Olympia-Kolumne

Wehe, das IOC gräbt den Klappstuhl aus

Wir Journalisten verbringen bei den Olympischen Spielen viel Zeit auf schwarzen Klappstühlen. Nun wissen wir: Das kann gefährlich sein.

Wehe, das IOC gräbt den Klappstuhl aus

Das Pressezentrum in Cortina d’Ampezzo – samt Klappstuhl.

Von Dirk Preiß

Sie kennen den Film „Der Schuh des Manitu“? Gut. Dann wissen Sie auch: Wenn der Klappstuhl ausgegraben wird, dann wird es gefährlich. Weil der Streifen ja eine ziemlich witzige Nummer ist, haben wir das nie so richtig ernst genommen. Nun aber wissen wir: Es stimmt!

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gräbt ja alle zwei Jahre ziemlich viele Klappstühle aus – und stellt sie in diverse Pressezentren. Das ist einerseits nett, da wir als Reporter dann nicht auf dem Boden sitzen müssen. Andererseits ist es auch das: sehr gefährlich.

Zum einen für ohnehin Rückengeschädigte wie uns. Denn das, was sich hier Lehne nennt, ist nicht nur unglaublich hart und ungepolstert. Die untere Kante drückt bei Unsereinem (1,80 Meter groß) auch recht unangenehm irgendwo zwischen Lenden- und Brustwirbel. Die betroffenen Bandscheiben senden jedenfalls nicht gerade Liebesgrüße von da hinten.

Wir müssen da jetzt zwei Wochen lang durch, wollten uns aber eigentlich nicht beschweren über die Klappstühle – weil man sich mit denen ja nicht anlegen sollte (siehe oben). Das Blöde ist nur: Wir haben es doch getan – ohne es zu wissen.

Jedenfalls haben wir uns kürzlich gegen die abendliche Kälte an der Bob- und Rodelbahn in Cortina d’Ampezzo zu wappnen versucht. Im Sitzen wollten wir unter der Hose ein weiteres, wärmendes Beinkleid anlegen. Das hat eine Weile auch recht gut funktioniert. Bis wir uns aus der leichten Kniebeuge heraus haben nach hinten auf den Stuhl fallen lassen.

Dann aber gab es einen lauten Knall, denn der Klappstuhl machte das, was er dem Namen nach am Besten kann: Er klappte zusammen – und wir gleich mit. Im Sichtfeld erschien plötzlich nur noch die Tischkante, die Kollegen nebenan und gegenüber blickten besorgt und boten Hilfe an. Wir lehnten ab – haben unsere Lektion aber gelernt: Wenn das Ding ausgegraben wird, finden wir das künftig nicht mehr lustig, halten einfach die Klappe und hoffen, dass es das nächste Mal besser klappt.