Die deutschen Diskuswerfer Henrik Janssen und Steven Richter wetteten bei der Leichtathletik-WM auf ihre eigenen Teamkollegen. Die beiden wurden nun bestraft - und zeigen Reue.
Diskuswerfer Henrik Janssen hat auf Wettbewerbe bei der Leichtathletik-WM in Tokio gewettet. (Archivbild)
Von dpa
Monaco - Die deutschen Diskuswerfer und WM-Teilnehmer Henrik Janssen und Steven Richter sind wegen Verstößen gegen die Wettregeln des Leichtathletik-Weltverbands World Athletics jeweils für drei Monate auf Bewährung gesperrt worden. Das teilte die unabhängige Integritätskommission (AIU) des Weltverbands mit.
Den Angaben zufolge hatten Janssen und Richter für Wettkämpfe bei den Weltmeisterschaften in Tokio im vergangenen Jahr Wetten auf Teamkollegen abgeschlossen. Janssen soll drei Wetten im Gesamtwert von 100 Euro platziert haben. Bei Richter habe es sich um eine Wette in Höhe von 40 Euro gehandelt.
"Dieser Vorgang trifft uns sehr, auch die beiden Athleten waren am Boden zerstört. In der Euphorie vor der WM haben sie nach eigener Aussage unbedachte Spaßwetten auf andere Disziplinen bei einem Online-Anbieter abgeschlossen", äußerte der Leistungssport-Vorstand des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), Jörg Bügner.
Janssen und Richter zeigen Reue: "Idiotischer Blödsinn!"
Janssen und Richter bereuen nach eigenen Aussagen im Nachhinein den Wetteinsatz. "Wir haben uns im Precamp im TV gemeinsam die Wettbewerbe in Tokio angeschaut und spontan aus einer Laune heraus ein paar Wetten platziert. Was für ein idiotischer Blödsinn! Diese fünf Minuten bereuen wir extrem", sagte Janssen laut einer DLV-Mitteilung.
Richter erklärte, man habe "blöderweise die Athletenvereinbarung nicht richtig gelesen, das war ganz klar unser Fehler" und fügte an: "Unser Verhalten war extrem dumm. Wir bereuen diesen Schritt und entschuldigen uns nur aufrichtig beim gesamten Team."
Janssen und Richter wussten angeblich nichts vom Wettverbot
Beide räumten nach AIU-Angaben die Verstöße ein und erklärten, sie hätten nicht gewusst, dass solche Wetten verboten sind. Weitere Einsätze hätten sie nach entsprechenden Hinweisen nicht mehr getätigt. Außerdem hätten sie erfolglos versucht, ihre Wetten zu stornieren.
"Wir dachten, wir dürfen nur nicht auf unsere Diskuswettbewerbe setzen. Als klar war, dass das falsch ist, haben wir versucht, die Wetten zu annullieren. Aber dies ging nicht mehr", äußerte Richter. Der Mangel an Aufklärung über Wetten und die Geständnisse seien strafmildernd gewesen, hieß es von der AIU.
AIU spricht von "Null-Toleranz-Politik"
Bei der WM in Tokio war Richter in der Qualifikation ausgeschieden, Janssen belegte im Finale ohne gültigen Versuch den zwölften Platz, ein Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen in Paris scheiterte der 27-Jährige in der Qualifikation.
"Die Regeln von World Athletics zu Wetten sollen sicherstellen, dass die Ergebnisse in unserem Sport ausschließlich durch Leistung bestimmt werden. Die AIU verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Verstößen gegen die Wettregeln, da diese das Herzstück der Integrität des Sports treffen", erklärte AIU-Chef Brett Clothier. Die Sanktionen seien eine "klare Erinnerung", dass es in der Leichtathletik keinen Platz für Wettverstöße gebe.
Janssen und Richter müssen nun ein E-Learning des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Prävention von Wettbewerbsmanipulation absolvieren. Der DLV erklärte außerdem, dass man seine "Athletenvereinbarung anpassen und noch stärker für dieses wichtige Thema sensibilisieren" werde.
Auch Französin sanktioniert
Neben den beiden deutschen Sportlern wurde auch die französische Mittelstreckenläuferin Aurore Fleury sanktioniert. Sie setzte bei den Europameisterschaften 2024 in Rom 2.000 Euro auf eine Teamkollegin und gewann 5.000 Euro.
Fleury wurde mit einer sechsmonatigen Sperre rückwirkend ab dem 1. September 2025 bestraft und muss eine Summe von 3.000 Euro zahlen, die für wohltätige Zwecke gespendet werden soll.
Steven Richter gab an, nichts von einem Wettverbot gewusst zu haben. (Archivbild)