaupt sagt er zur Entscheidung vor sieben Monaten, seinen Vertrag ein Jahr vor dem eigentlichen Ablauf aufzulösen: „Ich habe es nicht bereut.“ Dabei waren die Einsatzzeiten für den erfahrenen Rückkehrer auf Degerlochs Höhen „in der Vorrunde sicher nicht so, wie ich es mir erhofft habe“. Innerhalb der Mannschaft habe er dennoch ein sehr gutes Standing, berichtet Leist und fügt zudem die kurzen Wege innerhalb Stuttgarts zwischen seiner Wohnung und den beiden Arbeitsplätzen beim Molkereiunternehmen Garmo AG sowie als Fußballer bei den Kickers an. Bis zum Sommer wird er diese Tour auf jeden Fall noch täglich bewältigen, „dann muss man schauen, wie es weitergeht“, sagt der Routinier und fügt hinzu: „Mein Vertrag läuft zwar noch ein weiteres Jahr, aber ich kann mir bei den Kickers auch eine andere Funktion im Verein vorstellen.“ Das mit dem erhofften Karriereende mit Aspach in der Dritten Liga hat sich ja ohnehin seit geraumer Zeit erledigt.

Von Stuttgart über München und Aspach wieder zurück

Julian Leist begann als Steppke beim TSV Steinhaldenfeld mit dem Fußball. In der Jugend ging es vom Stuttgarter Nordosten in den Süden zu den Stuttgarter Kickers. Dort absolvierte er im Oberliga-Team in der Saison 2007/2008 seine ersten Partien im Aktivenbereich.

Ab dem Sommer 2008 war der Abwehrspieler für den TSV 1860 München II am Ball, schaffte es bei den Löwen sogar in den Zweitliga-Kader, kam dort aber nicht zum Einsatz. Über die Drittliga-Elf des FC Bayern München, in der er unter Trainer Hermann Gerland zusammen mit dem Aspacher Nico Jüllich am Ball war, kehrte Leist zur Saison 2011/2012 zu den Kickers zurück. Drei Jahre später wechselte er zu Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof.

Für Großaspach machte er in sechs Drittliga-Jahren und der vergangenen Regionalliga-Saison 245 Pflichtspiele. Viele davon als Kapitän. Im Sommer 2021 kehrte er von dem Klub aus dem Fautenhau zu den mittlerweile in der Oberliga spielenden Stuttgarter Kickers zurück.